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Lesen ist mindestens so entspannend wie zeichnen…

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So sieht sie aus, die Wattenmeerelfe!

Wattenmeerelfe Deich

Das Schreiben meines Kinderbuchs neigt sich langsam dem Ende entgegen. Da hat es etwas mit den Sommerferien gemein. Ich befürchte, dass die Ferien schneller beendet sein werden, als mein Kinderbuch. Trotzdem wird es Zeit sich um die Illustration der Geschichte zu kümmern. Habe ich gemacht: So sieht sie letztendlich aus – die Wattenmeerelfe. Und wer genau hinguckt, kann im Hintergrund den Leuchtturm von Forum sehen. Womit auch klar wäre, wo die Geschichte spielt: An der ostfriesischen Nordsee – wo sonst sollten Wattenmeerelfen leben?

Ivi auf Reisen: Im Sockenfach

Sockenfach

Etwas hatte sie aus dem Schlaf gerüttelt. Als sie die Augen mit einem kleinen Blinzeln öffnete, blendete sie die helle Sonne. Es war noch früh am Morgen. Sofort kam die Erinnerung zurück: Sie war noch immer am Deich! Ivi schüttelte sich und ballte die kleinen Fäuste. Immer und immer wieder der Deich mit seiner Ebbe und Flut. Sie mochte sie einfach nicht mehr sehen und fühlte die gleiche Wut wie am Vorabend in sich aufsteigen. Als Ivi sich umschaute, erinnerte sie sich: Gestern hatte sie Zuflucht in einem Zelt gefunden. Weich und kuschelig war die Höhle gewesen, in der sie geschlafen hatte. Nun erkannte die Wattenmeerelfe, dass sie in der Seitentasche eines Trollis gelandet war. Es waren viele bunte frische Kindersocken darin, die ihr eine gute Nacht beschert hatten. Die Elfe hatte so gut geschlafen, wie seit langem nicht. Hatte sie es doch gewusst: Im Trocknen sein, war einfach viel besser.
 
Ratlos thronte Ivi auf dem obersten Strumpf und überlegte, was zu tun sei. Sollte sie wieder zurück zum Dorumer Deich? Oder hier bleiben und eine neue Deichhöhle suchen? Sie erinnerte sich an den kleinen Leuchtturm. Vielleicht bot der auch eine Unterkunft für so eine kleine Elfe wie sie? Den Gedanken weiter zu ziehen, um etwas ganz anderes zu finden, hatte sie am gestrigen Abend verworfen. Sie war bereit die große Sehnsucht nach einem Leben ohne Watt und Deich aufzugeben. Vielleicht sollte es so sein: Wattenmeerelfen gehören nun mal ins Watt! Das hatte sie früher schon immer zu hören bekommen. Damals war in ihr die Gewissheit gewachsen, dass wenn man nur diese Gummistiefel und das Watt los wäre, dann könne auch das schöne Leben beginnen. Mit dieser Meinung hatte sie ziemlich alleine dagestanden. Die anderen Elfen verstanden das nicht, schließlich liebten sie das Meer mit seinen Gezeiten und den dazugehörigen Gummistiefeln. Ivi wollte etwas anderes, aber das andere sie offenbar nicht. Sie seufzte und spürte, dass sie hungrig wurde. Aber es kam nicht mehr dazu, dass sie aus ihrem Sockenfach klettern konnte. Mit einer schnellen Bewegung schloss jemand den Reißverschluss des Trollis. Um Ivi herum wurde es dunkel. Dann wurde sie ein paar mal hin und her geschleudert. Die weichen Socken verhinderten glücklicherweise Verletzungen. Mit dem lauten Knallen einer Tür war das Geschaukel beendet. Da saß sie nun. Hungrig und ängstlich in ihrem dunklen Sockenfach. Was würde nun passieren? Plötzlich wünschte sie sich, sie wäre wie alle anderen Wattenmeerelfen. Dann würde sie jetzt auf die Flut warten und sich des Lebens freuen. Stattdessen steckte sie in einem Kindertrolli fest. 
 
Während die Wattelfe zwischen den Socken saß, fuhr das Auto, in dessen Kofferraum der Trolli lag, in Richtung Bundesstraße. Ivi konnte nicht hören, wie sich die Frau und das Kind im Auto über die bevorstehende Reise austauschten. Dass sie sehr lange unterwegs sein würden, erfuhr Ivi erst später.

