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Tide-Liebe

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Es gibt Heisse-Liebe, Kalte-Liebe, Verflossene-Liebe, Neue-Liebe, Alte Liebe, die Liebe zum Detail, Hass-Liebe, Ewigeliebe, Eigen-Liebe, Große-Liebe, Vor-Liebe, Erste-Liebe, Wahre Liebe und Ware Liebe….und die Tide-Liebe.

Diese Tide-Liebe beschreibt meine persönliche Liebe zur Nordsee, welche  über die Meeres-Liebe hinaus. Da sie das Watt, Wind, Wetter, Grasstrände, Grasdünen und die Gezeiten mit einschließt.

Um die letzten Tage, Stunden und Minuten der zu vergehen drohenden Ferien besonders genießen zu können, gab ich der Tide-Liebe nach und presste das Schönste und Beste aus der verbleibenden Ferienzeit heraus: Ich verbrachte sie am Wattenmeer!

Heraus kam: Ruhe, Fahrradtouren, Zeit zum schreiben und Zeichnen…

Aber seht selbst, in Bildern sieht das so aus:

 

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So sieht sie aus, die Wattenmeerelfe!

Wattenmeerelfe Deich

Das Schreiben meines Kinderbuchs neigt sich langsam dem Ende entgegen. Da hat es etwas mit den Sommerferien gemein. Ich befürchte, dass die Ferien schneller beendet sein werden, als mein Kinderbuch. Trotzdem wird es Zeit sich um die Illustration der Geschichte zu kümmern. Habe ich gemacht: So sieht sie letztendlich aus – die Wattenmeerelfe. Und wer genau hinguckt, kann im Hintergrund den Leuchtturm von Forum sehen. Womit auch klar wäre, wo die Geschichte spielt: An der ostfriesischen Nordsee – wo sonst sollten Wattenmeerelfen leben?

Wetterumschwung

HerbstDeich

Der Sommer neigte sich dem Ende entgegen. Mit ihm die Zeit der Strandkörbe am Meer. Natürlich wussten die Elfen, dass sie in die Deichhöhlen zurück mussten, sehr zu ihrem Missfallen. Der Sommer war dahin gegangen, ohne dass es eine annehmbare Verbesserung der Wohnsituation gegebene hätte. Was ebenfalls Missmut verbreitete war die Tatsache, dass viele Familien kleiner geworden waren. Viele Wattenmeerelfen hatte den Deich verlassen, um ihr Glück in der Ferne zu suchen. Die Daheimgebliebenen waren traurig. Wer weiß ob die Elfen jemals den Weg zurück finden würden?
 
Einer der letzten Sonnenuntergänge wurde von den Elfen im Kollektiv bestaunt. Sie saßen zusammen auf der Deichkuppe und schauten der Sonne beim Untergehen zu. Ihre Gummistiefel erschienen in der dunklen Abendsonne in goldigem Gelb. Die Wattenmeerelfen waren sich einig: So konnte es nicht weiter gehen. Dass sie nun in ihre Höhlen zurück mussten, das war nicht schön. Aber der Fortgang so vieler Elfen aus der Heimat: Das war nicht zu ertragen. Es musste etwas passieren! Der Minister für Elfenkunde würde kontaktiert werden müssen. Es musste endlich eine Lösung gefunden werden. Sie würden den Minister daran erinnern, dass es Zeit wurde für die Elfen einzutreten und nicht nur die Kosten für eine flächendeckende Strandkorbversorgung zu prüfen. Es sollten endlich genügend aufgestellt werden! Dann könnten alle Elfen am Deich bleiben. Was machte der Minister eigentlich den lieben langen Tag? Bisher waren sie ihm dankbar gewesen. Er hatte sie immerhin vor den Menschen bewahrt. Wenn bekannt geworden wäre, dass es Wattenmeerelfen gab, wer weiß, wie die Menschheit diese Neuigkeit aufgenommen hätte? Dass ihm niemand Glauben schenkte, war ebenfalls eine große Sorge des Ministers gewesen. Der Verlust seines Ministerpostens wäre daran das kleinste Übel gewesen. So war es dabei geblieben: Er allein wusste um die Wattenmeerelfen. Die Elfen hatten sich verpflichtet, den Menschen aus dem Weg zu gehen. Das war nicht schwer. Die Menschen hatten sie noch nie wahrgenommen. Selbst, wenn sich beide direkt gegenüber standen. Der Mensch sah nur das, was er sich erlaubte zu sehen.
 
