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Ein neuer Tachelespodcast ist online, Nummer 68 mit dem Thema: Städtereisen als temporäre Dachzeltnomaden

Frau Dings und Herr Bums waren mit ihrem Dachzelt unterwegs.Es ging von Dänemark über Kiel, Lübeck, Schwerin nach Quedlinburg. Lasst euch akustisch mit auf die Reise nehmen.
Wir wünschen euch viel Spaß beim Hören.

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Eine neue Geschichte vom Sofa: Whiskey

Whiskey

Sie ließ sich in das rote Sofa sinken. So schnell und einfach konnte alles aus den Fugen geraten. Es reichte ein einfacher Anruf. Sie sah die Bedienung, als sie aufschaute. Sie stand vor ihr und hielt ihr lächelnd die Karte entgegen. Sie brauchte die Karte nicht, um zu wissen, was sie wollte. „Ich hätte gern eine große Tasse Kaffee und einen Whisky.“ Die Bedienung nickte, schrieb aber nichts auf. Stattdessen fragte sie: „Welchen Whisky darf ich Ihnen bringen?“ Die Frau schloß die Augen und versuchte sich zu erinnern. Der Name fing mit J an. Aber es war fraglich, ob es in diesem Café eine so große Auswahl gab. Sie schaute vom Sofa aus in die Augen der Bedienung, die wartete, als hätte sie alle Zeit der Welt. „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Gibt es einen Whisky, der mit J anfängt? Es ist so lange her, dass ich mich nicht daran erinnern kann.“ Die Bedienung lächelte etwas breiter und sagte: „Sie meinen bestimmt den Whiskey von Jameson. Das ist ein irischer Whiskey. Ich bringe ihnen ein Glas mit dem Kaffee zusammen.“ Als die Bedienung sich umdrehen wollte, sagte die Frau vom Sofa: „Bitte bringen sie ein großes Glas!“.

Sie schaute sich im Café um. Es war ein Tag wie jeder andere. Für die anderen. Da saßen zwei Frauen und redeten angeregt am Fenster. Sie hatten zwei dampfende Tassen vor sich auf dem Tisch stehen. Am Nachbartisch schaute ein Mann in eine Zeitung und biss hin und wieder in sein Brötchen, das mit Käse belegt war. Im hinteren Teil des Cafés saßen zwei ältere Herren am Tisch und spielten Schach. Neben ihnen standen zwei Weingläser mit rotem Inhalt. Sie betrachtete das alles von außen, als würde eine Glasscheibe sie von der Welt trennen. Sie war allein in ihrer Gedankenwelt. Die Bedienung stellte ihr die Getränke auf den Tisch und sagte: „ Ich hoffe, der Whiskey ist so, dass er ihren Vorstellungen entspricht. Jameson hat viele verschiedene Whiskeys, aber wir haben hier nur eine Sorte. Ich hätte noch einen schottischen Whisky im Angebot…?“ Die Frau auf dem Sofa lächelte, als sie sagte: „Nein, Jameson ist genau richtig. Das ist der Whiskey, der früher bei uns zuhause getrunken wurde. Vielen Dank!“ Als die Bedienung sich einem anderen Gast zugewendet hatte, nahm die Frau das Glas mit dem Whiskey in die Hand. Sie hielt kurz inne, bevor sie das Glas an die Nase hielt. Sie wusste, dass Gerüche Erinnerungen auslösen konnten. Sie wusste auch, dass dies bei ihr leicht und schnell passierte. Eine Erfahrung, die sie schon früh gemacht hatte. Es reichte nur ein kurzer Moment, der richtige Duft und schon fluteten die Bilder der Erinnerung ihren Kopf. Sie erinnerte sich noch gut daran, als sie das Rasierwasser ihrer ersten großen Liebe direkt nach der Trennung bei einem Mann gerochen hatte, der vor ihr an einer Supermarktkasse gestanden hatte. Damals war ihr Einkauf durch eine Tränenflut unterbrochen worden und nur, weil der Mann ihr geholfen hatte, war ihr Einkauf erfolgreich gewesen. Sie hatte sich lange geschämt, weil sie sich damals nicht bei ihm bedankt hatte. Seit dem war sie vorsichtig. Deshalb hielt sie das Glas Whiskey noch immer reglos in der Hand. Eigentlich hatte nur ihre Mutter Whiskey getrunken. Zu besonderen Anlässen und immer Jameson. Warum eigentlich? Sie wusste es nicht. Es war nicht wichtig gewesen. Der Whiskey wurde erst wichtig, nachdem ihre Mutter verschwunden war. Als sie ihre Mutter das letzte Mal gesehen hatte, stand vor ihr ein Glas Jameson Whiskey. Sie hatte am Küchentisch gesessen. Allein. Ihr Vater war angeln gewesen und ihr kleiner Bruder spielte mit der Tochter der Vermieter. Außer dem Glas stand da nichts auf dem Tisch und sie hatte sich lange gefragt, warum ihre Mutter Whiskey getrunken hatte. Es war schließlich kein besonderer Anlass. Oder doch? Sie waren schließlich im Urlaub. Sie waren in der Ferienwohnung, in die sie jeden Sommer fuhren. Sie hatte lange gedacht, dass die Freude über den Urlaub der Grund für ihre Mutter gewesen war ein Glas Whiskey zu trinken. Das war am 10. Juli 1986. Am 11. Juli war ihre Mutter verschwunden gewesen. Drei Tage vor ihrem fünfzehnten Geburtstag. Das war dreiunddreißig Jahre her. Seit heute wusste sie, dass der Grund für den Whiskey ein anderer gewesen sein musste.

