Schlagwort-Archive: Gedanken

Wandern vor der Haustür

Ganz im Westen des Landes liegt das Wanderglück vor der Haustür. Da beginnt der Kurzurlaub zwei Minuten von der eigenen Haustür entfernt.

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Wenn Achtsamkeit unter den Nägeln brennt

Achtsamkeit und mit sich achtsam umgehen ist im Trend. Ich dachte: Das ist nützlich für mich und mein Wohlbefinden. Nicht der Trend, aber der Umstand mehr auf sich acht zu geben. Entspannungsübungen sind gut und bereichern meinen Alltag. Achtsamkeitsübungen lassen sich sicher ebenso gewinnbringend einbauen. So viel zum Plan.

Gesagt getan: Die Achtsamkeitsübung sah vor eine Teetasse zu spülen. Und das sehr achtsam!!! Was das bedeutet? Die Konzentration auf die Teetasse fokussieren. Farbe, haptische Beschaffenheit, der Ton des blubbernden Spülwassers,….

Wasser eingelassen, Tasse rein und los. Teetasse spülen und dabei alle oben genannten Faktoren berücksichtigen. Bis die Tasse gespült war hat alles gut funktioniert.

Dann war da die gespülte Tasse, eine Menge sauberes Spülwasser und weiterer Dreck, den man hätte beseitigen können. Ich habe mit mir gerungen. ‚Lass die Achtsamkeit die Oberhand gewinnen‘. ‚Lass die Küche dreckig‘.

Um es kurz zu machen: Die Küche hat gewonnen. Die Achtsamkeit ist im Spülwasser versunken.

Ein neuer Tachelespodcast ist online! TP 62: Sprache schafft Realität

In diesem Podcast beschäftigen sich Frau Dings und Herr Bums mit den Themen:

• junge, männliche Flüchtlinge und drohende Ausweisung,

• wie wird in der Politik Realität durch die jeweilig benutzte Wortwahl verschleiert,

• wie schafft Sprache Realität,

• die negative Sicht auf die Welt – früher war alles schlechter.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Hören.

Ein Land wie aus 1000 und einer Nacht oder: Mehr Multikulti!