Früher, bevor das Ministerium die Wattelfen mit Grundnahrungsmitteln versorgte, waren die Elfen, die für die Nahrungsbeschaffung zuständig waren, in ortsnahe Supermärkte gegangen und hatten sich mit Lebensmitteln versorgt. Sie hatten sich die Waren einfach aus dem Regal genommen. Wenn jetzt jemand behauptete, dass sie klauten, dann war das völlig richtig. Bei den winzigen Mengen, die sie benötigten, war das jedoch kein zu großes Problem. Obwohl viele Menschen sie dabei hätten beobachten können, blieben die Elfen unsichtbar. Nur von Kinder wurden sie hin und wieder entdeckt. Die blieben fasziniert stehen und starrten die Elfen ungläubig an. Sobald die Elfe sich den Zeigefinger vor den Mund hielt um dem Kind zu signalisieren, dass es Schweigen sollte, taten dies die Kinder. Als wollten sie die Elfen mit niemanden teilen und als wüssten sie, dass es für die Wattelfen schlecht ausgehen sollte, würden sie entdeckt. Vielleicht ahnten die Kinder instinktiv, dass ihnen niemand glauben würde.

 

Ivi auf Reisen: Im Sockenfach

Sockenfach

Etwas hatte sie aus dem Schlaf gerüttelt. Als sie die Augen mit einem kleinen Blinzeln öffnete, blendete sie die helle Sonne. Es war noch früh am Morgen. Sofort kam die Erinnerung zurück: Sie war noch immer am Deich! Ivi schüttelte sich und ballte die kleinen Fäuste. Immer und immer wieder der Deich mit seiner Ebbe und Flut. Sie mochte sie einfach nicht mehr sehen und fühlte die gleiche Wut wie am Vorabend in sich aufsteigen. Als Ivi sich umschaute, erinnerte sie sich: Gestern hatte sie Zuflucht in einem Zelt gefunden. Weich und kuschelig war die Höhle gewesen, in der sie geschlafen hatte. Nun erkannte die Wattenmeerelfe, dass sie in der Seitentasche eines Trollis gelandet war. Es waren viele bunte frische Kindersocken darin, die ihr eine gute Nacht beschert hatten. Die Elfe hatte so gut geschlafen, wie seit langem nicht. Hatte sie es doch gewusst: Im Trocknen sein, war einfach viel besser.
 
Ratlos thronte Ivi auf dem obersten Strumpf und überlegte, was zu tun sei. Sollte sie wieder zurück zum Dorumer Deich? Oder hier bleiben und eine neue Deichhöhle suchen? Sie erinnerte sich an den kleinen Leuchtturm. Vielleicht bot der auch eine Unterkunft für so eine kleine Elfe wie sie? Den Gedanken weiter zu ziehen, um etwas ganz anderes zu finden, hatte sie am gestrigen Abend verworfen. Sie war bereit die große Sehnsucht nach einem Leben ohne Watt und Deich aufzugeben. Vielleicht sollte es so sein: Wattenmeerelfen gehören nun mal ins Watt! Das hatte sie früher schon immer zu hören bekommen. Damals war in ihr die Gewissheit gewachsen, dass wenn man nur diese Gummistiefel und das Watt los wäre, dann könne auch das schöne Leben beginnen. Mit dieser Meinung hatte sie ziemlich alleine dagestanden. Die anderen Elfen verstanden das nicht, schließlich liebten sie das Meer mit seinen Gezeiten und den dazugehörigen Gummistiefeln. Ivi wollte etwas anderes, aber das andere sie offenbar nicht. Sie seufzte und spürte, dass sie hungrig wurde. Aber es kam nicht mehr dazu, dass sie aus ihrem Sockenfach klettern konnte. Mit einer schnellen Bewegung schloss jemand den Reißverschluss des Trollis. Um Ivi herum wurde es dunkel. Dann wurde sie ein paar mal hin und her geschleudert. Die weichen Socken verhinderten glücklicherweise Verletzungen. Mit dem lauten Knallen einer Tür war das Geschaukel beendet. Da saß sie nun. Hungrig und ängstlich in ihrem dunklen Sockenfach. Was würde nun passieren? Plötzlich wünschte sie sich, sie wäre wie alle anderen Wattenmeerelfen. Dann würde sie jetzt auf die Flut warten und sich des Lebens freuen. Stattdessen steckte sie in einem Kindertrolli fest. 
 
