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Nur noch ein Kapitel…

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dann ist das Kinderbuch von und mit der kleinen Elfe, die am Watt wohnt und nicht länger in Deichhöhlen wohnen will, fertig. Das müsste mich mit Freude erfüllen, denn ich habe viel Zeit mit der kleinen Wattenmeerelfe verbracht, damit das Buch über sie fertig wird. Mit Ihr habe ich den Deich erkundet, das Meer und das Watt genossen. Wir haben über die Deichhöhlen geschimpft und zusammen nach Alternativen gesucht. Mit ihr bin ich an der Küste in Gummistiefeln durch den Schlick geschlittert – dem Regen zum Trotz. Höhen und Tiefen haben wir zusammen durchgestanden. Ich habe versucht die Wattenmeerelfe vor Gefahren zu bewahren (soweit möglich), mit ihr nach neuen Wegen gesucht (wenn diese vorhanden waren) und ihr immer wieder ihre Mütze gereicht, wenn sie diese benötigte. Wenn sie wieder mal bis zum Hals im Schlamm steckte, habe ich sie herausgezogen. Wenn mich der Möwendreck traf, haben wir zusammen gelacht, bis die Tränen das Meer zum Überlaufen brachten. Das war schön, auch wenn wir dann Ärger bekamen, mit wem wird nicht verraten.

Während ich ihr Leben gezeichnet habe, hat sie meins auf den Kopf gestellt. Nun haben wir nur noch ein Kapitel zusammen. Die Zeit bis hierhin war schön. Ich habe sie in mein Herz geschlossen. Drei Mal feste schlucken soll helfen. Wie traurig können Wattelfen werden? Trauriger als Menschen? Aber ein Ende führt, wenn man Glück hat, zu einem neuen Anfang. Wenn die Elfe Lust hat, gibt es vielleicht noch ein Buch. Ich frag sie mal…

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Das Leben der Wattenmeerelfe bekommt Farbe

Das Kinderbuch nimmt immer mehr Formen an und ich habe auf meine Kinder gehört und dem Leben am Wattenmeer ein wenig Farbe gegeben.

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Tage am Meer

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Es gibt Tage an denen befindet man sich in absoluter Ruhe im Einklang mit der Natur und sich selbst. Und dann gibt es die anderen Tage. Die Tage, die sonst da sind. Die Tage, an denen nichts funktioniert, ständig irgendetwas erledigt werden muss oder Bedürfnisse erfüllt werden wollen.  Während die Tage mit den Aufgaben ansonsten meinen Alltag füllen, durfte ich in den letzten 48 Stunden in den Genuss der ersteren Tage kommen. In Einklang mit der Natur (das Meer!) war die Ruhe gut zu mir. Ein Hoch auf Ostfriesland!!

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Wattenmeerelfe unterwegs

Berlin

Ihre kleinen gelben Gummistiefel machten regelmäßige platschende Geräusche, als sie über die Fliesen der Bahnhofsvorhalle eilte. Sie wollte keine Minute länger in Braunschweig bleiben, als unbedingt notwendig. Sie hatte genug gesehen von dieser Stadt, die ausschließlich aus diesem blau-gelben Fußballverein und einem Löwen zu bestehen schien.

Als sie den Bahnsteig erklommen hatte, stellte sie sich abseits der wartenden Menge. Sie hoffte auf ein schnelles Erscheinen des Zuges. Es war kalt, windig und sie wollte weiter. Die kleine Elfe hatte nicht den weiten Weg vom Wattenmeer durch das gesamte niedersächsische Land hinter sich gebracht, um jetzt in Braunschweig zu stranden. Es musste doch mehr in der Welt geben. Ein Blick auf die Anzeigetafel und sie hatte sich entschieden. Berlin! Das war ihr Ziel. Sie war sich sicher: Dort musste das passende Fleckchen Erde für sie zu finden sein. Weit weg von Deichhöhlen und Umsiedlungsmaßnahmen in Keller, Hühnerställe oder Ersatzstrandkörbe.