Medusa

Die besten Geschichten passieren glücklicherweise anderen. So hat folgende Geschichte eine Freundin erwischt, die im Rahmen ihres Studiums ein Praktikum absolvieren muss. Erstmal nichts Außergewöhnliches. Ebenfalls unspektakulär und durchaus üblich unter Studenten, dass sie für dieses Praktikum das häusliche Umfeld verlassen und in die Welt hinaus ziehen muss. Im Fall der Freundin bedeutete das: Zwei Stunden von zuhause entfernt, aber noch in Deutschland. Beherrbergt in einem Praktikantenhaus, welches direkt in einer großen Grünanlage steht, die auch gleichzeitig der Ort des Praktikums ist. Eine weitere Praktikantin hatte eine nicht ganz so einfache Anreise. Nach zehnstündigem Flug fand sie sich nicht nur sprachlich in fremden Gefilden wieder, auch das Leben im Praktikantenhaus gestaltete sich völlig anders, als sie es von zu Hause gewöhnt war.
Da besagte Freundin schon einige Tage im Praktikantenhaus lebte, wurde ihr der Auftrag zugeteilt, der neu Angereisten die Pflege und Hege des Praktikantenhauses geläufig zu machen. Dieses Haus ist mehrere Jahrhunderte alt und bedarf ansonsten der selben Pflege, die auch jüngere Häuser zu schätzen wissen: Fegen, wischen, lüften, nach dem Kochen, den Herd putzen… Was nun mal zu tun ist, wenn man in vier Wänden lebt. Es stellte sich heraus, das in anderen Ländern offenbar andere Sitten herrschen. Zur großen Verblüffen der von fern angereisten Studentin, bilden sich kein Schmutzhäufchen, wenn der Besen in die Hand und auf der Stelle am Boden bewegt wird. Auch führte es zu großer Verwunderung, dass rohes Fleisch im Kühlschrank Pfützen hinterlässt, wenn man es aus der Verpackung nimmt und es „einfach so“ auf das Gitter legt. Noch größere Verwirrung entstand jedoch darüber, dass diese Pfützen nicht von allein wieder verschwinden. Nach einem intensiven Gespräch von Studentin zu Studentin stellte sich heraus, dass es in fernen Ländern ganz anders zu geht. Auf die Frage, wie sie im heimischen Studentenwohnheim für Sauberkeit sorgt, antwortete sie, dass dies zuhause nicht notwendig sei. Dort würde sich der Mülleimer von alleine leeren, das Waschbecken reinigt sich von allein und auch der Dreck würde sich von allein entsorgen. Ganz natürlich, ohne vorher auf einen Berg gefegt worden zu sein. Natürlich wirft das Fragen auf. Zum Beispiel: Wer bezahlt die Reinigungskräfte in diesem fernen Land, die dafür sorgen, dass Studenten nicht mit Schmutz belästigt werden? Als diese jedoch laut gestellt wurde, gab es nur verständnisloses Stirnrunzeln. Übrigens etwas, das vermutlich international als „Das sehe ich aber ganz anders“ interpretiert werden darf. Die aus der Ferne angereiste Studentin hatte noch NIE eine Reinigungskraft gesehen und bestreitete vehement, dass es diese gäbe. Stattdessen behauptet sie, dass es in ihrer Heimat einfach viel besser zugehe, als in Deutschland. Da wo sie herkommt, reinigen sich die Studentenwohnheime von allein! Dazu passend: Es wird jeden Tag für alle Studenten gekocht. Und zwar umsonst. Morgens, mittags, abends.
Andere Länder, andere Sitten. Ich finde, selbstreinigende Studentenwohnheime sollte es hier auch geben. Wenn man schon mal dabei ist, könnte man dieses Prinzip auf alle anderen Wohnhäuser ausweiten. Ich würde mich, bzw. mein Haus, sehr gern als Versuchsobjekt anbieten. Also sollte dies hier jemand lesen, der dafür zuständig ist: Einfach einen Kommentar schreiben, wir kommen bestimmt ins Geschäft!!!
Leider muss an dieser Stelle gesagt werden, dass die angepriesene freie Kost nicht ganz frei ist. Nach einiger Recherche stellte sich heraus, dass die Kosten der Heimatstaat besagter Studentin trägt, um jungen Menschen einen Anreiz zu schaffen, in Vergessenheit geratene Studiengänge wieder zu beleben. Ob der heimische Staat eventuell auch verantwortlich für den selbstreinigenden Mülleimer sei, wurde von der fremden Studentin verneint. Da wo sie herkommt, könnten die Mülleimer das einfach, sich selbst leeren und wieder ganz proper aussehen. Ich finde, dass der deutsche Mülleimer ganz schön doof ist. Ich war schon immer für mehr Multikulti, aber noch nie so sehr wie heute!

