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Bulli und Kaffee=Pause

Kaffeepause mal anders…

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Blauer Himmel, Vögel und Kaffee

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Nach eigenen, über JAHRZEHNTE akribisch durchgeführten internen Ermittlungen, bin ich zu dem unumstößliche Ergebnis erlangt: Es gibt kein dazwischen! Es gibt nur entweder oder. Entweder Morgenmensch oder Abendmensch. Es muss mehr Abendmenschen geben. Wäre es anders, würde ich nicht jeden Morgen allein auf der Sonnenterasse dieses netten und einladenden Hotel sitzen. Dabei entgeht allen Langschläfern diese morgendliche Ruhe, das Vogelgezwitscher und dieses Gefühl von: Alles liegt vor mir…es ist so viel Zeit da. Andererseits: Wäre es anders, die Ruhe wäre dahin. Bin ich besser still!

Neues vom Sofa: Wer etwas finden will, muss auf die Suche gehen

Das Sofa-11

Eine Leseprobe aus einem weiteren Kapitel der neuen Geschichten vom Sofa

[…] Die Bedienung hatte ihren Kopf zur Tür gedreht, gerade in dem Moment, indem der Mann das Café betreten hatte. Trotz der Einkaufstüten, die er in den Händen hielt, hatte er sich schnell auf das rote Sofa zubewegt. Seine Tüten hatte er sorgfältig neben das Sofa gestellt und der Bedienung war das leichte Lächeln des Mannes nicht entgangen. Bevor sie seine Bestellung aufnehmen konnte, musste sie zuvor die Wünsche eines anderen Gastes berücksichtigen, der schon seit einiger Zeit immer wieder wedelnd seine Hand nach ihr ausgestreckt hatte. Die Bedienung musterte den Neuankömmling aus den Augenwinkeln. Er war groß und sicherlich hatte er das Rentenalter schon erreicht. Dennoch strahlte er eine Vitalität aus, die sie überraschte. Er wirkte, als würde er das Leben jeden Tag aufs Neue entdecken. Vielleicht lag es an dem kleinen Lächeln, das seine Lippen grundlos zu umspielen schien. Aber es konnte auch das Glitzern in seinen Augen gewesen sein, dass sie kurz hatte aufblitzen sehen, als er sich im Café umgeschaut hatte. Es war in Sekundenbruchteilen geschehen, wie immer, wenn sie jemanden traf und sich ein Gefühl zu der entdeckten Person einstellte. Während sie automatisiert die Bestellung des anderen Gastes aufnahm, beobachtete sie ihn aus den Augenwinkeln. Er hatte sich aufrecht auf das Sofa gesetzt und betrachtete die Bilder an der Wand. Sein Lächeln wurde mal größer, mal kleiner. Es verschwand nie ganz und blieb bei seinen Lippen, um sie zu umspielen. Im Hintergrund nahm sie plötzlich die Musik wahr, die sie selbst ausgewählt hatte. In schönsten Klängen erklang eine Klarinette, die mal tief ergreifend und dann wieder zart verschiedene Töne zu einer Melodie verband. Es war eins von den Musikstücken der Klezmermusik, die inneres Glück verbreiten und dennoch eine Spur von Trauer mitschwingen lassen. Es entstand ein Moment, von dem sie wusste, dass er in ihrem Gedächtnis bleiben würde. Ein besonderer Moment. Sie wusste, sie war glücklich, ohne sagen zu können warum. Einer der kostbaren Momente, in denen das Glück grundlos aus dem Herzen kommend den ganzen Körper überflutete. Sie schloss für einen kurzen Moment die Augen und gab sich dem Gefühl hin. Sie war sich sicher, wenn sie diesen Empfindungen intensiv nachspürte, so würde es ihr möglich sein, die Erinnerung daran abzurufen. Heute, morgen, wann immer ihr danach war. Als sie die Augen öffnete, betrachtete sie den Mann eine Weile. Sie sah, dass um seinen Mund herum eine weitere Falte zu entdecken war. Eine der Falten, die entstanden, wenn das Lächeln für lange Zeit nicht den Weg in das Gesicht gefunden hatte. Sie selbst besaß auch so eine Falte, die sich vor vielen Jahren in ihrem Gesicht einen Platz gesichert hatte. Mit den Jahren hatte sie sich eingenistet und auch durch vieles Lächeln, war sie nicht dazu zu bewegen gewesen, ihr Gesicht zu verlassen. Die Frau hatte sie akzeptiert, ihre Falte deren Nachname „Bitterkeit“ war. Sie gehörte zu ihr, wie der ganze Rest ihres Lebens. Es hatte gute Gründe gegeben, warum diese Falte in ihrem Gesicht entstanden war und sie wusste ebenso gut, dass die Ursache der Trauer der Vergangenheit angehörte. Es war vorbei, dennoch wäre sie ohne ihre persönliche Vergangenheit heute eine andere. Deshalb schätzte sie alle Falten um ihren Mund herum gleichermaßen, denn sie war gern die Frau, die sie war. Die Falte, die sich in ihre Haut vor vielen Jahre eingenistet hatte, zeigte ihr jeden Tag aufs Neue, dass sie selbst ihr Leben in die Hand nehmen konnte. Sie konnte alles gut werden lassen und Falten durch Freude und Lächeln entstehen lassen. Als sie sich nun auf das rote Sofa zubewegte, fragte sie sich, ob der neue Gast sich ebenfalls so viele Gedanken über seine Falten gemacht hatte, wie sie. […]

