Schlagwort-Archive: Geschichten

Wenn Achtsamkeit unter den Nägeln brennt

Achtsamkeit und mit sich achtsam umgehen ist im Trend. Ich dachte: Das ist nützlich für mich und mein Wohlbefinden. Nicht der Trend, aber der Umstand mehr auf sich acht zu geben. Entspannungsübungen sind gut und bereichern meinen Alltag. Achtsamkeitsübungen lassen sich sicher ebenso gewinnbringend einbauen. So viel zum Plan.

Gesagt getan: Die Achtsamkeitsübung sah vor eine Teetasse zu spülen. Und das sehr achtsam!!! Was das bedeutet? Die Konzentration auf die Teetasse fokussieren. Farbe, haptische Beschaffenheit, der Ton des blubbernden Spülwassers,….

Wasser eingelassen, Tasse rein und los. Teetasse spülen und dabei alle oben genannten Faktoren berücksichtigen. Bis die Tasse gespült war hat alles gut funktioniert.

Dann war da die gespülte Tasse, eine Menge sauberes Spülwasser und weiterer Dreck, den man hätte beseitigen können. Ich habe mit mir gerungen. ‚Lass die Achtsamkeit die Oberhand gewinnen‘. ‚Lass die Küche dreckig‘.

Um es kurz zu machen: Die Küche hat gewonnen. Die Achtsamkeit ist im Spülwasser versunken.

Advertisements

Die Krimimimi

Krimimimi

Seit geraumer Zeit schreibe ich an einem Krimi. Dabei stoße ich nicht nur auf Schwierigkeiten rund um das Schreiben (fehlende Zeit – fehlende Zeit – fehlende Zeit), sondern auch auf die unterschiedlichsten Fakten rund ums Kriminelle. Zum einen hatte ich nicht damit gerechnet, dass ich in meinem persönlichen Umfeld derartig viele Anregungen entdecken würde. Häufiger als erwartet, werde ich mit Personen und Gegebenheiten konfrontiert, die in mir den Wunsch auslösen sie im Krimi zu verarbeiten. Damit ist weniger das psychische als das handwerkliche Verarbeiten gemeint. Mehl wird zu Teig verarbeitet und Situationen mit Menschen zu Kapiteln. Wichtig: DAS HAT NICHTS AUTOBIOGRAFISCHES. Nachdem mein erstes Buch erschienen war, wurde ich häufig darauf angesprochen, ob die Geschichten mir passiert wären und ob es die Menschen wirklich gibt. Schon lange wollte ich dazu loswerden:
Alle Personen und Geschichten sind frei erfunden. Vielleicht erinnern sie an Bekannte. Auch wenn reale Situationen und Menschen Geschichten und Assoziationen „anstupsen“, so stehen sie höchstens Pate oder Patin. So, wie sie in meinen Geschichten auftauchen, gibt es sie nicht.
Fakt ist – das Leben ist so spannend, dass es sich lohnt genauer hinzuschauen, zu ordnen und zu sortieren (dabei können Sketchnotes hilfreich sein – siehe oben). Dann braucht es „nur“ noch Zeit, um das alles aufzuschreiben.

