Schlagwort-Archive: Begegnung

Schneemobil

Im Schnee gestrandet…

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Beim Arzt

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Wer kennt nicht das Ausharren im Wartezimmer einer Arztpraxis. Dabei hört man so Einiges. Ob man will oder nicht. So auch folgenden Dialog:

Frau: „Ich hätte gern einen Termin. Ich war noch nie hier.“

Arzthelferin: „In Ordnung.“

Frau: „Ich habe einen Waschzwang, also ich wasch mich auch regelmäßig.“

Arzthelferin: „Das ist gut. Nächste Woche Mittwoch um 16 Uhr!“

Im Zug: Denkt jeder an sich, ist an alle gedacht!

Berlin

„Entschuldigung, gehört Ihnen die Tasche dort oben in der Gepäckablage?“
„Ja!“
„Wäre es möglich, dass ich diese ein wenig beiseite schiebe? Meine Tasche passt sonst nicht oben in die Gepäckablage.“
„Nein, wir finden unsere Tasche ansonsten nicht wieder.“
Der junge Mann, der das ältere Ehepaar so höflich gefragt hatte, steht ratlos im Gang. In der einen Hand einen großen Rucksack, in der anderen einen Koffer. Er schaut sich Hilfe suchend um. Die Gepäckablage ist voll. Da hat sie etwas mit dem Zug gemein. Kein Wunder, der Zug in dem sich diese Szene abspielt ist überfüllt, weil er die Passagiere eines ausgefallenen Zugs mit an den Zielort bringen muss.
Besagter junger Mann sucht nach einer Lösung. Die zwei älteren Herrschaften, die ihm verboten hatten ihren Koffer ein wenig zur Seite zu schieben, schauen dem jungen Mann ungerührt beim Suchen zu. Schließlich sagt der ältere Herr gereizt:
„Hier ist kein Platz. Meinen sie etwa, wir sitzen hier zum Spaß mit unserem großen Rucksack zwischen uns?“
Der junge Mann antwortet höflich, dass er ihnen deswegen auch keinen Vorwurf mache. Dann setzt er sich mühevoll auf den Sitzplatz vor dem Ehepaar, dass den Platz auf der Gepäckablage für sich allein haben will. Bequem ist das sicher nicht, wie er da versucht sich zwischen seinen Koffer und den Rucksack zu falten.
Dem älteren Ehepaar findet jedoch keine Ruhe. Der Rucksack zwischen ihnen stört und soll weg. Jetzt fangen sie doch an ihren eigenen Koffer hin und her zu schieben (hoffentlich finden sie ihn auch wieder!). Sie ziehen, schieben und es dauert nicht lange, bis außer ihnen noch weiterer Passagiere und der Zugbegleiter behilflich sind. Sogar der junge Mann, dem sie ihre Hilfe verweigerten steht in den Startlöchern. Vielleicht kann er auch helfen? Schließlich ist das ein älteres Ehepaar, dass sicher Hilfe braucht und damit das auch funktioniert, werden die Helfer ordentlich dirigiert. Der ältere Herr hat früher sicherlich eine leitende Funktion, er scheint geübt im kommandieren anderer Menschen, die versuchen den Koffer so weit zu verlagern, damit sich der Rucksack auch noch irgendwie dazwischen quetschen lässt.
Als der Rucksack an Ort und Stelle verstaut ist, gehen Helfer ihrer Wege. Ich höre weder ein Danke noch irgendetwas anderes Nettes aus der Richtung des Ehepaares. Was ich jedoch höre ist, wie die ältere Dame zu ihrem Mann nicht ohne giftigen Unterton sagt: „Das hätte der aber auch vorhin schon machen können, als er uns die Reservierung zeigte“. Ich nehme mal an, dass sie damit den Zugbegleiter meinte, der so nett war dem älteren Ehepaar beim Einsteigen in den Zug behilflich zu sein. Aus meiner Sicht sollten die zwei Herrschaften mit ihrem Gepäck die Plätze tauschen. Dann hätte ich jetzt angenehmere Sitznachbarn.

