Ein neuer Tacheles Podcast ist online-Folge 75: Gender Pay Gap, Digital Index und: Wer wird die Frau von Morgen?

In dieser Folge unterhalten sich Frau Dings und Herr Bums über den Gender Pay Gap. Dabei stehen die Themen Frauen in Führungspositionen, Vergleich mit skandinavischen Ländern, Role-Model-Effekt, Lernen am Modell und einige andere Themen im Fokus.

Ihr findet die Folge unter:

tachelespodcast.de

Viel Spaß beim Hören!

Ein Jahr auf dem Sofa-Januar

Die erste Woche des Jahres war fast vergangen.

Das Gefühl festhalten! Sie wollte das Gefühl festhalten. Sie schaute vom roten Sofa auf und strich mit ihrer Hand über den samtigen Bezug. Sie freute sich über das Gleiten ihrer Hand über die weiche Oberfläche. Ob es anderen Menschen immer so ging? Das Fühlen des Glücks über die Schönheit des Augenblicks? So konnte es bleiben.

Fiona, die Bedienung schaute auf die Frau herab und fragte sich, woran die Frau denken mochte. Es war nur ein kleines Lächeln, das ihr Gesicht erstrahlen ließ. Dabei hatte sie die Augen geschlossen und strich immer wieder leicht über das Sofa. Sie wollte die Frau nicht stören und wartete einfach ab. Ihr Blick fiel nach draußen und sie sah, wie die Sonne versuchte sich an der Wolkenwand vorbei zu mogeln. Fiona bezweifelte, dass sie erfolgreich sein würde. Der Tag war in eintöniges Grau gehüllt. Es war 11 Uhr, dennoch sah es aus, als würde es heute nicht richtig hell werden. Dafür müsste die Sonne energischer sein.

„Ganz schön dunkel, oder?“, sagte die Frau auf dem Sofa und lächelte, als sie Fiona anschaute. Diese antwortete: „Ja, ein typischer Januartag. Alle bleibt wie in Blei getaucht. Eigentlich der perfekte Tag für eine heiße Schokolade.“ Sie lächelte und fragte: „Was darf ich Ihnen denn bringen?“ „Ihre Idee klingt gut. Ich hätte gerne die heiße Schokolade, von der sie eben sprachen. Bitte mit viel Sahne obendrauf!“ Als Fiona lächelte, kräuselten sich ihre Sommersprossen auf der Nase. Sie nickte und verschwand in der Küche. Als sie mit der fertigen Schokolade an den Tisch der Frau zurück kam, musterte sie diese. Kurze graue Haare, um die 50, mit sportlicher Figur. Das feine Lächeln, das ihren Mund umspielte, machte die Frau aus. Sie sah glücklich aus. Fiona versuchte auszumachen, was das Glück der Frau ausmachte. Es war nichts, was mit den Augen zu erkennen gewesen wäre. Es musste verborgen in der Mimik und Gestik sein. Etwas, dass Fiona erkannte, ohne es bewusst wahrzunehmen. Etwas an der Frau zeigte der Außenwelt, dass es ihr gut ging und dass sie genau zu diesem Zeitpunkt, an der Stelle wo sie war, sein wollte.

Als die Frau ihre Schokolade in Empfang genommen hatte, wendete sie sich der Sahne zu. Sie war weich und nur leicht mit Vanillezucker gesüßt. So wie die Frau es liebte. Während sie langsam den ersten Schluck nahm, dachte sie darüber nach, wie sie das Glücksgefühl festhalten konnte. Es war aus dem Nichts gekommen und hatte entschieden sich zu ihr zu gesellen. Das allein war schon ein großes Glück gewesen. Es festhalten zu wollen, war bestimmt der falsche Weg. Instinktiv war sie sich dessen sicher. Aber wenn sie sich es sich bewusst machen würde, dann könnte sie sich die Empfindungen bewusst machen. In sich hineinfühlen: Wie der Magen, die Beine und alle anderen Körperteile sich anfühlten? Welche Gedanken bevölkerten ihren Kopf?Diese Frage ließ sie inne halten. Welche Gedanken waren das denn? Sie stellte die Tasse ab und holte ihr kleines Notizbuch aus der Tasche. Sie zog den Kugelschreiber aus der zum Notizbuch dazugehörigen Stiftschlaufe und schlug eine freie Seite auf.

