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Wenn Achtsamkeit unter den Nägeln brennt

Achtsamkeit und mit sich achtsam umgehen ist im Trend. Ich dachte: Das ist nützlich für mich und mein Wohlbefinden. Nicht der Trend, aber der Umstand mehr auf sich acht zu geben. Entspannungsübungen sind gut und bereichern meinen Alltag. Achtsamkeitsübungen lassen sich sicher ebenso gewinnbringend einbauen. So viel zum Plan.

Gesagt getan: Die Achtsamkeitsübung sah vor eine Teetasse zu spülen. Und das sehr achtsam!!! Was das bedeutet? Die Konzentration auf die Teetasse fokussieren. Farbe, haptische Beschaffenheit, der Ton des blubbernden Spülwassers,….

Wasser eingelassen, Tasse rein und los. Teetasse spülen und dabei alle oben genannten Faktoren berücksichtigen. Bis die Tasse gespült war hat alles gut funktioniert.

Dann war da die gespülte Tasse, eine Menge sauberes Spülwasser und weiterer Dreck, den man hätte beseitigen können. Ich habe mit mir gerungen. ‚Lass die Achtsamkeit die Oberhand gewinnen‘. ‚Lass die Küche dreckig‘.

Um es kurz zu machen: Die Küche hat gewonnen. Die Achtsamkeit ist im Spülwasser versunken.

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Theorie und Kater

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Aus Interesse beschäftige ich mich mit verschiedenen Theorien. Da das ein eher abstraktes Freizeitvergnügen ist, versuche ich die mit einem Alltagsbezug „aufzupeppen“. Dazu muss mein männliches Katzentier, an dieser Stelle wollte ich nicht Kater schreiben, weil dies eventuell mit einem gesteigerten Alkoholkonsum assoziiert und fälschlicherweise als Begründung für meinen theorielastigen Zeitvertreib angesehen werden könnte, her halten. Mein Kater ist nicht verantwortlich. Aber muss als gedankliches Versuchsobjekt dienen. Glücklicherweise weiß er davon nichts. Das hat etwas mit seiner Selbstorganisation oder auch Autopoiese zu tun. Wer sich mit dieser Theorie beschäftigt hat weiß, dass es sich dabei um die aus der Biologie stammende Theorie handelt, die besagt, dass sich Organismen aus sich selbst heraus erschaffen und erhalten (Maturana, Varela: Der Baum der Erkenntnis. 1987). Dieser Theorie folgend, haben sich viele Berufsfelder und Forschungen verändert. In diesem Zusammenhang fand ich ganz charmant, dass dieser theoretischen Grundlage zur Folge es nur möglich ist Prozesse (auch Lernprozesse) „anzuschubsen“, um es mal vereinfacht auszudrücken. Bezogen auf meinen Kater: Das stimmt. Er verschließt sich sämtlicher Erziehungsversuche. Ich schubse bei ihm nur an. Mehr oder weniger erfolgreich, wenn ich zum Beispiel mein Augenmerk auf die Wahl seines Futters lege. Wie oft habe ich bei ihm die Vorliebe für Aldifutter angestoßen. Aber sein Organismus verschließt sich und ist nur bereit sich aus sich selbst heraus zu erschaffen, wenn er Kitekat bekommt. Mit den damit verbundenen Abfallprodukten. Selbstverständlich sind die ein Problem, die meinen Organismus betreffen. Auch ich habe versucht mich dem zu verschließen. Hier hat der Kater sehr erfolgreich meine Lernprozesse in Gang gesetzt und am Leben erhalten. Wenn das Katzenklo voll ist, mache ich es leer, denn mein Organismus kann den Gestank nicht integrieren. Das erschwert die Aufrechterhaltung des menschlichen Systems und ist somit ungesund.
Aber ohne auf dieses Thema noch näher eingehen zu wollen, möchte ich an dieser Stelle die Theorie der Achtsamkeit in den Vordergrund stellen und anhand meines Katers veranschaulichen. Mir fiel ein Bericht über achtsam mit sich selbst sein in die Hände. Ein Thema, das bei steigenden Zahlen von Depression und Burnout, zunehmend Gehör findet. Sich in Gelassenheit üben, achtsam mit sich umgehen, die innere Mitte finden und das alles in Ruhe und in Einklang mit sich selbst und dem Lebensumfeld. Da das nicht ganz trivial ist, kann meditieren hilfreich sein. Meditation soll dabei unterstützen aufmerksam zu duschen, zu essen, zu schmecken, zu riechen, zu atmen und Zähne zu putzen. Das alles (wenn ich duschen und Zähne putzen mal außen vor lasse) schafft der Plüsch (mein Kater) ganz ohne meditieren! Wenn einer das auf sich achten verinnerlicht hat, dann er! Dabei verströmt er das Gefühl im Einklang mit sich selbst zu sein. Das Tier achtet nicht nur auf seine Ernährung, sondern auch auf seinen Schlafplatz. Weich muss er sein. Nie liegt er auf harten Untergründen, nur auf weicher Wäsche. Am liebsten auf der frisch gewaschenen. Auch frisch bezogene Betten entsprechen seiner Annahme von Achtsamkeit. Und er bewegt sich nur aus eigenem Antrieb. Achtet bei seiner Ernährung extrem darauf, dass sie seinen Ansprüchen genügt und bei seinem zweifelhaften Freizeitvergnügen Mäuse zu erlegen, bewegt er sich wahrscheinlich auch noch im Einklang mit der Natur. Soviel Einklang ist fast schon unverschämt. Da wird nur meditieren helfen. Nicht ihm, sondern mir.