Sie hielt sich das Glas an die Nase und atmete den Geruch ein. Er brannte viel weniger, als sie es in Erinnerung hatte. Er hatte etwas weiches, dass sich in der Nase ausbreitete und verriet, welcher Geschmack sich im Mund ausbreiten würde. Sie hatte bis heute Whiskey gemieden. In der Hoffnung, damit die Erinnerungen auf Abstand halten zu können. Offenbar waren sie alle noch da. Die Bilder kamen vollständig hinter der Absperrung hervor und marschierten in ihrem Kopf ein: Sie sah die Küche vor sich. Den Küchentisch mit seiner Resopaltischplatte. Er hatte eine hellblaue Oberfläche. Der Tisch stand am Fenster. Und zwischen Fenster und Tisch befand sich eine Bank, auf der ihre Mutter gesessen hatte. Das Glas Whiskey vor sich stehend. Als sie die Küche betreten hatte, wollte sie sich ein Glas Milch aus dem Kühlschrank nehmen. Ihre Mutter hatte sich eine Zigarette angesteckt und beobachtete sie rauchend in ihrem Tun. Sie schwiegen beide. Sie sah sich selbst in ihrer Erinnerung, wie sie sich bückte, um den Kühlschrank zu öffnen. Sie hatte sich die Milch herausgenommen und ein Glas aus dem Hängeschrank. Nachdem sie die Milch getrunken hatte, wollte sie das benutzte Glas in die Spüle stellen. Da hatte ihre Mutter gesagt: „Mach das sofort sauber. Das Glas kannst Du wieder zurückstellen!“ Sie hatte einen Blick auf den Abwasch vom Mittagessen geworfen und beeilte sich ihr Glas abzuwaschen. Sie erinnerte sich daran, dass sie froh gewesen war, dass ihre Mutter ihr nicht den gesamten Abwasch aufgetragen hatte. Schnell hatte sie danach die Küche verlassen. Sie hatte schon oft darüber nachgedacht, ob sie etwas zu ihrer Mutter gesagt hatte, aber sie hatte sich nicht erinnern können. Jetzt mit der Nase im Whiskeyglas war sie sich sicher, sie war schweigend gewesen. Sie hatten nicht gesprochen. Wie so oft damals, war sie auch an diesem Tag schweigend gewesen. Nachdem sie die Küche verlassen hatte, war sie in das Zimmer gegangen, in dem sie während der Ferienzeit schlief. Sie erinnerte sich an die schweren grünen Samtvorhänge, an die hässlichen Troddeln am Saum und an den Geruch von Mottenkugeln, der den Motten egal gewesen war. Sie erschienen immer zahlreich und erschreckten sie, wenn sie morgens die Vorhänge aufzog. Vor den großen Fenstern standen vier alte Buchen, in denen die Tauben wohnten. Morgens wurde sie von ihnen geweckt. Ihr Leben lang war der Geruch von Mottenkugeln an das Rufen von Tauben gekoppelt gewesen. Sie hatte sich ihr Buch gegriffen. Sie sah noch das Titelbild vor sich. Eine Zeichnung von einem Mädchen, dass eine Katze streichelte. Selbst der Titel fiel ihr ein: Ein ganz besonderer September. Sie hatte das Buch geliebt. Sie erinnerte sich, während sie damit im Gartenschuppen verschwunden war, um in Ruhe zu lesen, hatte ihr Bruder mit der Tochter der Vermieter um die Wette geschaukelt. Das Kinderlachen und das Jauchzen war ihr im Gedächtnis geblieben. Wie so vieles, das an diesem Tag passiert war.

