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Die ehrliche Art zu reisen

Nachdem ich vor kurzem auf der A2 im Stau stecken geblieben und nächtlich in Petershagen Not-Schlafen musste, (in der RAD-STATION, kann ich nur empfehlen, hier empfängt ein freundliches Päärchen auch noch nachts um 23.30 Uhr herzlich, selbst wenn man nicht gebucht hat), wollte ich heute alles besser machen. Ich entschied mich für das Fahren mit der Bahn. Frohen Mutes kaufte ich gestern eine Fahrkarte, um heute morgen am Bahnhof zu entdecken, dass mein Zug ersatzlos gestrichen war. Was tun? Der Zug danach sollte auch nicht fahren. Die Deutsche Bahn ist gebeutelt – technische Störungen, Störungen im Betriebsablauf – alles auf einmal und alles an einem Morgen. Irgendwie habe ich es doch bis Hannover geschafft. Meinen Anschlusszug natürlich nicht.

Da ich nun schon viele Jahre immer wieder Bus, Bahn und Auto teste, mehr oder minder erfolgreich, komme ich heute zu dem Schluss: Es gibt nur EINE Art zu reisen. Auf eigenen Füßen!

Denn wenn Du willst, dass etwas funktioniert, mach es selbst.

(Aus: Das fünfte Element)

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Kennwort: Häschen (Ein Tipp für Menschen mit Kontaktwunsch)

Häschen

Bei meinem letzten Ausflug zum heimischen Bahnhof war ich im Auftrag unterwegs. Der lautete: „Zwei junge Damen (19 Jahre) abholen“, die zur Geburtstagsfeier meiner Tochter geladen waren. Da ich beide nicht kannte, schlug das Geburtstagskind ein Kennwort vor. Häschen! Dieses Kennwort sollte ich laut rufen, wenn ich den Bahnsteig nach den Damen absuchen sollte. Die Idee dahinter war klar und hilfreich: Beide würde sofort wissen, dass ich diejenige bin, die sie zur besagten Feier transportieren sollte.

Da es nicht meine Art ist laut „Häschen“ rufend den Bahnsteig suchend abzuschreiten, entschied ich mich für die geräuscharme Variante. Ich schrieb das Kennwort: Häschen auf ein Din A4 Papier und machte mich auf den Weg.

Der Zug fuhr ein und ich hielt mein Schild hoch. Im Nu trat mir ein, sich von seiner Fangemeinde lösende Schalke Fan, entgegen. Er strahlte mich an und sagte: „Ich bin Dein Häschen!“

Um es kurz zu machen: Es brauchte etwas Überredungskunst, bis ich ihn davon überzeugen konnte, dass ich zwei andere Häschen im Visier hatte. Auf dem Parkplatz erinnerte er mich noch mal daran, dass auch er ein Häschen sei oder zumindest sein könne.

Also: Falls mal jemand Kontakt sucht, einfach Häschen auf ein Schild malen und sich damit an den ortsansässigen Bahnhof stellen – ich bin sicher, danach hat man neue Leute kennengelernt. Eine Steigerung: Den Vorgang am Bahnhof einer Großstadt (Köln, Düsseldorf, Hannover, Hamburg, München…) wiederholen.

Wenn das nicht hilft, dann weiß ich auch nicht weiter!

Ein Zug der Notfälle

DB 0815

Dies ist ein Beitrag zur Deutschen Bundesbahn. Natürlich erwartet der deutsche bundesbahngeplagte Leser an dieser Stelle, dass es dabei um Verspätung geht. Ist auch so, allerdings nicht an erster Stelle. Wenn die Bahn mal pünktlich sein sollte, dann wird das DER Blogeintrag. Versprochen. Aber das wird sicher erst der Fall sei, wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen werden. Hier geht es nun nicht darum, dass ich mit einer satten Verspätung von 90 Minuten meinen Zielort erreichte. Es geht darum, dass mein Zug auf einem Bahnsteig halten musste, weil im nächsten Ort unser Gleis gesperrt war. es gab einen Notfall, der eines Notarztes bedarf. Wir standen irgendwo im nirgendwo, während anderswo ein Mensch gerettet wurde. Vielleicht. Vielleicht wurden aber auch nur seine Überreste zusammen getragen. Meiner Meinung ist das wahrscheinlicher. Steigt schließlich statistisch gesehen die Anzahl der Selbsttötungen in der dunklen Jahreszeit um ein Vielfaches. Jetzt könnte man annehmen, dass es sich mit neuen Medien ausgestattet und mit Hilfe des angepriesenen freien WLAN im Zug ein wenig die Zeit vertreiben ließe. Wenn es denn nicht nur angepriesen, sondern auch funktionieren würde. Entschuldigung, wie dumm von mir. Ich befinde mich in einem Zug der deutschen Bundesbahn, wie kann ich anehmen das zu bekommen, was angeboten wird? Schließlich kommen die Züge nicht an wann sie sollen. Sie haben nicht die Wagen, in denen man Sitze reserviert hat und man kann von Glück sagen, wenn der Zug, den man gebucht hat, nicht ersatzlos gestrichen wurde. Ist mir leider auch schon mehr als einmal passiert. Aber das ist eine andere Geschichte. In Anbetracht des Grundes für die Verspätung ist das alles aber vielleicht auch nicht so wichtig, wie es mir in diesem Moment vorkam.