Bei deutschen Ämtern

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Alles hatte mit einem Einkauf begonnen. Das Internet machte es möglich. Eine kleine Giraffe aus einem entfernten Teil der Welt, genauer aus Afrika, sollte den Weg ins winterliche Deutschland finden. Und wie es sich für eine kleine afrikanische Giraffe gehörte, musste sie vorher eine Einreisegenehmigung erhalten. Da das Tier nur aus Holz bestand, sollte in diesem Fall ein Formular des Zolls ausreichen. So weit so gut. Der stolze Besitzer, wusste davon leider nichts, denn das Internet enthüllt zwar so manches, aber eben nicht alles.
Aber da in deutschen Amtsstuben nichts dem Zufall überlassen bleibt, erreichte ein entsprechender Brief den zukünftigen Besitzer des hölzernen Tierchens, das immerhin tausende von Kilometern unbeschadet zurück gelegt hatte, um dann in einer entlegenden Zollbehörde zu stranden. An dieser Stelle muss leider erwähnt werden, dass es nicht immer zum Wohle der Betroffenen ist, wenn deutsche Amtsstuben mit der Post zusammenarbeiten. In diesem Fall ergeben zwei Minus kein Plus und wenn die rechte Hand schon nicht weiß was sie tut, wie soll man erwarten, dass die linke Hand zu mehr im Stande ist? Es wird niemanden verwundern: Die Post benötigte für außergewöhnliche 60 Kilometer nur zehn Tage (die Giraffe hatte es in kürzerer Zeit aus Afrika bis in den Norden geschafft.) Wäre der Brief zu Fuß vorbei gebracht worden oder es hätte sich jemand die Mühe gemacht den Käufer telefonisch zu informieren, es hätte noch schneller gehen können! Immerhin erreichte der Brief den Empfänger noch in der vorgegeben Frist, die nun von zwei Wochen auf vier Tage zusammengeschrumpft war. Nun hieß es schnell sein: Der Käufer rief an (einen Brief zu schreiben wäre ja fatal gewesen: Die Post!!) und vereinbarte einen Termin. Am nächsten Tag sollte es schon so weit sein. Er und das Tier sollten nun endlich aufeinander treffen.
Am folgenden Tag, nachmittags um halb zwei, war es dann so weit. Der Käufer stand in der Amtsstube, stellte sich vor und bekam zu hören, dass jetzt nicht gearbeitet werden würde, da schließlich auch Beamte ein Anrecht auf ihre Mittagspause hätten. Der Giraffenbesitzer in spe fragte nach, warum ihm dann dieser Termin genannt worden war. So richtig beantworten konnte das keiner. Auch nicht, als sich herausstellte, dass genau die Person den Termin vergeben hatte, die nun auf ihre Pause pochte. Um es kurz zu machen: Das entspannte die Situation wenig. Aber, um sich endlich dem Mittag widmen zu können, wurde das hölzerne Tier in seinem Paket gebracht.
Dem Ziel zum greifen nahe wollte der Besitzer der Giraffe schnellstmöglich alle Papiere unterschreiben. So eilig hatte der Beamte es dann doch nicht mit der warmen Mittagsmahlzeit. Erst sollte das Paket ausgepackt werden. Wer wusste schon was da wirklich drin war? Eine Giraffe aus Elfenbein? Der Käufer wehrte sich, jedoch ohne Erfolg. Kein Auspacken, keine Ware. Also ließ er sich mit einer Schere bewaffnen und begann das weit gereiste Paket all seiner Verpackung zu entledigen. Das dauerte. Schließlich hatte er ein Ohr der Giraffe freigelegt. Dafür hatte sich die Amtsstube mit diversen Styroporteilchen gefüllt. Der Beamte konnte nun sehen und vor allem fühlen, dass es sich tatsächlich um eine hölzerne Giraffe handelte. Aber das reichte ihm zunächst nicht. Er wollte alles sehen. Daraufhin drohte ihm der Käufer, dass er sich dann aller Verpackung in der Amtsstube entledigen würde. Vor allem das reichlich im Paket vorhandene Styropor wollte er in die vertrauensvollen Hände der Beamten legen. Daraufhin besann sich besagter Beamter auf die Tageszeit und zog es vor sich seiner vernachlässigten Mittagsmahlzeit zu widmen. Der Käufer durfte mit der halb ausgepackten Giraffe von dannen ziehen. Die gemachte Erfahrung bekam er gratis dazu. Von einem Dankesschreiben kann an dieser Stelle nur abgeraten werden. Bis die Post dieses befördert haben würde, wären wahrscheinlich alle Beteiligten in Rente.

