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Tachelespodcast – die 13te: Pink Viagra – oder welche Pille nimmst Du?

Podcast

Männer kennen ihren Körper kaum. Es gibt nicht wenige, die ihren „männlichen“ Orgasmus nur als Druckausgleich erleben, nicht jedoch als Akt der Verschmelzung.

Aber gerade an der Stelle definieren Frauen Sexualität ganz anders. Sie verbinden mit der „schönsten Nebensache der Welt“ Zärtlichkeit, Gefühl, Liebe, Lust, Zuneigung und Leidenschaft. Was aber, wenn ihre Männer keinen Zugang zur Erlebniswelt der Frauen finden und diese auf das Einerlei oder aus ganz anderen Beweggründen keine Lust mehr haben? Hilft für solche Fälle die „Viagra“ für die Frau? Oder wird der „Frau“ mit mothers little helper wieder einmal nur suggeriert, nicht auszureichen? Warum findet man die Werbung für solche Mittelchen immer am Wochenende in der folierten Werbepostwurfsendung des gelben Unternehmens mit dem schwarzen Horn?

Um nicht zuviel zu verraten…. wünschen wir euch nun viel Spaß beim Hören.

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Der Muskel, ein traumhaftes Gefühl und die Freiheit

Brunnen fließen

Das Gesicht besteht aus einer Vielzahl von Muskeln. In diesem Beitrag geht es um einen ganz bestimmten Muskel, der sich in der menschlichen Oberlippe befindet. Genauer: In dem Stück darüber, zwischen Nase und Oberlippe. Diesen speziellen Muskel anzusteuern ist nicht jedermanns Sache. Im Gegensatz zu dem weiterverbreiteten Phänomens des Zungenrollens (kann man oder eben nicht – keine Chance das zu erlernen), kann JEDER oben genannten Muskel anspannen. Dies ist mit einer Schwierigkeit verbunden: Da man ihn nie braucht, fehlt jegliches Gefühl dafür. Man muss sich Zeit nehmen, herum probieren, versuchen und nochmal versuchen, um irgendwann zu erkennen: Da ist er ja!!! (Den Erfolg kann man im Spiegel betrachtet: Spannt man erwähnten Muskel an, ergibt sich eine sehr schöne, universell einsetzbare Grimasse).
So ähnlich kann es einem mit dem Gefühl für das eigene Wohlbefinden ergehen. Einige Menschen benötigen lange Jahre um herauszufinden, wie es sich anfühlt, wenn man wirklich etwas Gutes für sich tut. Dabei wird es überall und immer wieder laut herausposaunt: „Ich tue mir heute mal was Gutes“, „Ich habe auf mich geachtet“, … . Meistens gehen diese Aussagen mit einem unnötigen Einkauf einher oder mit dem Vermeiden anstehender unangenehmer Realitäten. Leider bleiben die auf der to do Liste und müssen an einem anderen Tag abgearbeitet werden. Will man etwas für sich tun, dann findet man eine Möglichkeit sich mit den Gegebenheiten auf eine Art und Weise auseinanderzusetzen, die es einem erlauben damit zufrieden zu sein. Es geht um die innere Einstellung. Ich kauf mir was, damit sich ein gutes Gefühl einstellt, wird in der Regel wenig hilfreich sein. Das schöne Gefühl löst sich in den meisten Fällen schneller auf, als der Verkäufer das Geld vom Bankkonto abgebucht hat.
Es dauert manchmal lange, bis man herausfindet wie es sich anfühlt Gutes für sich in einer Art und Weise getan zu haben, dass es Ruhe, Frieden und Glück bringt. Wenn einen dieses Gefühl ereilt, dann hat man eine innere Freiheit erworben, die durch nichts zu ersetzen ist. Frei, weil man sich selbst hat und selbstbestimmt handeln kann. Das ist wie mit dem Muskel auf der Oberlippe: Weiß man wie es geht, kann man es auch nicht wieder verlernen. Man darf nur nicht aufgeben danach zu suchen und es auszuprobieren.
Das ist wie mit der Liebe. Wenn man sie trifft, weiß man es. Warum sollte das mit der Liebe zu sich selbst anders sein?

