Schlagwort-Archive: Alltag

Corona- die Zeit mit ohne und ohne mit

Corona ist eine Zeit in der alles anders ist: Es gibt…

Alltag ohne Alltag

Urlaub ohne Urlaub

Zeit ohne Geld

Freundschaft ohne Freunde

Freie Zeit ohne Freizeit

Dafür gibt es…

Heim mit Arbeit

Nähe mit Distanz

Familie mit Familie

Der letzte Punkt darf bleiben wie er ist!

Mit und ohne würde ich bei allen anderen Punkten gerne tauschen!

Urlaub im Alltag – die 10te oder: Therapeutisches Stricken

Etwas, das sehr naheliegend ist, wird leicht übersehen. So wie der sprichwörtliche Wald vor lauter Bäumen leicht übersehen wird.

Ich befinde mich seit ca. 40 Jahren in einer nicht repräsentativen Studie. Bewusst wurde mir das gestern um 20.16 Uhr. Im Selbstversuch konnte ich in den letzten Jahrzehnten erfahren, dass Stricken zu mehr Gelassenheit und Ruhe führen kann. Die Änderung der Versuchsbedingungen (Veränderung der Materialien: Merinowolle, Baumwolle, Polyester, Kashmir, Leinen,… und der Nadelstärke) haben gezeigt, dass sie keinen Einfluß auf das Ergebnis haben. Erfahrungsgemäß beeinflusst hingegen das Umfeld das Ergebnis maßgeblich. Im persönlichen Selbststudium konnte ich nachweisen, dass für mich der größte Erholungseffekt eintritt, wenn es sich allein an einem gemütlichen Ort stricken lässt. Effektverstärkend kann eventuell die Kombination mit Musik wirken. Dies ist jedoch vom persönlichen Vorlieben abhängig und kann ohne Risiko ausprobiert werden. Voraussetzung für ruheförderndes Stricken ist jedoch die Kenntnis des Strickvorgangs an sich. Beim Stricken einfacher Muster können Gedanken fließen, wählt man schwierige Muster, befindet man sich in einem Zustand der Gedankenkontrolle (Gedanken haben keinen Platz, da sich die Konzentration auf die Bearbeitung der Musteranleitung fokussieren muss).

Hier kann das therapeutische Sticken zu einer zusätzliche Verstärkung führen. Durch die Bearbeitung der Stickmuster, die mit ausgiebigem Zählen eng verknüpft ist, lässt es sich leicht aus dem Leben zählen. Wer zählt, kann nicht denken – ergo: Kein Platz für schlechte Gedanken. Aber auch für keine guten Gedanken. Nach jahrelanger Testung und mit dem Nachlassen der Sehkraft bevorzuge ich therapeutisches Stricken. Am liebsten mit Nadelstärke 8 – da sieht man, was man getan hat!

Bahnfahrerinnen-mal wieder

Für vieles kann die Bahn verantwortlich gemacht werden: Unpünktlichkeit, fehlende Wagons, horrende Preise…. Für all dies könnte man flammende Wutreden verfassen. Aber für etwas kann die Bahn nichts! Die Bahn kann nichts für ihre Nutzer und Nutzerinnen.

Die Geschichten aus dem Leben sind die unglaublichsten. Dennoch ereignete sich folgende Situation heute im IC von Münster nach Hamburg. Reality TV, quasi ohne TV. Allerdings gab es bewegte und bewegende Bilder. Im überfüllten Zug. Alle Sitzplätze waren belegt, die Reservierungen ausgereizt und auch die Plätze auf den Gängen wurden knapp! Alle Plätze? Nein, ein Platz war frei und nicht reserviert. Er befand sich neben einer alten Dame. Außer mir fragten noch 354 (vielleicht waren es auch ein paar weniger) andere Passagiere besagte Dame, ob der Platz an ihrer Seite noch frei sei. Stets verneinte sie in knappem Ton. Außer mir zogen alle weiter. Nur ich blieb im Gang, weil ich lieber auf meinem Rucksack saß, als weiter durch die Gänge zu irren. Ich musste die alte Dame im Auge behalten (etwas anderes wäre mir lieber gewesen). Mit dem Ergebnis, dass der Platz neben ihr frei blieb. Ich begann mich zu fragen, ob sie den Platz für ihre Beinfreiheit verteidigte. Im Angesicht der vielen Passagiere, die alle stehen mussten, mutete der Gedanke recht aberwitzig an. Je länger dieser Zustand jedoch andauerte, desto wahrscheinlicher wurde dies aus meiner Sicht. Als ich mir mit einem Sprint einen frei werdenden Platz im Nachbarabteil gesichert hatte, überlegte ich, was zu tun sei. Ich wollte besagte Dame konfrontieren und sie fragen, für wen sie während der letzten neunzig Minuten den Platz verteidigt hatte!?

Ich legte mir die Sätze zurecht. Ob sie sich nicht schäme? Warum sie so rücksichtslos agiere? Ich überlegte mir mögliche Konter…als ich alles bedacht hatte (2 Stationen später), machte ich mich gewappnet auf den Weg. Die Dame und ihre imaginäre Begleitung waren ausgestiegen.

Das kommt davon, wenn Spontanität wohl überlegt ist!