Sie hielt kurz inne, bevor sie anfing zu schreiben. Sie beschloss, dass es ein erstes Brainstorming sein sollte:

Gute Gedanken-glückliche Gefühle:

Ruhe haben und sich Zeit lassen. Es änderte nichts, sich zu beeilen, denn wenn sie darüber nachdachte, was es noch alles zu tun gäbe, hätte sie schon Zeit vergeudet. Sich auf das zu konzentrieren was man gerade tat, war für sie ein Schritt zum Glück.

Was war alles gut in diesem Augenblick? Da gab es sicher einiges:

Sie war gesund, sie hatte zwei erwachsene Kinder, die ihr Leben im Griff hatten, eine Arbeit, die ihr Spaß machte. Und nicht zu vergessen: Sie hatte ein warmes Zuhause für sich. Das war wirklich ein großes Glück. Wie lange hatte sie sich danach gesehnt und wie schnell hatte sie es für selbstverständlich erachtet. Es war gut, dass sie sich immer wieder daran erinnerte, dass es ein großes Glück war, dass sie alleine leben durfte. In Ruhe. Keiner, der ihr sagte, was sie zu tun und zu lassen hatte.

Sie atmete ein und legte den Stift beiseite. Der Geschmack der süßen Sahne eroberte ihre Mundhöhle. Während ihre Zunge damit beschäftigt war den Geschmack zu verteilen, gingen ihre Gedanken auf Wanderschaft. Ihr kam in den Sinn, wie sehr sie es genoß, dass sie zuhause vor dem Kamin mit einem Buch sitzen konnte, ohne dass ihr jemand Aufträge erteilte. Früher war das anders gewesen. Da hatte sie keine ruhige Minute finden können. Als sie noch bei ihren Eltern gewohnt hatte, war da ihre Mutter, die ihr stets sagte, was sie alles falsch gemacht hatte oder noch falsch machen würde. Später hatte sie die Stimme ihrer Mutter gegen die ihres Mannes eingetauscht. Und als diese auch nicht mehr da war, stellte sie fest, dass sie selbst ihr schlimmster und unerbittlichster Antreiber war. Die Stimme des Antreibers war in ihrem Kopf. Dort entfachte er unerbittliche Kämpfe gegen die Zeit. Sie versuchte ihren Terminkalender abzuarbeiten und stets perfekt auf alles zu reagieren. Sie brauchte keine Stimme, sie WAR die Stimme. Sie hatte den nie zufriedenen, stets anfeuernden inneren Antreiber in sich. Sie selbst gönnte sich keine Ruhe. Sie war ihr schlimmster Ruhe-Räuber und Stressverursacher. Sie hatte das Erbe ihrer Mutter angetreten. Niemandem konnte sie die Schuld dafür geben. Nur sich selbst.

Diese Erkenntnis war erschütternd gewesen. Sie hatte die Stimme ihrer Mutter zurücklassen wollen. Sie hatte gar nicht früh genug das Elternhaus verlassen können. Deshalb war sie so weit weg von zu Hause gezogen, wie es ihr möglich erschien. Nur um dann festzustellen, dass Sie die Stimme ihrer Mutter so verinnerlicht hatte, dass sie ein Teil von ihr geworden war. Das war das letzte, was sie gewollt hatte. Ihre Mutter war schon immer hartnäckig und unnachgiebig gewesen. Dennoch musste es doch einen Weg geben, damit sie nicht mehr in ihrem Kopf herumgeisterte. Dafür hatte sie die Stimme jedoch erstmal erkennen müssen. Was waren denn die Worte der inneren Antreiberin? Welches waren die Worte ihrer Mutter?