In der aktuellen Geschichte ging es, nachdem wir vom netten Zugbegleiter mit einem Wässerchen und einer Minitüte Knappergebäck versorgt worden waren, weiter. Ein Aufatmen und Raunen ging durch die Reihen der Reisegäste. Nicht lange, denn dann kam die Durchsage des Zugbegleiters: „Liebe Fahrgäste, falls sich unter ihnen ein Rettungssanitäter oder Arzt befindet, so kommen Sie bitte in Wagennummer 25. Sie werden hier dringend benötigt!“ Offenbar tummeln sich in der deutschen Bundesbahn die Notfälle. Vielleicht ist sie selbst ja auch….?!

Ich habe versucht das angespannte Verhälnis zwischen mir und der Bundesbahn nicht weiter zu belasten, indem ich nur in absoluten Notfällen mit der Bahn reise. Es beschränkt sich mittlerweile auf höchstens zwei Reisen im Jahr. Ich hatte die Hoffnung, dass ich so den Widrigkeiten entgehe. Wer wenig fährt, hat vielleicht Glück und kommt mal ohne Schwierigkeiten ans Ziel. Leider geht meine Rechnung keineswegs auf. Die Bahn ist mittlerweile ein Ausbund an Unzuverlässigkeit, das völlig überteuert ist. An dieser Stelle muss ich nun feststellen:

Liebe DB, ab hier trennen sich unsere Wege. Auf Nimmerwiedersehen. Es war nicht schön mit Dir und Du kannst mich mal. Ab heute werde ich Dir den Rücken kehren und alle anderen Verkehrsmöglichkeiten in Anspruch nehmen. Such Dir jemand anderen, den Du ausbeuten und verklapsen kannst.

Nachtrag Logbuch letzte Fahrt mit der Bahn:

„Liebe Fahrgäste, auch wenn wir aktuell 15 Minuten Verspätung haben, wird der Anschluss-ICE 0815 nach irgendwo (Entfernung: 370 Kilometer – Anmerkung der Autorin) auf Sie warten. Bitte beeilen Sie sich beim Umsteigen. Vielen Dank!“ So weit, so gut. Keine zwei Minuten später dann: „Liebe Fahrgäste, aus aktuellem Anlass kann nun der ICE 0815 nach irgendwo doch nicht warten. Leider war dies die letzte Reisemöglichkeit nach irgendwo. Bitte wenden Sie sich im Bahnhof an den Servicepoint. Dort wird ihnen mit einer Busverbindung oder mit einem Gutschein für ein Hotel weitergeholfen. Vielen Dank für Ihre Reise mit der Bahn!“ … ohne Worte