Der Zug brauste mit rasender Geschwindigkeit in den Bahnhof ein. Die Wattelfe musste sich mit aller Kraft an der Tasche eines Mitreisenden festhalten, um nicht vom Bahnsteig geweht zu werden. Da sie die Tasche weiterhin so fest wie möglich umklammerte, wurde sie von dessen Träger der in den Zug befördert. Kaum hatte sie das Innere des ICEs erreicht, machte sie sich selbstständig auf die Suche nach einem geeigneten Plätzchen für die Weiterfahrt. Dafür stromerte sie durch viele Gänge und musste so einigen Füßen ausweichen. Ihre Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Menschen waren in großer Anzahl eine träge Masse. Da sie so klein war, gelang es ihr unter den Sitzen durchzuschlüpfen. Allerdings war das mit einem hohen Risiko verbunden. Sie durfte den Füßen nicht zu nahe kommen. Nicht auszudenken, wenn sie mit einem der dicken Winterstiefel kollidiert wäre. Unter einem Sitz lauerte sogar ein Hund. Es gelang ihr, sich ungesehen an ihm vorbei zu schleichen. Der Gedanke, was passieren würde, wenn er aufwachte, trieb ihr den Angstschweiß auf die Stirn. Schließlich erreichte sie ein Abteil, das ganz nach ihrem Geschmack war. Hier saßen nur wenige Menschen und alle schienen mit etwas anderem beschäftigt zu sein. Der eine las, eine Frau strickte mit dicker grüner Wolle einen Schal und der Mann mit der Brille hatte einen von diesen kleinen Computern auf dem Tisch vor sich stehen. Sie entschied sich für den nett aussehenden Mann. Er saß entspannt an einem Festerplatz und war ganz in seinen Computer vertieft. Hin und wieder holte er sein Handy heraus und lächelte, wenn er darauf schaute. Ungesehen krabbelte die Wattelfe an der Stuhllehne hoch und setzte ihren Weg fort, bis sie den kleinen Koffer, der neben ihm auf dem Sitz stand, ebenfalls erklommen hatte. Sie ließ sich in die kleine Seitentasche gleiten, so dass sie gerade noch herausschauen konnte. So hatte sie beste Sicht aus den Zugfenster. Als der Zug sich in Bewegung setzte, beobachtete sie, wie die Landschaft an ihr vorbei zog. Der Mann war sehr damit beschäftigt etwas in seinen Computer zu tippen. Die regelmäßigen Geräusche des Zuges, die Stille um sie herum und die vorbeiziehende Landschaft bewirkten, dass die kleine Wattelfe in nur wenigen Minuten tief und fest eingeschlafen war.

Sie erwachte vom Zuklappen des Computers. Der Mann packte seine Sachen zusammen. Ein Blick durchs Fenster verriet ihr, dass sich ihre Reise dem Ende näherte. Sie waren in der Hauptstadt angekommen. Der Zug fuhr nur noch langsam und die Elfe hatte Gelegenheit die vielen Gleise, die grauen, missmutig aussehenden Häuser und weitere an ihnen vorbeiziehende Züge zu betrachten. Beim Anblick der Stadt bezweifelte sie, dass es eine gute Idee gewesen war, hierher zu kommen. Sie machte sich ganz klein in ihrer Seitentasche und schlotterte ein wenig vor sich hin, so groß war die Angst vor der großen Stadt. Als der Mann seine Sachen verstaut hatte, griff er nach seinem Koffer und bewegte sich zum Ausgang des ICE. Ohne es zu wissen, beförderte er seinen kleinen blinden Passagier durch den riesigen Bahnhof. So hatte sich die kleine Wattenmeerelfe die Hauptstadt nicht vorgestellt. Sie hoffte inständig, dass der Mann an ihrer Seite Geschmack beweisen würde und sie an einen schönen Ort mitnähme.