Urlaub im Alltag die 9te

…oder: Auf der Suche nach der Stille

Der Tag besteht aus vielen Stunden Geräuschen. Ob es die Straße vor der Tür ist oder der Rasenmäher des Nachbarn. Die meisten Menschen sind ständig Lärm ausgesetzt. Die Kaffeemaschine im Büro, Musik aus dem Autoradio und das geliebte Smartphone meldet sich in regelmäßigen Abständen. Schließlich haben wir es darum gebeten und brav folgt es unseren Anweisungen. Das Lärm krank macht ist kein Geheimnis https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/laerm-macht-krank-stress-fuer-koerper-und-psyche-a-965947.html

Dabei ist nicht nur der Lärm gemeint, der Hörschäden verursacht. Auch der Lärm, dem wir permanent ausgesetzt sind ohne dass wir ihn bewusst wahrnehmen, kann krank machen. Aber wo ist sie, die Stille? Wo kann ich Stille tanken, um meinen Akku aufzuladen?

Vielleicht lohnt es sich für ein Paar Minuten das Autoradio abzustellen?

Morgens als erster/erste aufstehen und die erste Tasse Kaffee/Tee in stiller Küche genießen?

Einen Spaziergang durch die Straßen machen, wenn es schon dunkel ist oder die Bundesliga den heimischen Club beansprucht?

Im Büro auf dem Klo einsperren und fünf Minuten meditieren?

Bestimmt gibt es noch viele Möglichkeiten, sie müssen nur gefunden werden.

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Urlaub im Alltag, die 8te

Im Urlaub eröffnen sich neue Horizonte. Die Sichtweise verändert sich, neue Erlebnisse bereichern die Persönlichkeit. Für all das braucht es Zeit. Zeit ist knapp. Ob ein neues Lebenskonzept Abhilfe schafft?

Aussteigen und in einem Hausboot leben…

Aussteigen und in einer Waldhütte leben…

Ausziehen und die Welt erkunden: Mit Fahrrad, Motorrad, Boot, Auto, …

Ausziehen und andere daran teilhaben lassen. Das gibt tolle Geschichten. Jeder kann sie lesen und dabei das eigene Leben profan finden. Aber nicht jeder von uns ist dafür geschaffen ein neues Lebenskonzept für sich zu entwerfen. Was gut ist, denn wenn wir Daheimgebliebenen alle in den nahegelegenen Forst ziehen würden, es würde eng! Und vielleicht leben die meisten ihr 08/15 Lebenskonzept, weil es sich bewährt hat?

Die Suche nach dem, was man gerade nicht hat, ist tief im Tierreich verankert. Ich erinnere mich gern an einen Auftritt von Dieter Nuhr, in dem er facettenreich beschrieb, dass das Makakenäffchen solange mit der Weintraube zufrieden ist, bis das Nachbaräffchen eine größere Frucht ergatterte. Anschaulich stellte er eine Verbindung zu Golf- und Audifahrern her. Wir Menschen sind näher am Tierreich, als mir lieb ist.

Vielleicht ist das eins der größten Abenteuer: Mit dem was man hat zufrieden zu sein: Mit der eigenen Wohnung, die genau in der Straße liegt, die man in- und auswendig kennt. Urlaub vom Alltag könnte hier sein, den Blick auf das Bekannte zu verändern:

1. Von einer Seite die Straße erobern, die man bis jetzt ignoriert hat. Vielleicht sieht man etwas Neues? Vielleicht erscheint das alt bekannte aber auch in einem anderen Licht?

2. Bei Regen auf dem Balkon, an der Bushaltestelle der im nahe gelegenen Park sitzen und schauen, was es zu sehen gibt.

3. In der Wohnung an Stellen Tee/Kaffee trinken, an denen man dies sonst nicht tut.

4. 10 Minuten pro Tag sich darüber freuen, dass man ein Dach über dem Kopf hat. Mit fließendem Wasser.

5. Die Heizung und das Wasser im Winter abstellen, das erhöht den Campingcharakter. Was wird es für eine Freude sein, wenn man beides wieder anstellt und die erste warme Dusche genießt?

6. Auf dem Balkon kochen und essen.

7. Sich an das zurück erinnern, weshalb man sich gerade für diese Wohnung/das Haus entschieden hat. Warum Wollte man ausgerechnet in der Straße wohnen, in der man nun zu Hause ist? Warum hat man sich für den eigenen Wohnort entschieden?

8. Und wenn man sich für ein neues Lebenskonzept entscheiden sollte, wie wird man es in zehn Jahren finden? Auf einer Skala von 1-10?

9. Und wenn man die beste Freundin/den besten Freund fragen würde, ob man nach zehn Jahren noch mit dem neuen Lebenskonzept glücklich sein wird, was würde er antworten?

10. …

Also: In der eigenen Wohnung ausziehen (vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer, zum Beispiel) und das, was man hat, schätzen! Das macht zufrieden, was sich nach Urlaub anfühlen könnte!

Urlaub im Alltag, die 7te: Das Hier im Jetzt

Es gibt zwei Typen Mensch:

Der eine Typ trauert den wundervollen, in Gedanken hoch stilisierten, Erinnerungen nach.