Während die Frau auf dem Sofa sich erinnerte, wunderte sie sich darüber, wie sie so lange nicht hatte merken können, dass ihre Mutter ihre Gedanken verpestet hatte. Sie erinnerte sich sehr genau daran, wie erleichtert sie war, als sie endlich eine Möglichkeit gefunden hatte, um die ungeliebte Stimme loszuwerden. Sie hatte ein Bild ihrer Mutter genommen. Auf diesem Bild war sie nicht so vorteilhaft getroffen. Sie sah eher griesgrämig aus. Genauso wie sie aussah, wenn sie schlechte Laune hatte. Da dies eher die Regel als die Ausnahme gewesen war, gab es davon viele Fotos. Sie hatte sich eher wahllos für eins davon entschieden. Dann waren ihr die Sätze eingefallen, die sie gesagt hatte. Sie hat sie auf ein Blatt geschrieben. Dann hatte sie das Foto, einen Schuhkarton und das vollgeschriebene Blatt Papier genommen und war in den Garten gegangen. Sie hatte erst das Blatt verbrannt. Danach hatte sie sich versucht vorzustellen, welchen Raum ihre Mutter so gerne hätte, dass sie ihn nie wieder verlassen wollen würde. In ihrer Gedankenwelt hatte sie genau so einen Raum eingerichtet und sich vorgestellt, dass das Innenleben des Schuhkartons so aussehen würde. Sie hatte das Foto ihrer Mutter hineingelegt und ihr gewünscht, dass sie dort in diesem Traumzimmer endlich glücklich sein und zur Ruhe kommen würde. Den Schuhkarton hatte sie ins Gartenhäuschen ins Regal gestellt. Als sie die Türe geschlossen hatte, schloss sie die Augen und hörte: Nichts! Die Stimme in ihrem Kopf war still, weil sie nicht mehr da war.

Die Frau rührte in ihrer Schokolade, trank einen Schluck und lächelte. Dann schrieb sie auf den Zettel: Ruhe und gute Gedanken

Urlaub im Alltag – die 10te oder: Therapeutisches Stricken

Etwas, das sehr naheliegend ist, wird leicht übersehen. So wie der sprichwörtliche Wald vor lauter Bäumen leicht übersehen wird.

Ich befinde mich seit ca. 40 Jahren in einer nicht repräsentativen Studie. Bewusst wurde mir das gestern um 20.16 Uhr. Im Selbstversuch konnte ich in den letzten Jahrzehnten erfahren, dass Stricken zu mehr Gelassenheit und Ruhe führen kann. Die Änderung der Versuchsbedingungen (Veränderung der Materialien: Merinowolle, Baumwolle, Polyester, Kashmir, Leinen,… und der Nadelstärke) haben gezeigt, dass sie keinen Einfluß auf das Ergebnis haben. Erfahrungsgemäß beeinflusst hingegen das Umfeld das Ergebnis maßgeblich. Im persönlichen Selbststudium konnte ich nachweisen, dass für mich der größte Erholungseffekt eintritt, wenn es sich allein an einem gemütlichen Ort stricken lässt. Effektverstärkend kann eventuell die Kombination mit Musik wirken. Dies ist jedoch vom persönlichen Vorlieben abhängig und kann ohne Risiko ausprobiert werden. Voraussetzung für ruheförderndes Stricken ist jedoch die Kenntnis des Strickvorgangs an sich. Beim Stricken einfacher Muster können Gedanken fließen, wählt man schwierige Muster, befindet man sich in einem Zustand der Gedankenkontrolle (Gedanken haben keinen Platz, da sich die Konzentration auf die Bearbeitung der Musteranleitung fokussieren muss).

Hier kann das therapeutische Sticken zu einer zusätzliche Verstärkung führen. Durch die Bearbeitung der Stickmuster, die mit ausgiebigem Zählen eng verknüpft ist, lässt es sich leicht aus dem Leben zählen. Wer zählt, kann nicht denken – ergo: Kein Platz für schlechte Gedanken. Aber auch für keine guten Gedanken. Nach jahrelanger Testung und mit dem Nachlassen der Sehkraft bevorzuge ich therapeutisches Stricken. Am liebsten mit Nadelstärke 8 – da sieht man, was man getan hat!

Ein neuer Tachelespodcast ist online!

In der aktuellen Folge beschäftigen wir uns mit systemischer Theorie und explizit mit deren Anwendung im Bereich der Beratung/Therapie.

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