Nicht alles muss bleiben wie es ist

Fahrrad

Beim Gespräch mit einem guten Freund sind wir auf das Thema Automechaniker, Fahrradhändler und die Spezies Mensch, die einem im Bereich Medien mit ihrer Beratungskompetenz das Leben bereichern, gekommen. Mein guter Freund beschwerte sich über folgendes: Trifft Mann auf einen von ihnen, so laufe sofort dieses Männerding ab. Auf meinen fragenden Blick hin erläuterte er mir, dass es dabei um die Darstellung der größeren Kompetenz ginge. Diese gilt es möglichst schnell auf möglichst vielen Gebieten zur Schau zu stellen. Die Strategien dazu können vielfältig sein. Im schlimmsten Fall wird versucht die eigene Kompetenz zu demonstrieren, indem man dem Gegenüber jegliche Kompetenz abspricht. In der Tierwelt wird in diesem Fall geschaut, wer am lautesten auf der Brust herum trommelt, die buschigste Mähne hat oder das schillerndste Gefieder, um damit möglichst hektisch im Kreis zu laufen, was beispielsweise Größe demonstrieren soll. Dass das weibliche Pendent in der Tierwelt dazu vor Ehrfurcht auf die Knie sinkt, soll hier nicht unerwähnt bleiben, spielt für unsere Geschichte jedoch keine Rolle. Was ich aus unserem Gespräch schloss war: Eine Männerdomäne wie z. B. eine Autowerkstatt oder einen Fahrradladen (von Läden mit elektronischen Medien aller Art mal ganz zu schweigen) zu betreten, kann für Mann und Frau gleichermaßen unerfreulich sein.
Sofort hatte ich ein längst verdrängtes Erlebnis vor Augen, das ich meinem guten Freund erzählte: Vor ungefähr 25 Jahre führte mich ein kaputtes Fahrradventil in einen Fahrradladen. Bevor ich dort ankam, bat mich mein damaliger Freund ihm einen Schlauchreifen für sein Fahrrad mitzubringen. Für alle, die es nicht wissen: Es gibt Rennräder, die weder Schlauch noch Mantel haben, sondern eine Kombination aus beiden. Diese wird auf eine spezielle Felge geklebt. In besagtem Fahrradladen verlangte ich einen dieser Modelle – wohlweislich hatte ich alle technischen Daten dabei. Womit ich nicht gerechnet hatte war, dass der entrüstete Fahrradhändler sich standhaft weigerte mir einen Schlauchreifen zu verkaufen, weil er von mir wissen wollte, ob ich denn nun einen Schlauch oder einen Mantel wolle. Meinen Wunsch nach einem Schlauchreifen wiederholend, schaute er mich wie ein kleines Kind an, dem er den Unterschied zwischen rot und blau erklären musste. Er redet langsam und sehr deutlich: „Junge Frau. Sie müssen mir schon sagen was sie wollen. Einen Schlauch oder einen Mantel. Wissen sie, das da ist ein Mantel (er zeigte auf ein Modell in seinem Laden) und das ist ein Schlauch“, was er wieder durch einen Fingerzeig demonstrierte. Brav wiederholte ich meinen Wunsch und stellte sicher, dass ich den Unterschied zwischen Schlauch und Mantel kenne, aber einen Schlauchreifen benötigte. Der Mann wurde ungehalten, fast laut. Als er zum dritten Mal die Augen verdrehte, als ich ihm mitteilte, was ich wollte, zweifelte ich an mir und meiner sprachlichen Kompetenz. Ich begann meinen Wunsch zu konkretisieren und beschrieb die Felge, bei der besagter Schlauchreifen aufgeklebt werden müsse…. Plötzlich funkelte er mich böse an, unterbrach meinen Erklärungsversuch und meckerte: „Das hätten Sie auch gleich sagen können, dass sie einen Schlauchreifen wollen!“ Dann trabte er ins Hinterzimmer und kam mit einem Schlauchreifen wieder. Ich muss an dieser Stelle sicher nicht erwähnen, dass ich diesen Händler niemals wieder gesehen habe.
Nachdem ich meine Geschichte beendet hatte, erzählte mein guter Freund sein Jahre zurückliegendes Erlebnis mit der Wegfahrsperre seines neuen Wagens, die er nicht kannte und die sein Auto ungefragt in die Beziehung zu ihm mitgebracht hatte. Der Autohändler reagierte auf sein Nachfragen, warum denn das neu bei ihm erworbene Auto nicht anspringen wolle, folgendermaßen: „Wie lange haben Sie denn den Führerschein? Das sollte Mann ja wohl wissen und für sowas würde Mann (als ob Frau es im gleichen Fall besser erginge) ja wohl nicht anrufen“. Nachdem so alle Kompetenzen vermeintlich geklärt waren, erklärte er die Wegfahrsperre.
Mein Freund und ich atmeten auf, denn wir leben im Hier und Jetzt. Die Geschichten gehörten der Vergangenheit an. Der Fahrradhändler meines Vertrauens hat mir neulich ungefragt meinen Fahrradkorb mit der von mir gekauften Halterung befestigt. Mit einem Lächeln und den Worten: Das gehöre zum Service (NICHT, weil ich zu inkompetent aussehe oder Frau oder Mann bin). Mein guter Freund hat mittlerweile einen Automechaniker, der ihn wie einen Menschen behandelt und nicht als Mann oder Frau! Schön, wenn sich Dinge ändern.