Sie trank einen Schluck Whiskey und stellte es weit von sich auf den Tisch. Sie atmete tief ein und war froh, dass sie hier war. Eine Frau von achtundvierzig Jahren. Glücklicherweise keine Jugendliche mehr, die ihre Mutter verloren hatte. Als sie später der Polizei erklären musste, was passiert war, gab es nicht viel zu erzählen. Die Ereignisse hatte sie später immer wieder erzählen müssen. Sie fragte sich manchmal, ob ihre heutige Version sich von der ersten Version unterschied. Wahrscheinlich. Aber was konnte man dagegen tun, außer Whiskey trinken und hoffen, dass das Gedächtnis sich erbarmte und die richtigen Bilder auf den Vormarsch schickte. Sie hatte der Polizei erzählt, dass sie lange gelesen hatte. Irgendwann hatte ihr Bruder Hunger bekommen. Er hatte am Gartenschuppen geklopft, weil er wusste, dass seine große Schwester dort gerne las. Sie konnte seinem Blick nicht widerstehen, als er sagte, dass er großen Hunger hatte und ob sie ihm ein Brot machen könne. Sie hatte das Buch zusammengeklappt, ihn bei der Hand genommen und ihn die Treppe hinauf in die Ferienwohnung begleitet. Sie erinnerte sich an die steile gewundene Treppe, die mit einem braunen Teppich beklebt war. Hier war ihr Bruder schon einmal gestürzt und war die gesamte Treppe hinunter gefallen. Seit dem nahm sie ihn immer an die Hand. Es war so ein großes Glück, dass ihm nicht passiert war. Sie erinnerte sich daran, wie verwundert sie war, dass ihre Mutter nicht da war. Schließlich war ihr Vater zum Angeln gefahren. Das bedeutete, dass er die ganze Nacht auf einem Fischkutter sein würde. Ihre Mutter blieb dann zuhause. Sie hatte sich die Abwesenheit dadurch erklärt, dass sie vielleicht ein Eis essen gegangen war. Sie hatte ihren Bruder Hannes an den Tisch gesetzt, den Tisch gedeckt und mit ihm Abendbrot gegessen. Er hatte ein dickes Brot mit dem Frischkäse bekommen, den er so liebte. Sie selbst hatte sich ein Salamibrot gemacht. Sie hatte Salami schon immer geliebt. Eine Liebe, die bis heute geblieben war. Dann hatte sie ihren Bruder zum waschen ins Badezimmer geschickt, hatte mit ihm seine Zähne geputzt und ihm eine Geschichte vorgelesen, als er in seinem blauen Frotteeschlafanzug im Bett gelegen hatte. Sie hatten von zuhause die Bettwäsche mitgenommen und er lag unter seiner Schlumpfbettwäsche eingemummelt. Als sie selbst im Bett lag, hatte sie sich noch immer keine Sorgen gemacht. Es war mittlerweile zwar schon dunkel, aber sie war so sehr in ihr Buch vertieft gewesen, dass sie darüber eingeschlafen war. Erst als sie am nächsten Morgen von ihrem Vater geweckt worden war, und er sie gefragt hatte, wo ihre Mutter sei, kamen die Sorgen. Es war der 11. Juni 1986 und ihre Mutter war verschwunden. Sie blieb es, bis heute.