Wattelfe auf Erkundungstour

Geysir

Als die Elfe endlich ans Ufer trieb, war das Papierboot längst aufgeweicht. Lange hätte es dem Flusswasser nicht mehr Stand halten können, das war offensichtlich. Die Wattenmeerelfe schaute auf den Fluss, der so groß war, dass sie das andere Ufer kaum erkennen konnte. Dann sprang sie aus dem Boot und landete sicher mit den gelben Gummistiefeln im Schlick. Das fühlte sich ja fast an wie Watt! Vielleicht sollte sie hier bleiben, wenn es für sie ein gemütliches Plätzchen zum Schlafen gab? Ein Blick nach rechts und links verriet jedoch, dass direkt am Ufer nichts passendes zu sehen war. Keine Höhle, keine Strandkörbe, nur etwas gestrandetes Holz. Sie schnallte sich den Rucksack mit dem Wurfstrandkorb um und und machte sich auf die Suche. 
 
Sie musste einen langen Weg gehen, um zu einem Tor zu gelangen. Wenn sie nicht so klein gewesen wäre, hätte sie sicher einen Schlüssel gebraucht, um durch das Tor zu gelangen. So konnte sie einfach durch die Stäbe schlüpfen. Nach kurzer Zeit gelangte sie zu einem Platz, der um einen Steinhaufen angelegt worden war. Die Elfe ging näher, um sich den Steinhaufen aus der Nähe zu betrachten. Dafür musste sie ihre Zähne feste zusammenbeißen, damit sie bis zum Gipfel hinauf fliegen konnte. Das war anstregend, lohnte sich aber. Denn: Als die Elfe oben angekommen war, sah sie einen kleinen See in mitten all dieser Steine. Im Vergleich zum Fluss war der der See winzig klein. Nur ein paar Elfen fänden hier Platz zum Schwimmen, aber immerhin! Hier würde sie bleiben. Sie flog hinunter auf den Platz und stellte ihren Wurfstrandkorb in der Nähe der Steine auf. Gerade hatte sie ihr Gepäck verstaut, als sie sah, dass es in dem See anfing zu brodeln. Erst waren es einige wenige Blasen, aber nach kurzer Zeit baute sich eine Wassersäule auf. Eine Wassersäule, die schnell immer größer wurde. Die kleine Elfe staunte nicht schlecht. Das musste ein Geysir sein! Sie kannte Geysire nur aus der Schule. In isländischer Elfenkunde wurde über Geysire berichtet. Aber sie konnte doch nicht bis Island mit dem Papierboot geschippert sein. Das war unmöglich! Erdkunde hatte sie schließlich auch in der Schule gehabt. Die Wattelfe wusste sicher: Island war weit weg und nicht ohne Weiteres zu erreichen.
 
Als die Wassersäule immer kleiner wurde und schließlich ganz verschwunden war, nahm sich die Wattelfe vor das Rätsel zu lösen. Morgen, wenn sie ausgeschlafen sein würde. Plötzlich fielen ihr die Augen zu und sie kroch in ihren kleinen Strandkorb. Sie schaffte es gerade noch sich gemütlich auf dem weichen Untergrund in eine Decke zu kuscheln, dann war sie eingeschlafen. Sie hörte in der Nacht weder den Geysir, noch sah sie den Mond. Aber sie träumte von beiden. Und von Island!

Wie sich Wattenmeerelfen vermehren

Elfenei

 

Gemeinhin könnte man nun denken, dass die Elfen vom Aussterben bedroht sein könnten. Viele machen sich allein auf den Weg, um alternative Lebensräume zu erobern. Auf den Fortbestand der Wattenmeerelfen wird die Umsiedlung jedoch keinen negativen Einfluss haben. Elfen vermehren sich auf eine sehr einfache Weise. Dafür brauchen sie niemanden, nur sich selbst und einen klaren Kopf. Wenn eine Elfe sich eine kleine Elfe wünscht, dann muss sie diesen Wunsch nur sehr heftig verspüren. Er muss über mindestens neun Wochen in der selben Intensität bestehen. Wenn das so ist, wird ein Gedankenei gelegt. Dieses Gedankenei ist am Anfang noch sehr nebelartig. Es erscheint neben der Schlafstätte der Elfe. Diese muss sich dann weiterhin intensivst wünschen eine kleine Wattelfe zu bekommen. Jede Elfe kann somit Eltern werden. Vorausgesetzt, sie wünscht sich den Nachwuchs intensiv genug. Die kleinen Elfen reifen nur heran, wenn sie von ganzem Herzen herbeigesehnt werden.
 
Das Gedankenei entsteht über Nacht. Es erscheint und wenn der Wunsch nach einer kleinen Elfe intensiv genug bleibt, materialisiert sich das Ei in wenigen Tagen. Am besten legt man es in ein weich ausgepolstertes Nest oder aber in eine Kiste. Hauptsache es liegt weich. Dann braucht es Ruhe und muss immer feucht gehalten werden. Die Elfen nehmen dafür meistens etwas Schafwolle und feuchten das Ei damit jeden Tag morgens und abends an. Nach ein Paar Monaten, wenn die kleine Elfe im Ei herangewachsen ist, wird die Schale brüchig und fällt wie Staub auseinander. Dann ist sie da! Die kleinen Elfen kommen sehr klein, aber voll entwickelt auf die Welt. Sogar Gummistiefel haben sie an. Für alles andere muss dann die Elternelfe sorgen.