Begegnung VI oder: Vom Fühlen

Mann_Begegnung

Er ging die Straße hinunter. Es war dunkel und die Straßenlaternen warfen hin und wieder helle Flecken auf den Asphalt. Er betrachtete die gelben Lichtkegel und beobachtete die Schatten der Nacht, die über den Fußweg tanzten. In Gedanken stand er noch immer neben ihr am Herd in der riesigen Küche mit all den anderen Kochkursteilnehmern. Gemeinsam hatten sie versucht die rundesten, schönsten, glattesten Kartoffelknödel herzustellen, die die Welt je gesehen hatte. Das waren nicht einfach nur Kartoffelknödel, sondern seidenen Klöße gewesen, die sie vom Leiter des Kochkurses in Auftrag bekommen hatten. Das Mehl wurde durch Speisestärke ersetzt und schon wurden sie glatt und zart, die Klöße. Er hatte in seinem Leben noch nie so gern Klöße gerollt, wie mit ihr an seiner Seite. Ihr schien es ähnlich zu ergehen. Sie hatten nebeneinander gestanden und er hatte das Gefühl gespürt, das von ihr ausgegangen war und sich in der Mitte zwischen ihnen mit seinem getroffen hatte. Es war ein schönes Gefühl. Ein Gefühl reiner Freude und Wärme. Er hatte es schon so lange nicht mehr gespürt. Als er in ihre Augen geschaut hatte, während sie in völliger Übereinstimmung den Teig in den Händen in gleichmäßigen Bewegungen zu Klößen formten, hatte er es in ihren Augen lesen können: Sie durchströmte das gleich Gefühl wie ihn. Es brauchte keine Worte. Jetzt nicht. Dennoch war er sicher, dass sie Worte finden würden für das was sich zwischen ihnen im Begriff war zu verknüpfen. Ihn hatte in diesem Moment eine große Ruhe überkommen. Eine Ruhe, die er sich immer gewünscht hatte. Einer der vielen Wünsche, die er fast vergessen hatte.
Der Leiter des Kochkurses hatte die Form ihrer Klöße sehr gelobt. Auch über den Geschmack hatte er nur Gutes zu berichten gehabt. Allerdings war er der Meinung gewesen, dass sie zu lange gebraucht hatten, um sie herzustellen. Da mochte er sicher Recht gehabt haben. Seinem Lächeln nach zu urteilen, kannte er auch den Grund dafür. Sie hatten so viel Spaß zusammen gehabt. Er und die Frau, die ihm beim Kochen als Partnerin zugeteilt worden war. Als er über die Straße schritt und in Erinnerung versank, war er geneigt über göttliche Fügungen seine Meinung zu ändern.
Es war der dritte Termin seines Kochkurses gewesen und die Frau, mit der er sich partnerschaftlich einen Herd geteilt hatte, hatte er zu einem Cafébesuch eingeladen. Sie hatte ihn angelächelt und ihm zu verstehen gegeben, dass sie sehr gerne mit ihm in ein Café gehen würde. Erst vor wenigen Tagen hatte er das kleine Café entdeckt, in das er sie ausführen würde. Es lag auf seinem Nachhauseweg, wenn er die Einkäufe in dem großen Supermarkt, der nicht weit von seiner Wohnung entfernt lag, erledigt hatte. Er musste schon sehr oft daran vorbeigekommen sein, aber erst letzte Woche war es ihm aufgefallen, das Café. Als er durch die Fensterscheiben geschaut hatte, war das einladende rote Sofa in seinen Blick gerückt. Ohne darüber nachzudenken, war er durch die Glastür getreten und hatte seine Einkaufstüten neben das Sofa gestellt. Er hatte sich auf das weiche rote Polster sinken lassen und sich für eine kurze Zeit ganz dem Geschmack des leckeren Kaffees hingegeben, den ihm die nette Bedienung zubereitet hatte. In dem Moment, als er den samtigen Bezug des Sofas unter sich gespürt hatte, war ihm bewusst geworden, dass er sie hierher einladen wollte. Sie würde dieses Café genauso gut leiden können, wie er. Dessen war er sich sicher.

Als er sich plötzlich vor der eigenen Haustür wiederfand, war er überrascht. Gedanklich war er so mit ihr und den Erinnerungen an den schönen Abend beschäftigt gewesen, dass er den Nachhauseweg unbewusst gefunden hatte. Als er die Tür zu seiner Wohnung aufgeschlossen und den Flur betreten hatte, sah er das Blinken des Anrufbeantworters. Sorgfältig schloss er die Wohnungstür. Er zögerte, bevor der den Wiedergabeknopf betätigte. Als der Anrufbeantworter das letzte Mal geblinkt hatte, war es seine Frau gewesen. Sie war zwar noch seine Frau, aber sie hatte ihn verlassen. Er lebte jetzt allein und nachdem er einige Zeit gebraucht hatte, um zu verstehen, was in seinem Leben und in ihrer Ehe falsch gewesen war, musste er feststellen, dass es das Beste war, was sie hatte tun können: Ihn zu verlassen. Er hatte den Wiedergabeknopf gerade gedrückt, da hörte er schon die Stimme der Frau, mit der er so viele Jahre Seite an Seite gelebt hatte und die er doch nicht kannte. Sie war wütend, das konnte er an ihrem Tonfall hören. Einem Impuls folgend, löschte er die Aufnahme, bevor er erfuhr, was sie von ihm wollte. Er atmete laut aus und ging in die Küche, um sich ein Glas Rotwein einzuschenken. Dann setzte er sich auf den Balkon und genoss die Erinnerung an den schönen Abend, während er den Schatten der Nacht beim Tanzen zuschaute.