Jeden Morgen auf dem Bahnsteig

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Dies könnte ein Bericht über die Deutsche Bundesbahn werden. Darüber, dass eine Frau jeden Morgen mindestens fünf zusätzliche Minuten am Bahnsteig zubringen musste, bis der ersehnte Zug den Weg in den Bahnhof gefunden hatte. Nicht, dass er sich verlaufen hätte. Er war nur zu langsam. Aber da sich schon so viele Menschen über die Bahn im Allgemeinen und im Besonderen ausgelassen haben, erspare ich dem Leser an dieser Stelle eine weitere Litanei über die Unzulänglichkeiten der DB. Jedoch drängt sich die Frage in den Vordergrund, was das mit den Menschen macht, die täglich ihre Lebenszeit auf dem Bahnsteig vergeuden? Täglich fünf Minuten. In einer Woche kam da eine knappe halbe Stunde zusammen. In einem Monat…aber lassen wir die Erbsenzählerei. Ich will ja niemanden ins Unglück stürzen.
Jeden Morgen standen also die selben Menschen zusammen am gleichen Ort. Da wurde geguckt, gewartet, gehofft, gegähnt, getrunken und gearbeitet. Da war zum Beispiel diese Frau. Es war deutlich zu beobachten, dass sie ihn täglich beobachtete, den Mann, der sich immer genau hinter sie stellte. Egal auf welchem Abschnitt sie sich am Gleis stellte, er stand stramm hinter ihr. Verstohlen musterte sie ihn aus dem Augenwinkel. Das allein war schon eine Herausforderung, schließlich stand er direkt hinter ihr. Ein Chamäleon hätte es dabei wesentlich leichter gehabt als sie. Die zusätzlichen fünf Minuten, die das Unternehmen Zukunft den Reisenden jeden Morgen schenkte (wahrscheinlich von Herzen und völlig selbstlos!) wurden von ihr genutzt, ihm immer wieder Blicke zu zuwerfen. Allerdings prallten sie allmorgendlich an ihm ab.
Diese Frau hatte in der Vergangenheit schon oft versucht mit ihm Blickkontakt aufzunehmen. Er sah eigentlich sehr nett aus. Nur war seine Miene undurchdringlich. Vielleicht war er ein Morgenmuffel? Vielleicht war er gedanklich schon mit seiner Arbeit beschäftigt? Sie hatte versucht sich vorzustellen, was er arbeitete. Vielleicht war er Architekt? Nein, sie entschied sich für Lehrer. Schuld daran war die Tasche, die er immer bei sich trug. Das war eine große braune Ledertasche zum umhängen, die schwer aussah. Bestimmt war das gesamte Wissen der Menschheit in dieser Tasche und der arme Mann schleppte schwer daran. Morgens nahm er das Wissen mit, um es über seinen Schülern auszuschütten und nachmittags musste er es unverrichteter Dinge wieder mit zurück nehmen. Schüler konnten teilweise ja recht ablehnend sein, wenn es um Wissen ging. Kein Wunder, dass sein Blick düster war. Wer wollte schon jeden Tag das gleiche Wissen von A nach B und wieder zurück schleppen? Manchmal wurde die Frau jedoch von ihren Gedanken abgelenkt und der Mann hinter ihr geriet kurzzeitig in Vergessenheit. Das war, wenn das junge Mädchen mit den viel zu hohen Schuhen an der Frau vorbei stöckelte. Dann war sie in Alarmbereitschaft. Jeden gestelzten und vorsichtigen Schritt beobachtete sie und war sich sicher, dass ihr Kurs in Erster Hilfe von Nöten sein würde, wenn die junge Frau die Balance verlieren würde. Wer wusste schon wann die Schuhe der armen Frau sie von den eigenen Füßen reißen würde? Dann würde ihr jemand zur Seite stehen müssen, um sie im wahrsten Sinne des Wortes wieder aufzurichten.
Ansonsten wiederholte sich jeden Morgen die gleiche Szene: Der Mann stellte sich hinter die Frau. Sie versuchte Blickkontakt aufzunehmen. Die Durchsage, dass die Bahn heute (HEUTE!!!) fünf Minuten später eintreffen sollte, rundete das Geschehen ab. Der Mann, der dem Blick der Frau auswich. Ein Fünf-Minuten-Kurzdrama in vier Akten. Jeden Morgen kostenlos die gleiche Vorstellung. Gestern jedoch nicht! Zu meiner großen Überraschung kam gestern alles anders. Nein, die Bahn war nicht pünktlich! Wo kämen wir denn da hin!? Es passierte etwas anderes: Der Mann hatte zurück gelächelt! Das erste Mal hatte er das Lächeln der Frau erwidert. Zaghaft, aber immerhin! Ich kam mir vor wie im Improvisationstheater und wollte dem Mann zurufen: „Weiter so, das sieht gut aus, nur noch ein wenig mehr!“ Aber da es ansonsten still auf dem Bahnsteig war, wäre das eventuell übertrieben gewesen. Und die Frau? Sie hatte zurückgelächelt. Der Anfang war gemacht. Mit ein wenig Übung könnte aus den beiden strahlendste Lächler werden. Vielleicht sollte ich sie das nächste Mal doch anfeuern? Wenn die Bahn weiterhin täglich fünf Minuten verschenkte, bliebe ja dafür genügend Zeit.