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Für alle, die ihr Fahrrad lieben

… und es lieben, damit zu fahren.

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Nicht alles muss bleiben wie es ist

Fahrrad

Beim Gespräch mit einem guten Freund sind wir auf das Thema Automechaniker, Fahrradhändler und die Spezies Mensch, die einem im Bereich Medien mit ihrer Beratungskompetenz das Leben bereichern, gekommen. Mein guter Freund beschwerte sich über folgendes: Trifft Mann auf einen von ihnen, so laufe sofort dieses Männerding ab. Auf meinen fragenden Blick hin erläuterte er mir, dass es dabei um die Darstellung der größeren Kompetenz ginge. Diese gilt es möglichst schnell auf möglichst vielen Gebieten zur Schau zu stellen. Die Strategien dazu können vielfältig sein. Im schlimmsten Fall wird versucht die eigene Kompetenz zu demonstrieren, indem man dem Gegenüber jegliche Kompetenz abspricht. In der Tierwelt wird in diesem Fall geschaut, wer am lautesten auf der Brust herum trommelt, die buschigste Mähne hat oder das schillerndste Gefieder, um damit möglichst hektisch im Kreis zu laufen, was beispielsweise Größe demonstrieren soll. Dass das weibliche Pendent in der Tierwelt dazu vor Ehrfurcht auf die Knie sinkt, soll hier nicht unerwähnt bleiben, spielt für unsere Geschichte jedoch keine Rolle. Was ich aus unserem Gespräch schloss war: Eine Männerdomäne wie z. B. eine Autowerkstatt oder einen Fahrradladen (von Läden mit elektronischen Medien aller Art mal ganz zu schweigen) zu betreten, kann für Mann und Frau gleichermaßen unerfreulich sein.
Sofort hatte ich ein längst verdrängtes Erlebnis vor Augen, das ich meinem guten Freund erzählte: Vor ungefähr 25 Jahre führte mich ein kaputtes Fahrradventil in einen Fahrradladen. Bevor ich dort ankam, bat mich mein damaliger Freund ihm einen Schlauchreifen für sein Fahrrad mitzubringen. Für alle, die es nicht wissen: Es gibt Rennräder, die weder Schlauch noch Mantel haben, sondern eine Kombination aus beiden. Diese wird auf eine spezielle Felge geklebt. In besagtem Fahrradladen verlangte ich einen dieser Modelle – wohlweislich hatte ich alle technischen Daten dabei. Womit ich nicht gerechnet hatte war, dass der entrüstete Fahrradhändler sich standhaft weigerte mir einen Schlauchreifen zu verkaufen, weil er von mir wissen wollte, ob ich denn nun einen Schlauch oder einen Mantel wolle. Meinen Wunsch nach einem Schlauchreifen wiederholend, schaute er mich wie ein kleines Kind an, dem er den Unterschied zwischen rot und blau erklären musste. Er redet langsam und sehr deutlich: „Junge Frau. Sie müssen mir schon sagen was sie wollen. Einen Schlauch oder einen Mantel. Wissen sie, das da ist ein Mantel (er zeigte auf ein Modell in seinem Laden) und das ist ein Schlauch“, was er wieder durch einen Fingerzeig demonstrierte. Brav wiederholte ich meinen Wunsch und stellte sicher, dass ich den Unterschied zwischen Schlauch und Mantel kenne, aber einen Schlauchreifen benötigte. Der Mann wurde ungehalten, fast laut. Als er zum dritten Mal die Augen verdrehte, als ich ihm mitteilte, was ich wollte, zweifelte ich an mir und meiner sprachlichen Kompetenz. Ich begann meinen Wunsch zu konkretisieren und beschrieb die Felge, bei der besagter Schlauchreifen aufgeklebt werden müsse…. Plötzlich funkelte er mich böse an, unterbrach meinen Erklärungsversuch und meckerte: „Das hätten Sie auch gleich sagen können, dass sie einen Schlauchreifen wollen!“ Dann trabte er ins Hinterzimmer und kam mit einem Schlauchreifen wieder. Ich muss an dieser Stelle sicher nicht erwähnen, dass ich diesen Händler niemals wieder gesehen habe.
Nachdem ich meine Geschichte beendet hatte, erzählte mein guter Freund sein Jahre zurückliegendes Erlebnis mit der Wegfahrsperre seines neuen Wagens, die er nicht kannte und die sein Auto ungefragt in die Beziehung zu ihm mitgebracht hatte. Der Autohändler reagierte auf sein Nachfragen, warum denn das neu bei ihm erworbene Auto nicht anspringen wolle, folgendermaßen: „Wie lange haben Sie denn den Führerschein? Das sollte Mann ja wohl wissen und für sowas würde Mann (als ob Frau es im gleichen Fall besser erginge) ja wohl nicht anrufen“. Nachdem so alle Kompetenzen vermeintlich geklärt waren, erklärte er die Wegfahrsperre.
Mein Freund und ich atmeten auf, denn wir leben im Hier und Jetzt. Die Geschichten gehörten der Vergangenheit an. Der Fahrradhändler meines Vertrauens hat mir neulich ungefragt meinen Fahrradkorb mit der von mir gekauften Halterung befestigt. Mit einem Lächeln und den Worten: Das gehöre zum Service (NICHT, weil ich zu inkompetent aussehe oder Frau oder Mann bin). Mein guter Freund hat mittlerweile einen Automechaniker, der ihn wie einen Menschen behandelt und nicht als Mann oder Frau! Schön, wenn sich Dinge ändern.