Der Hund, der mich nicht los lässt

IMG-20150829-WA0001

Das Leben. Es hat einiges zu bieten. Nicht nur Geschichten. Sondern auch Hunde. Manchmal auch eine Geschichte mit Hund. In diesem Fall ist diese Geschichte wirklich passiert, nämlich mir.
Ein Abend wie jeder andere. Ich raffe mich auf, ziehe die Laufschuhe an und mache mich auf den Weg. Eine Runde übers Feld laufen bevor es dunkel wird. Beim Laufen ziehen die Gedanken ihre eigenen Runden. Wer läuft, kennt das vielleicht. Man nimmt die Umgebung wahr, aber anders. Als ich meine Runde über das Feld zu einem großen Teil schon hinter mich gebracht habe und auf dem Rückweg bin, erkenne ich von Weitem zwei Fahrradfahrer. Hinter den Rädern läuft ein Hund in großem Abstand hinter her. Beim Näherkommen erkenne ich, dass es sich um Fahrradfahrerinnen handelt. Eine Frau und ein Mädchen kommen mir entgegen. Der Hund holt auf. Als er einige Zeit nach den Frauen auf meinen Feldweg einbiegt, sieht er mich und legt sich hin. Ich kenne diese Geste von meinem Hund, den ich früher einmal hatte. Der Hund wartet auf mich. Im besten Fall will er mit mir spielen. Vielleicht aber auch nicht. Und wenn doch: Hoffentlich versteht er unter spielen etwas ähnliches wie ich. Mir wird komisch zu Mute und ich mache die Frau, die gerade mit dem Kind an mir vorbei fährt, darauf aufmerksam, dass ihr Hund sich gerade auf den Feldweg auf die Lauer legt. Sie lacht mich strahlend an und erwidert, dass sie den Hund gar nicht kenne. Der wäre einfach so hinter ihr her gelaufen. Dann fährt sie weiter. Mit ihrem Kind. Der Hund bleibt da. Liegend und mich ins Visier nehmend. Ein Blick über das Feld (und hier kann man wirklich kilometerweit gucken. Es ist ein 1A Rübenfeld – weit und breit kein Baum, kein Strauch, kein gar nichts) zeigt mir, dass außer dem Hund und mir weit und breit kein weiteres Lebewesen zu sehen ist. Wir schauen uns an. Der Hund und ich. Von Joggen kann keine Rede mehr sein. Nachher denkt der Hund noch, dass ich vor ihm weg laufe und er will mich zur Strecke bringen. Ich versuche es mit langsamen Bewegungen. Beim näheren Begutachten des liegenden Hundes stelle ich fest, dass es ein Hovawart ist. Hübsch. Aber groß. Ich weiß nichts über diese Rasse. Ob die nett sind?? Ich frage den Hund. Er antwortet nicht und ich spreche weiter mit dem Tier und als uns nur noch wenige Meter trennen, springt er auf und rennt auf mich zu. Ich halte nur kurz die Luft an, denn die Rute wedelt eifrig hin und her. Die Ohren hat das Tier auch nach vorn gestellt. Die freundlich gesinnte Hundedame lehnt sich an meine Beine und das Streicheln scheint ihr zu gefallen. Ich atme auf und setze mein Laufrunde fort. Allerdings nicht allein. Das Tier begleitet mich. Und nu?
Diese Frage stelle ich mir auch noch, als ich den Hund in meinen Garten lasse und er interessiert meinen Rasen abschnüffelt. Meine Töchter sind hellauf begeistert über besagte Hundedame, die wir sehr schnell in unser Herz schließen. Aber: Dieses nette Tier wird jemand vermissen, dass ist uns allen klar. Also: Polizei angerufen, aber dort wird nur ein Bernhardiner vermisst. Nein, dass ist sie nun wirklich nicht. Wir füttern unseren Gast und bereiten ihr ein Nachtlager. Sie nimmt das alles sehr gelassen hin. Wenn ich allerdings in der Garage oder im Keller verschwinde, steht sie vor der Tür und wartet auf mich. Wenn sie mich erblickt, wedelt sie mit dem Schwanz und stupst mich mit der Nase an.
Uns ist natürlich klar, dass dieses liebe Tier jemand vermissen wird. Allerdings fragen wir uns bis heute, warum das erst am nächsten Tag war. Ein Herr ruft an und sagt, dass er die Telefonnummer von der Polizei habe. Es kommt, wie es kommen musste. Das Auto steht vor der Tür und ein Mann steigt aus. Die Reaktion des Hundes ist allerdings anders als erwartet. Sie kneift die Rute ein und legt die Ohren an. Ein freudiger Empfang sieht anders aus. Schon auf dem Weg zum Auto knurrt die Hundedame. Dann fährt sie und lässt traurige Gemüter zurück.
Seit diesem Tag laufe ich häufiger. Vielleicht schafft die Hundedame es ja nochmal wegzulaufen. Dann werde ich an Ort und Stelle sein, damit sie den Weg auch findet.

Die Metaebene oder: Nichts ist erledigt!