Neues vom Sofa: Zwei unter einer Decke

Das Sofa-11

Der Mann betrat das Café nur zögerlich. Bedächtig setzte er einen Fuß vor den anderen. Es war als würde er Neuland betreten. Dies hatte weniger mit dem zu tun, dass er dieses Café zum ersten Mal betrat. Vielmehr waren es die Gründe, die ihn hierher geführt hatten. Er hatte etwas gewagt. Etwas, was er nie für möglich gehalten hätte und das so schön war, dass er an manchen Tagen nicht wusste, ob das wirklich wahr sein konnte. Aber es war die Realität. Die Realität seines Gefühlslebens. Er zögerte. Welcher Platz war frei und wo wollte er sitzen. Diese Fragen hatten ihn sein Leben lang aufgehalten. Nicht nur bei der Wahl eines Sitzplatzes. Was war richtig, was war falsch? Wollte er hier sitzen oder woanders? Gab es vielleicht auch noch irgendwas dazwischen? Etwas, was nicht so offensichtlich war? Welche Vorteile hatte der eine Platz im Vergleich zum anderen? Er wusste, dass diese Fragen in Bezug auf den Sitzplatz eines Cafés trivial waren. Weniger leicht waren seine Gedankengänge, wenn es um die anderen Fragen ging. Die Fragen die nicht weniger betrafen als sein Leben.[…]

 […] Sie hatte vor der Tür gestanden und durch die Fensterscheibe geschaut. Sofort hatte sie ihn auf dem Sofa sitzend erkannt. Sie schaute sich das Bild an und wünschte, sie hätte es zeichnen können, um es festzuhalten. Es war voller Schönheit, Wärme und Ruhe. Sie holte ihren Fotoapparat aus der Tasche und fotografierte ihn durch die Scheibe. Sie wollte dieses Bild gerne behalten. Er sah glücklich aus. Ein kostbarer Augenblick. Sie wusste, was es für ihn bedeutete, weil es für sie die gleiche Bedeutung hatte. Sie sah seine Gefühle in ihren eigenen Augen, als sie ihr Spiegelbild in der Fensterscheibe betrachtete. Gleich nochmal drückte sie auf den Auslöser. Es war ein Bild von ihm auf dem Sofa und von sich selbst in der Spiegelung der Fensterscheibe. Sie wartete einen Augenblick vor der Tür, um der Welle des Glücks die Möglichkeit zu lassen jeden Raum ihres Körpers einzunehmen. Es hatte so selten den Weg zu ihr gefunden, das Glück, wenn es schon einmal da war, wollte sie jede Sekunde nutzen, um es dem Glück so schön wie möglich in ihrem Körper zu machen. Vielleicht mochte es dann wiederkommen, das Glück. Als sie die Augen einen Augenblick später aufschlug, saß er noch immer auf dem Sofa. Er hatte eine Tasse in der Hand und als er kurz aufschaute, trafen sich ihre Blicke. Sie versank im Blau seiner Augen. Die Realität schwand, das tat sie immer, wenn sie ihn sah. Der Blick in seine Augen war das Tor zu der Wirklichkeit, die nur sie beide kannten. […]

Am Meer

Strandbild

Sie spürte den Sand unter den Füßen, als die Welle langsam ihre Zehen erreichte. Gleich darauf tränkte das Wasser den sandigen Boden unter ihren Fußsohlen. Das Meer reichte ihr bis zum Knöchel. Es war angenehm kühl. So wie der Wind, der mit jeder Welle ihre Haare aus dem Gesicht wehte. Ihr roter Rock flatterte ebenso im Wind, wie die Bluse, die sie am Körper trug. Sie hörte den Wind in ihren Ohren. Ansonsten war es still. Kein Gedanke schaffte es bis in ihr Bewusstsein. Nur der Wind, die Sonne, das Rauschen des Meeres und der körnige Sand unter ihren Füßen.

Sie wusste nicht wie lange sie dort gestanden hatte. Die Zeit hatte sich verabschiedet. Keiner wusste, wann die Zeit gedachte wiederzukommen, aber es fragte auch keiner nach ihr. Es gab eine Aus-Zeit. Es ging nicht vorwärts, es gab kein rückwärts. Kein rechts, kein links. Nur das Hier und Jetzt und der Punkt, auf dem ihre Füße mit jeder Welle ein klein wenig mehr nach Halt suchten. Sie liebte das Gefühl den fehlenden Boden auszugleichen. Sie konnte das. Das Gewicht schnell in die unterschiedlichen Richtungen verlagern und dabei dennoch nie den Halt verlieren.

Um zu wissen, dass er da war, brauchte sie sich nicht umzudrehen. Es war kein Geräusch, kein Blick, nur das Gefühl,  dass es wärmer um sie herum wurde. Eine Wärme, die von innen kam und nichts mit der Sonne am Himmel zu tun hatte. Eine warme Dusche, die nur die Seele umspülte und alles von Staub und Schmutz befreite. Als sie seine Arme spürte, mit der er sie umschlang, brauchte es keine Worte. Sie standen dicht hintereinander und glichen zusammen den vom Meer weggespülten Sand aus. Mit ihm im Rücken fiel das Balance halten leichter als allein.