Krimimimi

Die neue Kurzgeschichte Die Beerdigung gibt es für drei Tage auf meiner Homepage (unter Kurzgeschichten) kostenlos zum Herunterladen. Hier eine  Leseprobe:

Die Beerdigung

(…)

Es kam ein Mann auf sie zu. Sie glaubte in ihm einen Geschäftspartner ihres Mannes wiederzuerkennen. Natürlich stellte er sich vor, aber sie hörte nicht zu. Wozu auch, es waren die immer gleichen Beileidsbekundungen. Anstatt sich anzuhören wie furchtbar es war, dass er so früh hatte gehen müssen (früh war in diesem Zusammenhang relativ), schaute sie sich die Gäste an. Einige kannte sie nur vom Sehen, einige waren ihr hingegen sehr vertraut. Egal waren ihr alle. Sie hatte das Leben einer Ehefrau des Firmenmagnaten gelebt. Das war alles. Er hatte sie in einen goldenen Käfig gesperrt und sie herausgeholt, wenn es für ihn von Nutzen gewesen war. So war es nun mal und sie hatte das Spiel mitgespielt. Warum wusste sie nicht. Vielleicht aus Angst, vielleicht aus Bequemlichkeit? Ab heute würde es anders werden. Nur wie, das wusste sie nicht. Noch nicht. Das klang hoffnungsvoll.

Sie nahm sich einen Cognac von einem Tablett der Mädchen. Es war heute schon der Zweite und sie spürte noch gar nichts. Übung macht den Meister. Bei diesem Gedanken musste sie lächeln. Und sie hatte in den letzten Jahren wenig Grund zum Lächeln gehabt. Auch das würde ab heute anders werden. Sie schaute sich in der Menge um. Sie hatte das Gefühl, dass sich keiner so richtig in ihre Nähe wagte. Sie war die Unantastbare des Tages. Die Frau des Herrschers. Meine Güte, wenn die alle wüssten. Gedankenverloren nippte sie an ihrem Drink.

Als erstes fiel ihr das rote lange Haar ins Auge. Sie war also tatsächlich gekommen. Sie hatte sich hierher gewagt, so wie sie es sich gedacht hatte. Ab jetzt würde das Spiel beginnen, dessen Ende noch offen war. Sie spürte, wie ihr Herz zu klopfen begann. Sie musste jetzt alles richtig machen. Davon würde alles abhängen. Sie setzte sich und wartete. Aus dem Augenwinkel beobachtete sie die junge Frau. Sie schüttelte immer wieder ihre langen roten Haare. Erst von rechts nach links. Dann wieder zurück. Sie fragte sich, ob sich die Frau dessen bewusst war? Natürlich war sie sich dessen bewusst, die Frage stellte sich gar nicht. Diese Frau tat nichts, ohne sich dessen bewusst zu sein. Das war deutlich zu sehen. Für eine Beerdigung hatte sie ein viel zu offenherziges Kleid gewählt. Da konnte es noch so schwarz sein. Der Rock war zu kurz und der Ausschnitt zu tief. Die rothaarige Frau bewegte sich wie eine geschmeidige Katze und sie strahlte mit jeder Pore aus, dass sie eine Siegerin war. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie den Weg zu ihr, der trauernden Witwe finden würde. Sie brauchte nur abwarten und ihren Cognac trinken. Während sie immer wieder an ihrem Getränk nippte, konnte sie sehen, dass die Rothaarige immer wieder zu ihr rüber schaute. Sie wartete auf den geeigneten Augenblick. Aber sie würde es nicht der Frau überlassen zu entscheiden, wann der richtige Augenblick gekommen war. Die trauernde Witwe würde heute entscheiden, dass nun der richtige Zeitpunkt gekommen war.

(…)

 

Elfenfurt…

Eine der reiselustigen Wattelfen hat es bis nach Frankfurt am Main geschafft. Bis zum Generalkonsulat der Vereinigten Staaten. Auf dem Weg zur Mecklenburger Seenplatte muss irgendetwas ganz schief gelaufen sein. Vielleicht hat sie Frankfurt (Main) mit Frankfurt (Oder) verwechselt? Bekannt wurde, dass sie sich vom Generalkonsulat bis zum Flughafen durchgeschlagen hat! Was für eine kleine Elfe! Wie sie das geschafft hat? Man weiß es nicht… noch nicht! Denn es gibt Quellen, die darüber Auskunft geben könnten, wenn sie denn wollten. Sicher ist nur, dass die Elfe auf dem Weg nach Island ist. Ob sie dort ankommt und was ihr bis dahin passieren wird? Ich werde es berichten, sobald ich mehr darüber erfahre.