Jeden Morgen auf dem Bahnsteig

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Dies könnte ein Bericht über die Deutsche Bundesbahn werden. Darüber, dass eine Frau jeden Morgen mindestens fünf zusätzliche Minuten am Bahnsteig zubringen musste, bis der ersehnte Zug den Weg in den Bahnhof gefunden hatte. Nicht, dass er sich verlaufen hätte. Er war nur zu langsam. Aber da sich schon so viele Menschen über die Bahn im Allgemeinen und im Besonderen ausgelassen haben, erspare ich dem Leser an dieser Stelle eine weitere Litanei über die Unzulänglichkeiten der DB. Jedoch drängt sich die Frage in den Vordergrund, was das mit den Menschen macht, die täglich ihre Lebenszeit auf dem Bahnsteig vergeuden? Täglich fünf Minuten. In einer Woche kam da eine knappe halbe Stunde zusammen. In einem Monat…aber lassen wir die Erbsenzählerei. Ich will ja niemanden ins Unglück stürzen.
Jeden Morgen standen also die selben Menschen zusammen am gleichen Ort. Da wurde geguckt, gewartet, gehofft, gegähnt, getrunken und gearbeitet. Da war zum Beispiel diese Frau. Es war deutlich zu beobachten, dass sie ihn täglich beobachtete, den Mann, der sich immer genau hinter sie stellte. Egal auf welchem Abschnitt sie sich am Gleis stellte, er stand stramm hinter ihr. Verstohlen musterte sie ihn aus dem Augenwinkel. Das allein war schon eine Herausforderung, schließlich stand er direkt hinter ihr. Ein Chamäleon hätte es dabei wesentlich leichter gehabt als sie. Die zusätzlichen fünf Minuten, die das Unternehmen Zukunft den Reisenden jeden Morgen schenkte (wahrscheinlich von Herzen und völlig selbstlos!) wurden von ihr genutzt, ihm immer wieder Blicke zu zuwerfen. Allerdings prallten sie allmorgendlich an ihm ab.
Diese Frau hatte in der Vergangenheit schon oft versucht mit ihm Blickkontakt aufzunehmen. Er sah eigentlich sehr nett aus. Nur war seine Miene undurchdringlich. Vielleicht war er ein Morgenmuffel? Vielleicht war er gedanklich schon mit seiner Arbeit beschäftigt? Sie hatte versucht sich vorzustellen, was er arbeitete. Vielleicht war er Architekt? Nein, sie entschied sich für Lehrer. Schuld daran war die Tasche, die er immer bei sich trug. Das war eine große braune Ledertasche zum umhängen, die schwer aussah. Bestimmt war das gesamte Wissen der Menschheit in dieser Tasche und der arme Mann schleppte schwer daran. Morgens nahm er das Wissen mit, um es über seinen Schülern auszuschütten und nachmittags musste er es unverrichteter Dinge wieder mit zurück nehmen. Schüler konnten teilweise ja recht ablehnend sein, wenn es um Wissen ging. Kein Wunder, dass sein Blick düster war. Wer wollte schon jeden Tag das gleiche Wissen von A nach B und wieder zurück schleppen? Manchmal wurde die Frau jedoch von ihren Gedanken abgelenkt und der Mann hinter ihr geriet kurzzeitig in Vergessenheit. Das war, wenn das junge Mädchen mit den viel zu hohen Schuhen an der Frau vorbei stöckelte. Dann war sie in Alarmbereitschaft. Jeden gestelzten und vorsichtigen Schritt beobachtete sie und war sich sicher, dass ihr Kurs in Erster Hilfe von Nöten sein würde, wenn die junge Frau die Balance verlieren würde. Wer wusste schon wann die Schuhe der armen Frau sie von den eigenen Füßen reißen würde? Dann würde ihr jemand zur Seite stehen müssen, um sie im wahrsten Sinne des Wortes wieder aufzurichten.
Ansonsten wiederholte sich jeden Morgen die gleiche Szene: Der Mann stellte sich hinter die Frau. Sie versuchte Blickkontakt aufzunehmen. Die Durchsage, dass die Bahn heute (HEUTE!!!) fünf Minuten später eintreffen sollte, rundete das Geschehen ab. Der Mann, der dem Blick der Frau auswich. Ein Fünf-Minuten-Kurzdrama in vier Akten. Jeden Morgen kostenlos die gleiche Vorstellung. Gestern jedoch nicht! Zu meiner großen Überraschung kam gestern alles anders. Nein, die Bahn war nicht pünktlich! Wo kämen wir denn da hin!? Es passierte etwas anderes: Der Mann hatte zurück gelächelt! Das erste Mal hatte er das Lächeln der Frau erwidert. Zaghaft, aber immerhin! Ich kam mir vor wie im Improvisationstheater und wollte dem Mann zurufen: „Weiter so, das sieht gut aus, nur noch ein wenig mehr!“ Aber da es ansonsten still auf dem Bahnsteig war, wäre das eventuell übertrieben gewesen. Und die Frau? Sie hatte zurückgelächelt. Der Anfang war gemacht. Mit ein wenig Übung könnte aus den beiden strahlendste Lächler werden. Vielleicht sollte ich sie das nächste Mal doch anfeuern? Wenn die Bahn weiterhin täglich fünf Minuten verschenkte, bliebe ja dafür genügend Zeit.