Für die Prinzessinnen unter uns

Prinzessin

Es ist nicht leicht eine Prinzessin zu werden, aber es rückt in den Bereich des Machbaren, wie folgende Geschichte zeigt:
Die Frau stand an der Kasse beim Supermarkt ihres Vertrauens. Es war kurz vor Ladenschluss. Hinter ihr einige Kunden und vor ihr nur noch eine Frau. Die ältere Dame bemühte sich den fälligen Betrag von zweiundzwanzig Euro und achtzig Cent in ein und zwei (vielleicht auch fünf) Centstücken der Verkäuferin passend zu überreichen. Dieses Unterfangen würde dauern. Also machte die wartende Frau, was sie in vergleichbaren Situationen stets tut: Autogenes Training mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad. Das Sonnengeflecht ist warm und entspannt funktioniert im Stehen schlechter als im Liegen. Danach drei Mal bis zehn zählen! Nochmal bis zehn zählen. Zum krönenden Abschluss: Zehn Mal bis zehn zählen! Ein Blick auf das Förderband zeigte einen Betrag, der sicherlich schon die Hälfte der Kosten deckte. Die ältere Dame zählte in aller Ruhe weiter ihre Cent Stücke. Um sie in der Ruhe nicht zu stören, schließlich sollte sie sich keinesfalls verzählen, schaltete die wartende Frau ihr Hirn aus und ließ den Blick schweifen. Sie versuchte dabei so wenig wie möglich zu denken. Dennoch lässt ein Hirn sich nicht ohne weiteres komplett ausschalten, solange es Kontakt zur Außenwelt hat. Augen und Ohren sind gnadenlos. In diesem Fall fiel der Blick der Frau auf ein junges Paar an der Nebenkasse, das zu den glücklichen Kunden gehörte, die ihre Einkäufe schon einpacken durften. Die junge Frau hatte lange blonde Haare, sie war Mitte zwanzig und ihre ganze Erscheinung schrie es in die Welt, während sie lustlos ihrem Mann die Einkaufstüte aufhielt: Ich will nicht hier sein! Wo denn sonst? Egal! Aber nicht hier! Ihr ausdrucksloses Gesicht zeigte keinerlei Regung. Es war stumm und bewegungslos, wie die restliche Frau. Die Augen starr auf das Nichts des Seins fokussiert, hielt sie aus und die Tüte auf. Ihr Mann packte unbeirrt die Lebensmittel ein. Etwas ließ das Unterbewusstsein der anderen Frau an der Kasse nebenan aufhorchen und es war nicht die ältere Dame vor ihr, denn diese zählte noch immer sehr fleißig. Das Auge des Unterbewusstseins hatte sich an den Pullover der jungen Frau geheftet, die noch immer unbewegt die Einkaufstüte für ihren Mann aufhielt. Da stand in großen schwarzen Buchstaben: Eignungstest zur Prinzessin bestanden. Damit war alles klar. Prinzessinnen werden ist doch möglich. Jeder kann Prinzessin sein! Denn es sind auch nur Menschen wie Du und ich.