Sie schaute auf die Uhr. Es war kurz vor zwölf und der Anruf war noch keine Stunde her. Sie war gerade auf dem Weg in ihre Praxis gewesen. Während sie in der U-Bahn saß, hatte sie die Renovierungskosten ihres Hauses überschlagene. Ihr Handy hatte geklingelt, als sie nur noch eine Häuserecke von ihrem Ziel trennte. Die Nummer war ihr unbekannt, aber sie hatte eine Vorwahl, die nicht deutsch war. Sie war schon immer neugierig gewesen und versuchte vergeblich fremde Telefonnummern zu ignorieren. Sie nahm seufzend das Gespräch an. Es war ein Mann, der sich als Herr Jankauskas vorstellte. Er rief aus Litauen an und wollte mit ihr über den Nachlass ihrer Mutter sprechen. Sie war stehen geblieben und schaute die Häuserwand an. Sie hörte sich selbst sagen, dass das sicher eine Verwechslung sei und ihre Mutter seit 1986 verschwunden war. Später war sie für tot erklärt worden. Das beeindruckte Herrn Jankauskas wenig und er sagte mit einem charmant klingendem Akzent, dass er das wisse. Aber Frau Kudirkaiené hätte ein Testament hinterlassen, dass diesen Umstand erkläre. Dann sagte er noch, dass Frau Loreta Kudurkaiené früher Loreta Bäcker geheißen hätte und er alles erklären könne. Mit der Frage, wann sie nach Kaunas kommen könne, um die Hinterlassenschaften ihrer Mutter zu regeln, hatte er sie überrumpelt. Sie bat sich Bedenkzeit aus und versprach, sich am Nachmittag zu melden.

Dann war sie ziellos umher gelaufen und als sie das rote Sofa des Cafés durch die Fensterscheibe gesehen hatte, wollte sie nur noch ausruhen und in Ruhe überlegen, was zu tun sei. Sie schaute in die leere Kaffeetasse und fragte sich, wann sie den Kaffee getrunken hatte. Als sie sich umschaute, sah sie, dass einer der alten Herren nach draußen gegangen war, um zu rauchen. Das Rotweinglas hatte er mitgenommen. 1986 hatten Raucher Räume in Nebelschwaden getaucht. Sie erinnerte sich an den Geruch von verrauchten Räumen. Jede Familienfeier war ein Nebelfest gewesen. Sie schaute auf ihr volles Whiskeyglas und nahm noch einen kleinen Schluck. Sie wusste bis heute nicht, was ihre Mutter daran gefunden hatte. Sie wusste so vieles nicht, stellte sie fest. Keine neue Erkenntnis. Ihre Mutter war schon früher rätselhaft gewesen. Offenbar waren ihre Geheimnisse viel größer, als sie geglaubt hatte. Sie nahm ihr Handy und freute sich darüber, dass es ein leichtes war sich ein Flugticket nach Kaunas zu kaufen. Sie würde für den nächsten Tag alle Termine absagen und sich morgens in das Flugzeug setzen. Sie stand auf und ging zur Theke. Die Bedienung nannte den Preis. Während sie das Geld in ihrem Portemonnaie zusammensuchte, wurde sie gefragt: „Hat ihnen der Whiskey nicht geschmeckt?“ „Doch, er war genauso, wie ich ihn in Erinnerung hatte.“

Damit drehte sie sich um und ging auf die Tür zu. Die Bedienung räumte den Tisch ab und schüttete den Whiskey in den Ausguss.