Ein neuer Tachelespodcast ist online! Nr.71: Weniger ist mehr

In dieser Folge beschäftigen sich Frau Dings und Herr Bums mit dem Thema: Weniger ist mehr. “Die Wendung stellt auf den ersten Blick eine paradoxe und unsinnige Aussage dar, denn ein Weniger kann nicht Mehr sein.” (Wikipedia) 
Richtiger wäre: “Mehr ist mehr!”, wie Georgette Dee & Terry Truck in ihren Greatest Hits besingen. 
Wer jetzt noch nicht durcheinander ist, wird es vielleicht dadurch, dass sich die anfängliche These: Weniger ist mehr, als paradoxe Aussage wieder verkehrt, in dem der aktuelle Hype durch Ratgeber unterstützt wird, die proklamieren, welche Neuanschaffungen getätigt werden sollen, um sich zu verkleinern oder welche neuen Einkaufsbeutel benötigt werden und vielleicht auch, welches neue Auto.

Da stimmt doch etwas nicht im Denken.

Danke an Herrn Bumms für das tolle Foto!

Urlaub im Alltag die 9te

…oder: Auf der Suche nach der Stille

Der Tag besteht aus vielen Stunden Geräuschen. Ob es die Straße vor der Tür ist oder der Rasenmäher des Nachbarn. Die meisten Menschen sind ständig Lärm ausgesetzt. Die Kaffeemaschine im Büro, Musik aus dem Autoradio und das geliebte Smartphone meldet sich in regelmäßigen Abständen. Schließlich haben wir es darum gebeten und brav folgt es unseren Anweisungen. Das Lärm krank macht ist kein Geheimnis https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/laerm-macht-krank-stress-fuer-koerper-und-psyche-a-965947.html

Dabei ist nicht nur der Lärm gemeint, der Hörschäden verursacht. Auch der Lärm, dem wir permanent ausgesetzt sind ohne dass wir ihn bewusst wahrnehmen, kann krank machen. Aber wo ist sie, die Stille? Wo kann ich Stille tanken, um meinen Akku aufzuladen?

Vielleicht lohnt es sich für ein Paar Minuten das Autoradio abzustellen?

Morgens als erster/erste aufstehen und die erste Tasse Kaffee/Tee in stiller Küche genießen?

Einen Spaziergang durch die Straßen machen, wenn es schon dunkel ist oder die Bundesliga den heimischen Club beansprucht?

Im Büro auf dem Klo einsperren und fünf Minuten meditieren?

Bestimmt gibt es noch viele Möglichkeiten, sie müssen nur gefunden werden.

Urlaub im Alltag, die 8te

Im Urlaub eröffnen sich neue Horizonte. Die Sichtweise verändert sich, neue Erlebnisse bereichern die Persönlichkeit. Für all das braucht es Zeit. Zeit ist knapp. Ob ein neues Lebenskonzept Abhilfe schafft?

Aussteigen und in einem Hausboot leben…

Aussteigen und in einer Waldhütte leben…

Ausziehen und die Welt erkunden: Mit Fahrrad, Motorrad, Boot, Auto, …

Ausziehen und andere daran teilhaben lassen. Das gibt tolle Geschichten. Jeder kann sie lesen und dabei das eigene Leben profan finden. Aber nicht jeder von uns ist dafür geschaffen ein neues Lebenskonzept für sich zu entwerfen. Was gut ist, denn wenn wir Daheimgebliebenen alle in den nahegelegenen Forst ziehen würden, es würde eng! Und vielleicht leben die meisten ihr 08/15 Lebenskonzept, weil es sich bewährt hat?

Die Suche nach dem, was man gerade nicht hat, ist tief im Tierreich verankert. Ich erinnere mich gern an einen Auftritt von Dieter Nuhr, in dem er facettenreich beschrieb, dass das Makakenäffchen solange mit der Weintraube zufrieden ist, bis das Nachbaräffchen eine größere Frucht ergatterte. Anschaulich stellte er eine Verbindung zu Golf- und Audifahrern her. Wir Menschen sind näher am Tierreich, als mir lieb ist.

Vielleicht ist das eins der größten Abenteuer: Mit dem was man hat zufrieden zu sein: Mit der eigenen Wohnung, die genau in der Straße liegt, die man in- und auswendig kennt. Urlaub vom Alltag könnte hier sein, den Blick auf das Bekannte zu verändern:

1. Von einer Seite die Straße erobern, die man bis jetzt ignoriert hat. Vielleicht sieht man etwas Neues? Vielleicht erscheint das alt bekannte aber auch in einem anderen Licht?

2. Bei Regen auf dem Balkon, an der Bushaltestelle der im nahe gelegenen Park sitzen und schauen, was es zu sehen gibt.

3. In der Wohnung an Stellen Tee/Kaffee trinken, an denen man dies sonst nicht tut.

4. 10 Minuten pro Tag sich darüber freuen, dass man ein Dach über dem Kopf hat. Mit fließendem Wasser.

5. Die Heizung und das Wasser im Winter abstellen, das erhöht den Campingcharakter. Was wird es für eine Freude sein, wenn man beides wieder anstellt und die erste warme Dusche genießt?

6. Auf dem Balkon kochen und essen.

7. Sich an das zurück erinnern, weshalb man sich gerade für diese Wohnung/das Haus entschieden hat. Warum Wollte man ausgerechnet in der Straße wohnen, in der man nun zu Hause ist? Warum hat man sich für den eigenen Wohnort entschieden?

8. Und wenn man sich für ein neues Lebenskonzept entscheiden sollte, wie wird man es in zehn Jahren finden? Auf einer Skala von 1-10?

9. Und wenn man die beste Freundin/den besten Freund fragen würde, ob man nach zehn Jahren noch mit dem neuen Lebenskonzept glücklich sein wird, was würde er antworten?

10. …

Also: In der eigenen Wohnung ausziehen (vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer, zum Beispiel) und das, was man hat, schätzen! Das macht zufrieden, was sich nach Urlaub anfühlen könnte!