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Willkommen in Deiner Welt

Foto am 26.11.15 um 09.54

Es gibt Welten die aufeinander prallen. Im aktuellen politischen Geschehen ist dies momentan noch vehementer zu beobachten als sonst.

Aber warum in die Ferne schweifen, liegt das Gute doch so nah. Bei der intensiven Betrachtung des eigenen Umfelds, lässt sich durchaus die eine Welt in unterschiedliche Welten unterteilen. Das sind nicht immer Welten, die zum Verweilen einladen. Ob es der Nachbar ist, der einem ungefragt einen vierundzwanzigstündigen akustischen Fernsehterror frei Haus liefert und nicht in der Lage ist, Rücksicht auf normal hörende Mitmenschen zu nehmen. In seiner Welt sind alle schwerhörig. Der Rest….wen interessiert das schon? Ihn nicht. Aber bleiben wir doch beim aktuellen politischen Geschehen. Da gibt es zwei Staatsoberhäupter, deren Gebaren an zwei Dreijährige erinnert, die gerade ihre Konfliktfähigkeit entdecken. Zwei Dreikäsehoch, die nicht in der Lage sind sich eine Sandkiste zu teilen:

„Du warst auf meinem Teil der Sandkiste!“

„Stimmt gar nicht!“

„Doch!“

„Nein!“

„Doch!“

Wer Kinder erlebt hat weiß, dass es nicht lange dauert bis die Sandschippe des einen Kindes auf dem Kopf des anderen Kindes landet. Der Gegenangriff erfolgt auf dem Fuße. Dreijährige können nicht anders. Sie müssen erst Handlungsalternativen entwickeln. Bis dahin landen Sandschippen auf Köpfen. Der Unterschied zwischen Lufträumen und Sandkisten kann fließend sein. Ebenso wie das Lebensalter – Mann ist nur so alt, wie man sich fühlt.

Allerdings: Bei Staatsoberhäuptern bin ich mir nicht sicher, wie es mit der Handhabe von Handlungsalternativen aussieht. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt … und in der Zwischenzeit viele Unschuldige.

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Im Café mitgehört: …Schweigen ist Gold

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Geschichten bieten sich einem allerorts. Auf der Straße, beim Arzt, in der Familie, im Restaurant oder in einem Café, wie folgender Dialog zwischen einem älteren Ehepaar. Ein Mann wartete auf seine Verabredung und wurde unfreiwillig Zeuge. Bis auf die drei Personen, war das Café leer. Im Hintergrund klapperte die Bedienung mit Geschirr, die Kaffeemaschine surrte und es lief leise Musik. Zwei Tische neben des wartenden Mannes saß das Ehepaar. Beide schätzungsweise um die siebzig und extravagante Erscheinungen. Sie trug Hut und er viele große Goldringe. Während der Mann wartete, musste er mit anhören, was sich die Eheleute zu sagen hatten:
Sie „Du bist zu faul, um einen Kaffee zu bestellen.“
Er: „Das stimmt doch gar nicht!“
Sie: „Doch! Immer brauchst du jemanden, der für dich bestellt.“
Er: „Nein, ich warte nur so.“
Sie: „Kannst du denn nicht alleine bestellen?“
Er: „Ich will doch gar nichts!“
Sie: „Doch! Du willst Kaffee, aber wartest, dass ich den bestelle“
Er: „Das stimmt doch gar nicht!“
Sie: „Doch! Du machst doch nie was. Ich bestelle für Dich und du machst Dir einen lauen Lenz!“
Er: „Nein!“
Sie: „Doch. Ich mach das ja auch für Dich. Aber nur wenn du lieb bist. Sonst nicht! Ende! Ich hab nur ein Leben, nicht zehn. Du ruhst dich doch immer nur aus.“
Er: „Nein, das stimmt nicht. Ich mach auch was.“
Sie: „Ach ja, was denn?“
Schweigen
Sie: „Warum bist du eigentlich so? Nie hast Du Stress. Ich habe immer Stress und das alles wegen Dir. Immer muss ich alles machen, du machst nie was. Nie hast du Stress.“
Er: „Das stimmt doch gar nicht.“
Sie: „Doch!“
Er: „Nein!“
Sie: „Doch! Jetzt tu doch nicht so, als stimmt das nicht. Ich habe immer Stress. Immer muss ich mich um alles kümmern. Aber du…du hast nie Stress! Und dann meckerst du. Warum eigentlich? Jetzt ja auch. Wir streiten schon wieder. Wegen dir.
Er: „Das stimmt doch gar nicht.“
Sie: „Doch!“
Er: „Nein!“
Dann kam die Verabredung des Mannes. Er atmete auf, durfte er gedanklich aus den Streitigkeiten der älteren Herrschaften aussteigen.
Neulich fragte mich jemand was schlimmer wäre: Das Schweigen zwischen Paaren oder das Streiten. Nach dieser Geschichte bin ich geneigt zu sagen, dass Schweigen ganz ok sein kann.