Während die Wattelfe zwischen den Socken saß, fuhr das Auto, in dessen Kofferraum der Trolli lag, in Richtung Bundesstraße. Ivi konnte nicht hören, wie sich die Frau und das Kind im Auto über die bevorstehende Reise austauschten. Dass sie sehr lange unterwegs sein würden, erfuhr Ivi erst später.

Mehr Meer!

Sie hatte es satt, das Watt! Sie hatte noch nie verstehen können, dass alle anderen Wattenmeerelfen verrückt nach Schlick und Salzwasser zu sein schienen. Offenbar war sie die einzige Elfe weit und breit, die gerne auf das Watt verzichtet hätte. Gegen das Meer war ja nichts einzuwenden. Damit konnte sie leben, wenn es sich mal blicken ließ, das Meer. Sie mochte das Rauschen und Wellen waren ebenfalls ganz wunderbar. Aber warum sollte man in dunklen feuchten Deichhöhlen leben wollen? Schon als kleine Elfe hatte sich jeder ihrer Gedanken darum gedreht, wie es sich wohl im Trocknen leben ließe. OHNE diese blöden Gummistiefel.

Sie hatte sich auf den Weg gemacht, um ihr Glück weit weg von den Dorumer Deichhöhlen zu finden. Weit war sie nicht gekommen. Auch wenn ihre Fahrt in der Fahrradtasche insgesamt sehr komfortabel gewesen war. Als das Rad endlich stand und die Elfe aus der Tasche geklettert war, musste sie feststellen, dass das Watt noch immer direkt vor ihrer Nase war. Erst hatte sie gedacht, dass sie im Kreis gefahren war. Ein Blick auf den Leuchtturm verriet ihr jedoch, dass es nicht mehr der Dorumer Deich war, auf dem sie stand. Sie hatte es bis in den Nachbarort geschafft.
Leuchtturm_Wremen
Was für ein Mist! Wer weiß, vielleicht bestand die ganze Welt aus Deichen und sie würde nie einen Weg finden irgendwann einmal ins Trockene zu kommen?
Ziemlich frustriert tappte die kleine enttäuschte Wattelfe am Deich entlang und war bereit sich ihrem Schicksal zu ergeben. Dann würde sie eben am Deich bleiben, egal an welchem. Ebbe und Flut würden ihr Leben bestimmen, so wie es sich für eine Elfe vom Watt gehörte. Sie war zu müde, um weitere Pläne zu schmieden. Es musste ein Schlafplatz her. Als sie das aufgestellte Zelt auf dem Deich entdeckte, überlegte sie nicht lange. Sie krabbelte hinein und rollte sich auf einer weichen Unterlage zusammen. So kuschelig weich hatte sie noch nie gelegen! Aber darüber nachdenken ging nicht, denn sie war sofort eingeschlafen.
Obwohl die kleine Wattenmeerelfe Ivi dachte am Ende ihrer Reise angekommen zu sein, sollte sie jetzt erst richtig losgehen. Aber das ahnte sie in diesem Moment noch nicht.