IMG_0066

Beim Schreiben der Blogbeiträge über die kleinen Alltagsgeschichten überkam mich irgendwann das Gefühl des „Da sind doch Gemeinsamkeiten!“. Nicht, dass ich das Gefühl gehabt hätte, dass sich die Geschichten wiederholten. Es war vielmehr das Gefühl: Da ist etwas, das schlummert im Verborgenen und kommt, ohne dass es zu verhindern wäre, stets im neuen Gewand an die Oberfläche. Es taucht auf, schaut nach rechts und links und schließlich stellt sich das es vor: „Guten Tag. Ich bin die Metaebene“. Alles hat eine Metaebene und je nach Betrachter und dessen Standpunkt kann die Interpretation besagter Ebene sehr unterschiedlich sein. Beim Grübeln über die Metaebene kam mir der Gedanke darüber einen Blogeintrag zu verfassen. Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr fiel mir dazu ein. Wasserfallartig überströmten mich Gedanken, Informationen und längst verschüttet geglaubtes Wissen über Konstruktivismus, Psychologische Aspekte des Daseins und Erinnerungen wirklich erlebter Geschichten. Ich schrieb und schrieb und schrieb….
Um es kurz zu fassen: Es wird kein Blogeintrag. Das würde den Rahmen sprengen. Aber vielleicht wird ein Buch daraus. Denn die Metaebene schwingt immer mit – egal was wir tun. Sie ist da und sie bietet Chancen. Es gibt die Möglichkeit der Änderung des Blickwinkels. Allerdings darf man gewisse Realitäten dabei nicht aus den Augen verlieren: Es nützt nichts den Standpunkt zu wechseln, wenn man schlecht behandelt wird. Die Betrachtung auf der Metaebene erleichtert eventuell einen Erklärungsversuch warum sich jemand gemein, hinterhältig oder einfach nur doof verhält. Man selbst darf deshalb trotzdem mit einem Gegenschlag reagieren, egal welche Erklärungen die Metaebene parat hält. Nur weil man glaubt zu wissen, warum man gerade vom Gegenüber mies behandelt wird, bedeutet das noch lange nicht, dass dies damit zu entschulden ist. Außerdem hilft eine heftige (vielleicht!) Reaktion beim Mensch XY etwas anzustoßen. Ob das hilfreich ist? Hängt von der Interpretation der Kontrahenten ab! Es nützt nichts, wenn nur einer den Standpunkt wechselt und einen Blick auf die Metaebene riskiert. Denn dann dreht sich alles um denjenigen, der starr und steif auf seinem Standpunkt beharrt, nichts begreift und immer nur um sich selber kreist. Dann darf man sich auch gerne mal weiter entfernen und die Metaebene hinter sich lassen.

Drum rum sind die Geschichten

Nachtcafé

Ich sitze in einem Café. Eine Frau setzt sich ein paar Tische weiter auf einen Stuhl. Ich schaue sie an und schon galoppiert meine Fantasie los. Ich dichte ihr ein komplett erfundenes Leben an. Um es gleich mal auf die Spitze zu treiben: Die Leben, die sich in meiner Vorstellungswelt entspinnen sind sehr wahrscheinlich weit weg von der Realität, dafür sind sie sehr unterschiedlich: Von der Existenz der Dame als Auftragkillerin, bis hin zur Hauswirtin, die ihren Nachbarn in den Wahnsinn treibt, sind mehrere Varianten möglich. Vielleicht ist sie aber auch die Frau, die jeden Tag zur Arbeit geht, abends kocht und dann noch Sport macht. Wer weiß das schon? Es wäre auch möglich, dass ich sie mir als unbescholtene Kommissarin ausmale und die Einstiegsgeschichte eines neuen Romans zurecht denke.
Als ein Pärchen sich einen Tisch weiter dazu setzt, ist die Dame vergessen und das Gedankenkarussell beginnt von neu. Nein, sie ist nicht ganz vergessen, aber die erfundenen Geschichten rücken in den Hintergrund. Ich praktiziere das, seit ich Kind war. Mein eigenes Unterhaltungsprogramm, wenn das Lesen mal nicht möglich war. Damals war die Frau an der Kasse mit dem russischen Akzent eine Prinzessin, die nicht wusste, dass sie einem Königshaus entsprungen war. Der Mann, der mir jeden Morgen mit seinem Hund begegnete, war ein Privatdetektiv und der arbeitslose Nachbar war ein heimlicher Millionär. Das Spinnen eigener Geschichten im Kopf bescherte mir schon immer schöne Stunden. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Nicht jede Geschichte ist es wert zu Ende gedacht zu werden. Einige schon. Andere wahre Geschichten sind dagegen so unglaublich, dass sich die Fantasie niemals freiwillig so etwas ausdenken würde, jedenfalls nicht ohne Weiteres. Es lohnt sich jedoch oft genauer hinzuschauen: Was für Menschen begegnen mir und was tun sie? Manchmal fügen sich so zwei oder mehrere Geschichten, die nichts miteinander zu tun haben, zusammen. Machmal wird alles erfunden und das einzige Reale ist die Person in ihrer Erscheinungsform. Was aus meiner Sicht spannender ist als das Aussehen oder die Erscheinung: Was macht die Person und vor allem warum? Das Riesenrad der Spekulationen darf in Gang gesetzt werden: Warum tut die Person genau DAS und nichts ANDERES? Da kann man ganz oft sehr daneben liegen, was nicht schlimm ist, wenn es für die erfundene Geschichte von Wert ist. So eine erfundene Geschichte hat den Vorteil dass sie rund ist. Eins fügt sich zum anderen. So wie ich das möchte. Ob das wirklich so ist oder nicht…für die Geschichte ist es real. Manchmal kommt man beim Spekulieren über die Beweggründe einer Person sehr dicht an die Wirklichkeit anderer einzelner Personen heran. Ohne es zu wissen oder gar zu wollen. Aber auch da gilt: Es ist eine erfundene Geschichte und wenn es den einen oder anderen anspricht, weil er sich entdeckt oder erkannt fühlt, dann kann man nur hoffen, dass es positive Denkanstöße hinterlässt. Denn auch wenn sich Menschen noch so sehr wiederzukennen glauben – es bleibt eine erfundene Geschichte. Aber was ist schon Wirklichkeit und was Fiktion? Das philosophisch zu ergründen würde wohl zu lange dauern. Genau hinschauen und Geschichten entdecken geht hingegen ganz schnell!

