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Im Krankenhaus kann es auch lustig sein…(I)

krankenhaus

Wer glaubt, dass Krankenhäuser Orte des ausschließlichen Elends sind, der täuscht. Es passieren Dinge, die das Leben durchaus erfreuen. Geradezu erfrischend und erheiternd sind teilweise die Anekdoten und Dialoge, die sich zutragen. So wie dieser Dialog zwischen einer Patientin und Arzt:

Arzt: „Hallo Frau XY, sie bekommen dann heute noch eine Impfung!“

Frau XY (runzelt die Stirn): Warum bekomme ich denn noch eine Impfung? Wogegen denn?“

Arzt: „Da bei Ihnen durch den Unfall bedingt die Milz entfernt werden musste, brauchen sie eine Impfung!“

Frau XY (entsetzt und mit panisch schriller Stimme): „Wieso ist denn die Milz nicht mehr da?!!! Mir wurde doch gesagt, dass sie gerettet werden konnte!“

Arzt (runzelt nur kurz die Stirn und wirft einen Blick in die Patientenakte): „Ach, da hab ich mich vertan, natürlich haben sie ihre Milz noch. Das war ein anderer Patient!“

Frau XY: „Sind sie sicher? Brauche ich also keine Impfung?“

Arzt (lächelt): „Nein, keine Impfung!“

Auf dem Festland unterwegs

Maastricht

Ivi war gegen Morgen mit einem Gefühl der Glückseligkeit im Sockenfach der Reisetasche eingeschlafen. Die Nacht hatte die Wattenmeerelfe damit zugebracht ihre Füße zu befühlen, mit jedem einzelnen Zeh zu wackeln und sich vor Freude immer wieder zu schütteln. Es war passiert. Sie hatte ihre Gummistiefel verloren. Endlich! Die Freude hatte sie erschöpft. Aus diesem Grund hatte sie den Aufbruch von Mutter und Tochter verschlafen. Sie wurde wach, als sie etwas an den Füßen kitzelte. Als sie die Augen aufschlug sah sie, wie das Mädchen ein paar gebrauchte Socken in die Tasche stopfte. Dabei hatte sie, ohne es zu wissen, die Elfe berührt und geweckt. Es dauerte nicht lange und ein muffiger Geruch drang bis zu Ivis Nase. Der musste von den gebrauchten Strümpfen des Mädchens kommen. So ein kleines Mädchen und so muffelnde Füße. Wie konnte das sein? Ivi rümpfte die Nase und krabbelte aus der Tasche. Dabei spürte sie immer wieder ihre Füße. Ohne die Gummistiefel konnte sie jede Bewegung fühlen, wie schön das war. Sogar die Kälte an den Füßen gefiel ihr. 
 
Die Mutter des Mädchens hatte den Wagen auf einem Parkplatz abgestellt und die Heckklappe geöffnet. Mutter und Tochter hatten es sich im Kofferraum des Kombis bequem gemacht und aßen Brötchen. Unbemerkt hatte sich Ivi hinter den Proviantkorb gesetzt und stibitzte immer wieder Kleinigkeiten, die heruntergefallen waren. Körner, Brötchenkrümel und Wurstscheiben. Die Wattenmeerelfe war so glücklich, dass es ihr so gut wie noch nie schmeckte. Als die Fahrt weiter ging, saß Ivi im Kofferraum am Fenster und ließ die Landschaft an sich vorüber ziehen. Bäume, Häuser, Felder, aber kein Meer und Watt waren weit und breit zu entdecken. Sie wackelte mit den Zehen und war sich sicher, dass ein wunderbares Leben vor ihr lag. Irgendwann fuhr das Auto durch eine Stadt. Ivi schaute die vielen Häuser und Autos an und fragte sich, wo sie wohl war. Als die Mutter das Auto in eine Parklücke fuhr, erhaschte Ivi noch einen kurzen Blick nach draußen. Da stand ein einzelnes sehr großes altes Haus nicht weit vom Auto entfernt. Einen Fluss gab es auch. Aber kein Meer. Die Wattenmeerelfe atmete auf. Dann versteckte sie sich so schnell wie möglich erneut in der Reisetasche. sie wollte nicht alleine im Wagen zurückbleiben. Bis jetzt war die Reise mit Mutter und Tochter sehr gut verlaufen. so sollte es bleiben. Ivi schlüpfte gerade noch rechtzeitig zurück zu den Socken in die Reisetasche, bevor die Tasche von der Mutter aus dem Auto gehoben wurde. 

 

Die geliebte Frau

Cover3

Es gibt für drei Tage eine kostenloses Kapitel aus Neue Geschichten vom Sofa

unter

http://www.loulila.de/leseproben.html 

Hier eine Leseprobe: Die geliebte Frau

[…] Sie stand im Café und ließ den Blick schweifen. Es würde nicht leicht werden, aber was war in den letzten Monaten schon leicht gewesen? Sie konnte sich an wenig Unbeschwertes erinnern. Sofort erkannte sie die Frau. Sie saß auf dem Sofa, als würde sie dorthin gehören. Gleich würde ein Fotograf um die Ecke kommen, um sie zu fotografieren. Natürlich, diese Vorstellung war absurd, aber so wie sie da saß, hätte man meinen können, sie warte darauf. Während sie auf das Sofa zusteuerte fiel ihr auf, wie verschieden sie waren. Ihre Verabredung war nicht nur größer, sondern auch jünger. Sie lächelte bei dem Gedanken, dass alles eine Ordnung hatte. Als sie das Sofa erreichte, streckte sie der Frau die Hand entgegen und sagte: „Sie müssen Ilvi sein.“ Die Frau schaute ihr in die grauen Augen und antwortete: „Ja. Und sie sind Elvira!“ Erst als die stehende Frau nickte, schüttelte sie ihr die Hand. „Bitte setzten sie sich doch zu mir!“ Ihre Worte untermalte sie mit einer eindeutig einladenden Geste. Elvira nahm das Angebot an und fragte sich, wie es nun weiterginge. Bevor sie eine Antwort finden konnte, stellte die Bedienung einen Kaffee vor Ilvi auf den Tisch und fragte dabei nach ihren Wünschen. Ihre Wünsche? Keiner ihrer Wünsche würden hier erfüllt werden können. Also bestellte sie nur Kaffee. Als die Bedienung außer Hörweite war, holte Ilvi Luft und sagte: „Du fragst dich bestimmt, warum ich dich um ein Treffen in diesem Café gebeten habe, oder?“ Elvira schaute sich um und antwortete: „Ehrlich gesagt: Ja.“ Ilvi nahm ihre Tasse in die Hand und pustete, bevor sie die Lippen zum Trinken ansetzte. Elvira hatte es gewusst: Diese Frau hatte die perfektesten Lippen der Welt und kein Mensch würde je mit ähnlicher Anmut aus einer normalen Kaffeetasse trinken können. Sie hatte damals schon gesehen, dass sie schön war, aber manchmal geben Fotos nicht das gesamte Ausmaß der Wahrheit preis. Ilvi setzte die Tasse ab und sagte: „Ich wollte dich endlich persönlich kennenlernen. Und dieses Café hat eine besondere Bedeutung. Ich wollte mit dir an dem Ort sein, an dem er alles ins Rollen gebracht hat.“ Am Gesicht ihrer Tischnachbarin konnte sie erkennen, dass diese nicht verstand worauf sie hinaus wollte.  […]