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Ferienzeit-Reisezeit…alle guten Dinge sind 3

Es gibt viele Geschichten übers Reisen. Heiter, spannend und informativ. Wo gibt es was? Welches Meer ist das blaueste? Und: Wie kommt man dahin???

Die entscheidende Frage!

Die Bahn, ein überstrapaziertes Thema. Nicht nur von mir. Als ich noch Studentin war und täglich zu Uni pendelte, stritt ich mich mit einem Mitfahrenden darüber, wer von uns das Buch über die Pannen mit der Bahn schreiben würde. Das ist nun auch schon 25 Jahre her!

Es wäre einfach zu erklären, ich habe mir eine BahnCard angeschafft, um einen Bestseller zu schreiben. Gelogen wäre es auch. Ich fahre Bahn, weil mir die Autobahnen zu voll und die Umwelt zu wertvoll sind. Wahr ist auch, dass alle sechs Bahnfahrten seit meiner Errungenschaft nicht wie geplant verliefen. Züge fielen aus, verspäteten sich, hatten einen Lokschaden und Anschlusszüge wurden verpasst. Aber vielleicht schreibe ich doch noch das Buch über die Pannen mit der Bahn. Damit könnten sich alle Bahnfahrer identifizieren…

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Die ehrliche Art zu reisen

Nachdem ich vor kurzem auf der A2 im Stau stecken geblieben und nächtlich in Petershagen Not-Schlafen musste, (in der RAD-STATION, kann ich nur empfehlen, hier empfängt ein freundliches Päärchen auch noch nachts um 23.30 Uhr herzlich, selbst wenn man nicht gebucht hat), wollte ich heute alles besser machen. Ich entschied mich für das Fahren mit der Bahn. Frohen Mutes kaufte ich gestern eine Fahrkarte, um heute morgen am Bahnhof zu entdecken, dass mein Zug ersatzlos gestrichen war. Was tun? Der Zug danach sollte auch nicht fahren. Die Deutsche Bahn ist gebeutelt – technische Störungen, Störungen im Betriebsablauf – alles auf einmal und alles an einem Morgen. Irgendwie habe ich es doch bis Hannover geschafft. Meinen Anschlusszug natürlich nicht.

Da ich nun schon viele Jahre immer wieder Bus, Bahn und Auto teste, mehr oder minder erfolgreich, komme ich heute zu dem Schluss: Es gibt nur EINE Art zu reisen. Auf eigenen Füßen!

Denn wenn Du willst, dass etwas funktioniert, mach es selbst.

(Aus: Das fünfte Element)

Eine Bahnfahrt, die begeisterte

Berlin

Es mag dem einen oder anderen komisch vorkommen, dass Begeisterung und Bahn in einem Atemzug genannt werden. Aber da so viel Negatives über die Bahn kursiert, muss ich eine Begebenheit dagegenhalten. Nach einem zehnjährigen regelmäßigen Pendlerdasein zugegebenermaßen eine etwas magere Ausbeute, aber schon allein aus beruflichen Gründen bin ich dazu angehalten danach zu schauen, was da ist und nicht was fehlt. Lasse ich also die anderen Tage, Wochen, Monate und Jahre beiseite und konzentriere mich auf diese eine wunderbare Begebenheit, die sich in einer Regionalbahn zugetragen hat. Also eine wahre Geschichte, auch wenn sie wie ein Märchen anmutet.
Es ist schon viele Jahre her, und ich bin sicher, besagter Bahnbeamte ist heute bestimmt nicht mehr als Zugbegleiter tätig, denn er hatte, aus meiner Sicht, gute Aussichten anderweitig Karriere zu machen. Die Geschichte begann um sechs Uhr morgens. Die Regionalbahn stand in einem der größten Bahnhöfe unseres Landes und wie zu erwarten, waren alle Sitzplätze belegt. Pendler wie ich halfen sich mit Kaffee über die Müdigkeit hinweg. Es wurde in Zeitungen und aus dem Fenster geschaut. Jeder, der dies schon mal erlebt hat, kennt diese Mischung aus Morgenmuff,Trägheit und schlechter Laune. Die Blicke, die einander zugeworfen wurden bedeuteten: Sprich mich nicht an!
Es knackte in der Leitung und alle wussten, was als nächstes kommen würde. Die Durchsage, dass unser Zug eine Nummer hatte, welche Orte wir passieren würden und natürlich Ankunftszeit und Ort würden ebenso wenig fehlen, wie die Durchgangsbahnhöfe, die wir in gewohnt genuschelter Rede erwarteten. Was wohl keiner erwartet hatte, war der Enthusiasmus, mit dem wir begrüßt wurden. Ich wusste nicht welchen Motivationskurs dieser Mann absolviert hatte, aber er musste Klassenbester gewesen sein. Seine Stimme war klar, laut und deutlich. Es schwang ansteckende Begeisterung mit, die dazu führte, das niemand mehr in seine Zeitung schaute. Alle hörten gespannt zu. Wie ein Entertainer sprach er seine Rede in das Mikrofon: Guten Morgen liebe Fahrgäste. Ich begrüße sie ganz außerordentlich und herzlich zu einer Fahrt mit der Deutschen Bundesbahn. Es wird mir ein besonderes Vergnügen sein, sie auf der Fahrt nach A. begleiten zu dürfen. Wie sie sicher wissen, werden wir in folgenden Orten halten: F., S., …. Mein Name ist Herr Mustermann und es wird mir eine große Freude sein, ihnen bei der Fahrt mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Und jetzt enspannen sie sich, lehnen sie sich zurück und genießen sie die Fahrt mit der deutschen Bundesbahn und vor allem die wunderbare Aussicht!
Es knackte in der Leitung, dann wurde es still. Tatsächlich bekam er tosenden Applaus, einige johlten und pfiffen laut vor Begeisterung. Danach war der müde Ausdruck auf den Gesichtern meiner Mitreisenden verschwunden und achtzig Prozent der Anwesenden lächelten. Ich frage mich bis heute, was aus diesem Mann wohl geworden ist? Mir hat er jedenfalls in den zehn Jahren, die ich die Bahn als Transportmittel nutzen musste, die schönste Bahnreise aller Zeiten beschert.