Begegnung VI oder: Vom Fühlen

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Er ging die Straße hinunter. Es war dunkel und die Straßenlaternen warfen hin und wieder helle Flecken auf den Asphalt. Er betrachtete die gelben Lichtkegel und beobachtete die Schatten der Nacht, die über den Fußweg tanzten. In Gedanken stand er noch immer neben ihr am Herd in der riesigen Küche mit all den anderen Kochkursteilnehmern. Gemeinsam hatten sie versucht die rundesten, schönsten, glattesten Kartoffelknödel herzustellen, die die Welt je gesehen hatte. Das waren nicht einfach nur Kartoffelknödel, sondern seidenen Klöße gewesen, die sie vom Leiter des Kochkurses in Auftrag bekommen hatten. Das Mehl wurde durch Speisestärke ersetzt und schon wurden sie glatt und zart, die Klöße. Er hatte in seinem Leben noch nie so gern Klöße gerollt, wie mit ihr an seiner Seite. Ihr schien es ähnlich zu ergehen. Sie hatten nebeneinander gestanden und er hatte das Gefühl gespürt, das von ihr ausgegangen war und sich in der Mitte zwischen ihnen mit seinem getroffen hatte. Es war ein schönes Gefühl. Ein Gefühl reiner Freude und Wärme. Er hatte es schon so lange nicht mehr gespürt. Als er in ihre Augen geschaut hatte, während sie in völliger Übereinstimmung den Teig in den Händen in gleichmäßigen Bewegungen zu Klößen formten, hatte er es in ihren Augen lesen können: Sie durchströmte das gleich Gefühl wie ihn. Es brauchte keine Worte. Jetzt nicht. Dennoch war er sicher, dass sie Worte finden würden für das was sich zwischen ihnen im Begriff war zu verknüpfen. Ihn hatte in diesem Moment eine große Ruhe überkommen. Eine Ruhe, die er sich immer gewünscht hatte. Einer der vielen Wünsche, die er fast vergessen hatte.
Der Leiter des Kochkurses hatte die Form ihrer Klöße sehr gelobt. Auch über den Geschmack hatte er nur Gutes zu berichten gehabt. Allerdings war er der Meinung gewesen, dass sie zu lange gebraucht hatten, um sie herzustellen. Da mochte er sicher Recht gehabt haben. Seinem Lächeln nach zu urteilen, kannte er auch den Grund dafür. Sie hatten so viel Spaß zusammen gehabt. Er und die Frau, die ihm beim Kochen als Partnerin zugeteilt worden war. Als er über die Straße schritt und in Erinnerung versank, war er geneigt über göttliche Fügungen seine Meinung zu ändern.
Es war der dritte Termin seines Kochkurses gewesen und die Frau, mit der er sich partnerschaftlich einen Herd geteilt hatte, hatte er zu einem Cafébesuch eingeladen. Sie hatte ihn angelächelt und ihm zu verstehen gegeben, dass sie sehr gerne mit ihm in ein Café gehen würde. Erst vor wenigen Tagen hatte er das kleine Café entdeckt, in das er sie ausführen würde. Es lag auf seinem Nachhauseweg, wenn er die Einkäufe in dem großen Supermarkt, der nicht weit von seiner Wohnung entfernt lag, erledigt hatte. Er musste schon sehr oft daran vorbeigekommen sein, aber erst letzte Woche war es ihm aufgefallen, das Café. Als er durch die Fensterscheiben geschaut hatte, war das einladende rote Sofa in seinen Blick gerückt. Ohne darüber nachzudenken, war er durch die Glastür getreten und hatte seine Einkaufstüten neben das Sofa gestellt. Er hatte sich auf das weiche rote Polster sinken lassen und sich für eine kurze Zeit ganz dem Geschmack des leckeren Kaffees hingegeben, den ihm die nette Bedienung zubereitet hatte. In dem Moment, als er den samtigen Bezug des Sofas unter sich gespürt hatte, war ihm bewusst geworden, dass er sie hierher einladen wollte. Sie würde dieses Café genauso gut leiden können, wie er. Dessen war er sich sicher.

Als er sich plötzlich vor der eigenen Haustür wiederfand, war er überrascht. Gedanklich war er so mit ihr und den Erinnerungen an den schönen Abend beschäftigt gewesen, dass er den Nachhauseweg unbewusst gefunden hatte. Als er die Tür zu seiner Wohnung aufgeschlossen und den Flur betreten hatte, sah er das Blinken des Anrufbeantworters. Sorgfältig schloss er die Wohnungstür. Er zögerte, bevor der den Wiedergabeknopf betätigte. Als der Anrufbeantworter das letzte Mal geblinkt hatte, war es seine Frau gewesen. Sie war zwar noch seine Frau, aber sie hatte ihn verlassen. Er lebte jetzt allein und nachdem er einige Zeit gebraucht hatte, um zu verstehen, was in seinem Leben und in ihrer Ehe falsch gewesen war, musste er feststellen, dass es das Beste war, was sie hatte tun können: Ihn zu verlassen. Er hatte den Wiedergabeknopf gerade gedrückt, da hörte er schon die Stimme der Frau, mit der er so viele Jahre Seite an Seite gelebt hatte und die er doch nicht kannte. Sie war wütend, das konnte er an ihrem Tonfall hören. Einem Impuls folgend, löschte er die Aufnahme, bevor er erfuhr, was sie von ihm wollte. Er atmete laut aus und ging in die Küche, um sich ein Glas Rotwein einzuschenken. Dann setzte er sich auf den Balkon und genoss die Erinnerung an den schönen Abend, während er den Schatten der Nacht beim Tanzen zuschaute.