Aktuelles politisches Geschehen und Strandkörbe

Schöne Welt

Das aktuelle politische Geschehen  macht Angst. Ob es die Ausschreitungen bei der EM sind, Orlando oder die dramatisch ansteigenden Angriffe auf nicht deutsche Einrichtungen, Restaurants oder Unterkünfte.

2015: Dramatischer Anstieg von Gewalt gegen Flüchtlinge

Wo das alles hinführen wird, bringt die Zukunft. Weg führt es von der Freiheit, Toleranz und vom friedlichen Miteinander.

In meinen Wattenmeerelfen -Geschichten finden die Elfen Zuflucht unter Strandkörben.  Vielleicht sollte ich mal frsgen, ob noch ein Plätzchen frei ist.

Mal was ganz anderes. Ein Techniktipp für alle, die Geschichten schreiben

KrimimimiIgenogramm

Als allererstes: Die Personen im abgebildeten Genogramm gibt es nur in meiner Phantasie und wenn alles gut geht, irgendwann auch als fertige Romanfigur in meinem vollendeten Krimi. Namen und Personen sind ausgedacht. Worum es aber eigentlich geht:

Ich habe iGenogram für mich entdeckt. Das ist ein Programm für das iPad, mit dem sich Genogramme erstellen lassen. Eigentlich benötige ich das Programm für meine Weiterbildung zur systematischen Familienberaterin bzw. zur Therapeutin. Jetzt hat mich aber ein ganz lieber Freund, der ebenfalls das Programm für die selbe Weiterbildung nutzt, auf die Idee gebracht, dass sich iGenogram für meine Geschichten und vor allem für das Schreiben meines Krimis einsetzen lässt. Die Idee ist super und ich danke an dieser Stelle Jakob ganz herzlich für diese Idee.

So viele Vorteile:

Ich behalte den Überblick, sehe sofort die Familienverhältnisse und wie die Personen zueinander stehen. Je nachdem welche Entwicklungen sich ergeben, können weitere Notizen eingegeben werden und ich muss nicht andauernd in meinen Unterlagen nachschlagen, wer wann wie mit wem was getan hat!!

Das Programm kostet nur ca. 15 Euro, ist selbsterklärend und sehr bedienungsfreundlich. Unbedingt empfehlenswert, nicht nur für Therapeuten, sondern auch für alle, die beim Geschichten schreiben den Überblick behalten wollen!

Equal Pay Day

geduldige Frau

Am 19. März war equal pay day. Also der Tag, an dem die Frauen, wenn sie denn über die Jahreswende hinaus arbeiteten das gleiche Geld verdient hätten, wie ihre männlichen Mitstreiter. Das kommt dabei raus, wenn Frauen 22% weniger als Männer verdienen. Hierzu hat die Zeit in der Ausgabe vom 18. März einen netten Artikel verfasst, in dem sie darauf hinweist, dass Familien sich noch so sehr anstrengen können, es wird ihnen nicht gelingen Familie und Karriere auf beide Elternteile gleich zu verteilen. Nicht, dass es oftmals am Willen scheitere, gesellschaftlich, so stellt dieser Artikel dar, habe sich schon ein Umdenken in Gang gesetzt. Es fehle schlicht weg an den Wahlmöglichkeiten, weil es sich keine Familie leisten kann denjenigen zu Hause bei den Kindern zu lassen, der das meiste Geld nach Hause bringt. Was in den meisten Fällen der Mann ist. Da könne die Politik wirklich weiterhelfen und zwar nicht mit Elterngeld oder anderen Vergünstigungen, die es Männern schmackhaft machen, zu Hause zu bleiben (wenn auch für einen ganz kleinen Zeitraum – wenn man die Lebenserwartungen eines gerade geborenen Kindes zu Grunde legt). Wenn die Bezahlung grundlegend gleich wäre, dann wäre tatsächlich die Möglichkeit einer freieren Überlegung zergliedert der Kindesbetreuung gegeben. Vielleicht würde sich dann auch die „Frauenlastigkeit“ in einigen Berufen verändern. Möglicherweise gäbe es dann mehr Erzieher, denn die könnten es sich dann leisten als Ernährer der Familie zu dienen oder eben auch nicht. Dann gäbe es eine freie Entscheidung und wahrscheinlich auch mehr Gleichberechtigung. In der Zeit klingt es dazu so:

„Der Equal Pay Day ist also nicht nur eine Erinnerung an die unterschiedliche Bezahlung von Mann und Frau. Er erinnert auch daran, dass der Gehalt von Familienpolitik von Gehältern abhängt. Nicht Frauen müssen ihre Berufswahl ändern, sondern ihre Jobs müssen besser bezahlt werden“ Auszug aus: Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH und Co. KG. „DIE ZEIT – Nr. 13, 17.03.2016.“

Dialoge, die die Welt nicht braucht, aber immer wieder heraus posaunt

geduldige Frau

Pünktlich zum Jahresabschluss befand ich mich da, wo es viele andere Menschen ebenfalls hinzog: Im Supermarkt meines Vertrauens. Genauer: Am Leergutautomaten. Mal ganz davon abgesehen, dass sich hier Studien über das Trink- und Sortierverhalten der Mitmenschen anfertigen ließe, wird man gezwungenermaßen hin und wieder Zuschauer eines Kammerspiels. Manchmal auch eines Trauerspiels (Melodram, Drama, Komödie, Thriller….) je nach dem zu welcher Uhrzeit man sich anstellte oder wer vor einem stand. Welche Bewertung man der gebotenen Vorstellung zukommen lässt, hängt entscheidend von der eigenen Befindlichkeit und dem Zeitmanagement ab, dem man unterliegt. In meinem Fall waren beide Ausgangslagen perfekt. Ich hatte Zeit und war guter Laune. Aus diesem Grund blickte ich dem vor mir stattfindenden Trauerspiel gelassen entgegen. Vorhang auf:
Eine Familie geht Einkaufen
Sie: Ende zwanzig, hübsch, sportlich elegant gekleidet, gepflegte Erscheinung.
Er: Mitte dreißig, Hemd, Jacket, Brille (Horn=intellektuell), gepflegte Erscheinung.
Die Kinder: ca. 3 und fünf Jahre alt, entzückend.
Szene: Vor dem Leergutautomaten. Der Einkaufswagen ist mit Leergutkisten (Wasserflaschen aus Glas) gefüllt. Jemand mit viel Geschick hat es geschafft mehrere Kisten übereinander zu stapeln. Erstaunlicherweise passt noch ein Kind zwischen Kistenturm und Wagenrand. Das andere Kind steht auf einer Ablage des gleichen Einkaufswagens, die Nase über den Griff geschoben. Dich neben der Kindernase befinden sich die Hände der Mutter, die, nicht ohne Mühe, das Fahrzeug Richtung Leergutautomaten bewegt. Angeführt wird die Prozession durch den Mann, der hilfreich den Weg weist. Dabei hat er beide Hände frei, schließlich hat er an der Verantwortung für das Leergut genug zu tragen. Vielleicht ist das der Grund für seinen genervten Gesichtsausdruck. Er ist vor seiner Frau am Automaten. Als auch sie den Automaten erreicht, übernimmt der Herr das Geschehen. Er nimmt jede Flasche einzeln aus der Kiste und schiebt sie in den Automaten. Bei der neunten passiert es:
Er (hält seiner Frau die Wasserflasche vor das Gesicht. Es ist deutlich sichtbar, es ist noch ca. ein Drittel Wasser in der Falsche): Wie kann das denn schon wieder passieren?
Sie (zuck die Schultern).
Er (schüttelt den Kopf): Was das für eine Verschwendung ist! Da musst Du besser aufpassen!
Sie: Das kann doch mal passieren….
Er: Ja, ja. Das kann mal passieren…..
Dann drückt er auf den Automaten und der Bon kommt heraus.
Sie (genervter Gesichtsausdruck): Warum drückst Du denn den Bon aus? Wir haben doch noch Kisten?!
Er (hebt eine Augenbraue und greift in den Wagen. Er hält eine noch eingepackte Kinderstrumpfhose hoch): Was ist das denn?
Sie: Keine Ahnung.
Er: Wo kommt die her?
Sie: Von mir jedenfalls nicht!
Er: Aber die muss doch irgendwie in den Wagen gekommen sein!
Sie: Ich habe sie nicht eingepackt!
Er schnaubt verächtlich und wendet sich den Flaschen zu, die einzeln im Automaten verschwinden. Sie wendet sich den Kindern zu
In Sorge um meine positive Gemütsverfassung verließ ich das Schauspiel. Ich wollte ihnen zurufen: Das Leben ist zu kurz für so etwas und im nächsten Jahr kann alles ganz anders werden….Aber: Das wäre im Fall der beiden wahrscheinlich gelogen.