Der andere Typ fiebert dem entgegen, was er noch nicht hat. Die Zukunft wird in rosafarbenen Bildern gezeichnet.

Die wenigsten leben im Hier und Jetzt. Dabei wäre das der Urlaub im Alltag, der nicht zu toppen wäre: Die Ruhe zu haben, um jeden Moment ausschließlich erleben zu können. Wahrzunehmen, dass JETZT die beste Zeit ist. Jeder Moment ist es wert, genossen zu werden. Denn er wird nie wieder kommen. Manchmal bin ich darüber sehr froh. Wenn ich beim Zahnarzt sitze, zum Beispiel. Aber sich die Ruhe nehmen zu können, um alltägliche Momente wahrzunehmen als das was sie sind: Einzigartige Lebenszeit. Das wäre ein wichtiger Schritt in Richtung Urlaub im Alltag.

Um das wahrnehmen zu können, muss man sich lange in Meditation üben, glaube ich. Am besten fange ich gleich zu üben an. Dann habe ich wenigstens noch die Chance, es in diesem Leben zu lernen!

Ein neuer Tachelespodcast ist online! Nr. 70: vom ICH zum WIR

Bereits Sokrates sagte: “Ich bin ein Gemeinschaftstier!”
In dieser Sendung beschäftigen sich Frau Dings und Herr Bums mit dem Thema: Vom ICH zum WIR. Wie konnte es in den letzten Jahren passieren, dass das Gemeinschaftsgefühl in unserem Land so eklatant abhanden gekommen ist? Oder ist dem nicht so? Was bedeuten beispielsweise die Themen Altruismus und Ehrenamt noch für uns? Welche Auswirkungen haben neue Medien bzw. die Ökonomie auf das Miteinander? Über diese und andere Fragen sprechen Frau Dings und Herr Bums in dieser Sendung. Wir wünschen euch viel Spaß beim Hören

Unter: Tachelespodcast.de

Das Episodenbild ist eine Zeichnung von Frau Dings.

Links zur Sendung:

Aanderud: Vom Ich zum Wir

Bertelsmannstiftung: Vom Ich zum Wir

Zeit-Blog: Warum schreit das ICH so laut?

Urlaub im Alltag, die 6te: Die kleinen fünf

Um abzuschalten ist ein Urlaub genau das richtige. Allerdings eignet sich dieser nur für ein paar Wochen im Jahr, um den Stress abzubauen. Laut Statista wurden 2018 ca 71,2 Milliarden Euro für Urlaub ausgegeben https://de.statista.com/statistik/daten/studie/220264/umfrage/urlaubsreiseausgaben-der-deutschen/. Wir lassen uns das Ausspannen einiges Kosten. Aber was ist mit den restlichen 47-51 Wochen im Jahr, die bleiben, um den Alltag zu genießen? In denen es sich nicht nach Afrika fliegen lässt, um die großen fünf (vor dem Aussterben bedrohte Tierarten: Löwe, Leopard, Büffel, Elefant und Nashorn) zu beobachten? Diese Tiere, die früher als the Big Five unter Großwildjägern gehandelt wurden, weil sie so schwer zu erlegen sind. Heute werden sie beobachtet (hoffentlich ist das immer so!), was ein großes Glück ist!

Aber zurück zu der Frage, was lässt sich in den verbleibenden Wochen des Jahres tun, in denen man zuhause ist? Eine Ärztin in meinem persönlichem Umfeld, die den letzten Safariurlaub in Afrika gerade beendet hatte, schilderte eindrücklich, dass es für sie die absolute Entspannung war darauf zu warten, dass ein Gorilla zum Wasserloch kam. Stundenlang konnte sie da sitzen und warten. Sitzen, warten, nichts tun=absolute Entspannung. Das machte mich nachdenklich. Ob das auch außerhalb von Afrika und ohne Gorillas machbar ist?

Als ich neulich versuchte eine Schnecke zu fotografieren, kam mir die Idee der kleinen fünf. Wenn das Entspannen einsetzt, während man darauf wartet, dass Tiere vorbei kommen, dann lässt sich das im heimischen Garten oder Park leicht herstellen. Kleine Lebewesen, die wir alle vor der Haustür haben, eigenen sich hervorragend: Schnecke, Igel, Biene, Kohlmeise und Co. könnten unsere Entspannungsobjekte werden. Gerade was Igel angeht, kann ich aus eigener Erfahrung berichten, dass ich häufig abends im Dunkeln in meinem Garten sitze und darauf warte, dass mein Mitbewohner rauskommt und sich an den Nacktschnecken satt frisst. Aber auch Frösche hüpfen in meinem Garten fröhlich umeinander, die ebenfalls beobachtet werden können. Und Bienen sind momentan sowieso ganz hoch auf der Beliebtheitsskala. An vielen Feldern lassen sich die Bienen in den extra dafür angebauten Bienenfleiß beobachten. Und wer einen Balkon oder einen Garten hat, kann für ein paar Euro Samen kaufen und selbst Bienen anlockende Blumen säen, um danach entspannend zu beobachten.

Also, auf die Plätze los und: Warten und beobachten! Das entspannt! Und das beste daran: Es lässt sich jeden Tag in den Alltag einbauen. Dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr – kostenlos und klimaschonend!