Für die Prinzessinnen unter uns

Prinzessin

Es ist nicht leicht eine Prinzessin zu werden, aber es rückt in den Bereich des Machbaren, wie folgende Geschichte zeigt:
Die Frau stand an der Kasse beim Supermarkt ihres Vertrauens. Es war kurz vor Ladenschluss. Hinter ihr einige Kunden und vor ihr nur noch eine Frau. Die ältere Dame bemühte sich den fälligen Betrag von zweiundzwanzig Euro und achtzig Cent in ein und zwei (vielleicht auch fünf) Centstücken der Verkäuferin passend zu überreichen. Dieses Unterfangen würde dauern. Also machte die wartende Frau, was sie in vergleichbaren Situationen stets tut: Autogenes Training mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad. Das Sonnengeflecht ist warm und entspannt funktioniert im Stehen schlechter als im Liegen. Danach drei Mal bis zehn zählen! Nochmal bis zehn zählen. Zum krönenden Abschluss: Zehn Mal bis zehn zählen! Ein Blick auf das Förderband zeigte einen Betrag, der sicherlich schon die Hälfte der Kosten deckte. Die ältere Dame zählte in aller Ruhe weiter ihre Cent Stücke. Um sie in der Ruhe nicht zu stören, schließlich sollte sie sich keinesfalls verzählen, schaltete die wartende Frau ihr Hirn aus und ließ den Blick schweifen. Sie versuchte dabei so wenig wie möglich zu denken. Dennoch lässt ein Hirn sich nicht ohne weiteres komplett ausschalten, solange es Kontakt zur Außenwelt hat. Augen und Ohren sind gnadenlos. In diesem Fall fiel der Blick der Frau auf ein junges Paar an der Nebenkasse, das zu den glücklichen Kunden gehörte, die ihre Einkäufe schon einpacken durften. Die junge Frau hatte lange blonde Haare, sie war Mitte zwanzig und ihre ganze Erscheinung schrie es in die Welt, während sie lustlos ihrem Mann die Einkaufstüte aufhielt: Ich will nicht hier sein! Wo denn sonst? Egal! Aber nicht hier! Ihr ausdrucksloses Gesicht zeigte keinerlei Regung. Es war stumm und bewegungslos, wie die restliche Frau. Die Augen starr auf das Nichts des Seins fokussiert, hielt sie aus und die Tüte auf. Ihr Mann packte unbeirrt die Lebensmittel ein. Etwas ließ das Unterbewusstsein der anderen Frau an der Kasse nebenan aufhorchen und es war nicht die ältere Dame vor ihr, denn diese zählte noch immer sehr fleißig. Das Auge des Unterbewusstseins hatte sich an den Pullover der jungen Frau geheftet, die noch immer unbewegt die Einkaufstüte für ihren Mann aufhielt. Da stand in großen schwarzen Buchstaben: Eignungstest zur Prinzessin bestanden. Damit war alles klar. Prinzessinnen werden ist doch möglich. Jeder kann Prinzessin sein! Denn es sind auch nur Menschen wie Du und ich.