Ein neuer Tachelespodcast: Alternative Lebensmodelle vs. tradiertes Rollenmodell und die AFD

Podcast

Immer noch steht das traditionelle Familienmodell (Vater, Mutter, Kind) hoch im Kurs. Teils bedingt durch rechte konservative Strömungen, die allenthalben zu beobachten sind, teils aus einem Mangel an Handlungsalternativen.

Nicht zu verkennen sind jedoch gerade die Gefahren für Frauen, die dieses Modell in sich birgt.

Hier sei nur die Abhängigkeit der Frau (personale Ebene) vom Mann zu nennen bzw. die Arbeitsressource, die dem Staat und somit der Gesellschaft nicht zur Verfügung steht (gesellschaftliche Ebene). Nicht selten sind es gerade junge Frauen, die Hartz IV Empfängerinnen sind, am unteren Existenzminimum leben und die komplette Wucht einer gescheiterten Illusion von heilem Familienmodell schultern müssen. Außerdem verdienen Frauen im Durchschnitt immer noch 23% weniger als ihre männlichen Kollegen.

Aber welche Handlungsalternativen hat Frau?  Welche Rollenmodelle gibt es sonst noch neben dem tradierten Modell?

Dies beleuchtet Frau Dings wie immer sehr sachkundig und untermauert die einzelnen Lebensformen deutschen Zusammenlebens (oder NICHTZUSAMMENLEBENS)  mit Beispielen und Zahlen.

Nur so viel sei an dieser Stelle bereits verraten: Das Bild der einsamen Singlefrau, die sich ständig und umfassend nach einem Partner sehnt, ist oft nur eine Werbestrategie der führenden Partnerbörsen um Bedarfe zu wecken. Die Singlefrau ist oft erfüllt von Aufgaben, Kontakten, einem bunten Leben und eigener Verwirklichung.

Bei diesem bunten Leben bedarf es keiner Verbiegung für einen Mann und dessen oft einseitigen Bedürfnissen.

Herr Bumms beschäftigt sich auch mit dem Phänomen des Singles. Single im Sinne der Alleinstehenden. Wobei hier nicht der Beziehungsstatus der Frauke Petrys gemeint ist, sondern der Hoffnung geschuldet ist, dass diese mit ihrer Meinung lange alleine stehen bleibt und diese nicht in soziale Bindungen überführt wird.

Aufreger war für Herrn Bumss die Sendung „Hart aber Fair“ mit Herrn Plasberg. Eigentlich nicht mit Herrn Plasberg sondern vielmehr ausschließlich mit Frau Petry, die diese Sendung wie eine Partnerbörse für verirrte Geister zu nutzen wusste.

Anhand einer rhetorischen Aufarbeitung von Falk Heunemann zeigt Herr Bumms die teils perfiden Strategien der AfD auf, Menschen für einfache Lösungen, komplexer Probleme zu begeistern, die entweder nur in die Sackgasse oder aber in die Katastrophe führen können.

Bei diesem in jeder Hinsicht großen Spannungsfeldes entlassen wir euch jetzt in eine spannende Sendung. Wir wünschen euch viel Spaß beim Hören.

Frau Dings und Herr Bumms.