Wenn die Seele Migräne hat

böser Blick

Neulich sagte eine liebe Freundin eine Verabredung ab. In ihrer kurzen Nachricht stand, sie hätte Seelen-Migräne. Ich war so höflich meine neugierige Frage: „Was ist das denn?“ erst ein paar Tage später zu stellen. Erst als ich sicher war: Egal was da Migräne hat, drei Tage wird es hoffentlich nicht anhalten. Gesagt, getan: Meine Freundin sagte, sie hatte in ihrem ganzen Leben noch keine Migräne gehabt. Aber ab und an würden sich die Schatten der Vergangenheit etwas zu intensiv über sie beugen. Das seien die Tage, an denen alles in dunkles Grau getaucht würde und sie der böse Blick der Vergangenheit ins Visier nähme. Dann verliere sie den Boden unter den Füßen, panische Angst mache sich in ihr breit und sie durchlebe noch einmal Teile ihrer Kindheit, die nicht dazu beigetragen haben, dass es sich um die schönste Zeit des Lebens handelte, so wie es nach landläufiger Meinung zu sein hatte.  Das Einzige, dass ihr dann helfe sei: Ab ins Bett, Rollo herunter lassen, Tee trinken und schlafen. Irgendwann sei ihr aufgefallen, dass ihre Schwester exakt auf diese Art und Weise ihre Migräne behandelte. Damit war die Idee geboren. Meine Freundin würde diesen Zustand, der glücklicherweise selten vorkam, dafür aber umso unerfreulicher war, Seelen-Migräne nennen. Das tat sie seit dem. Schön, wenn etwas unaussprechlich Finsteres eine Bezeichnung bekommt, die von der bedrückenden Umschreibung des desolaten Imnenlebens wegführt. Meine Freundin genießt es dem „Ding“ einen Namen zu geben. Fragen von Freunden, die damit nichts anfangen können, würden meist erst später gestellt. Denn Migräne sei ein Garant für: Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe. Meistens ginge es ihr wieder besser, wenn sie ihren Freunden die Seelen-Migräne erklären musste. Ein Blick in das Grinsen meiner Freundin bestätigte das.

Rendezvous im Café oder: Liebe ohne Worte

Tasse II

Folgende Geschichte gehört in die Rubrik: Aus dem Leben gegriffen und tatsächlich wahr.
Es ist später Nachmittag. Wir befinden uns in einem sehr großen Café, das vorwiegend von Menschen frequentiert wird, die die Lebensmitte noch nicht erreicht haben. Es ist recht laut, was zum Einen daran liegt, dass es sehr voll ist, zum Anderen hat es auch was mit der lateinamerikanischen Gitarrenmusik zu tun, die laut im Hintergrund läuft. Die Inneneinrichtung besteht aus einfachen Holztischen und Stühlen, die weder schön noch bequem sind, aber zum Rest des Ambientes passen. In der Mitte des Raums befindet sich ein Tisch, auf dem es unzählige Exemplare von Tageszeitungen und Zeitschriften gibt.
Ein Mann sitzt am Tisch und liest. Während er die Tageszeitung in der Hand hält, liegen noch einige Wochenmagazine auf seinem Tisch vor ihm. Eine Frau kommt und setzt sich zu ihm an den Tisch. Er schaut von seiner Zeitung lächelnd auf. Offenbar sind die beiden sich bekannt, denn er steht auf und lächelt sie innig an. Sie küssen sich, ohne dass er die Zeitung aus den Händen legt. Sie schaut sich im Café um. Er setzt sich wieder auf seinen Stuhl und liest weiter. Sie liest auch, die Rückseite der Tageszeitung, die sein Gesicht verdeckt. Sie bestellt ein Mineralwasser, das kurze Zeit später gebracht wird. Dann sitzen beide schweigend am Tisch. Er vertieft in den Inhalt der Zeitung, sie in den Inhalt ihres Glases. Der Blick der Frau bleibt bei den Wochenzeitschriften auf ihrem Tisch hängen. Sie greift danach und beginnt zu blättern. Der Mann, der ihr gegenüber sitzt, bekommt davon nichts mit. Er ist in seine Lektüre vertieft. Nach einigen Minuten klappt sie die Zeitschrift zu und schaut sich suchend im Café um. Ihr Blick bleibt an dem Tisch mit den Zeitschriften hängen, bei dem sich Gäste mit Lektüre versorgen können. Sie steht auf und kommt mit einem weiteren Magazin zurück. Sie blättert und liest. Er blättert und liest. Sie trinkt ihr Wasserglas sukzessive leer. Dann klappt sie ihre Lektüre zu und legt sie auf den Tisch. Danach greift sie ihre Handtasche und verlässt wortlos das Café. Der Mann bleibt zurück. Es dauert noch eine ganze Weile, bis er die Zeitung zusammenfaltet. Er tut dies mit einem strahlenden Lächeln. Wahrscheinlich galt es der Frau, die ihm noch vor einer halben Stunde gegenüber saß, jetzt jedoch nur den leeren Stuhl erreicht. Der Mann runzelt die Stirn und wartet. Sein Blick wandert mehrmals in der Minute zu den Toilettentüren des Cafés. Nach einer ganzen Weile, nimmt er sein Handy aus der Jackentasche und wählt eine Nummer. Ohne Erfolg. Er wiederholt seinen Versuch. Einmal, zweimal, dreimal. Ein Telefonat kommt nicht zustande. Mit einer energischen Handbewegung landet das Handy in seiner Jackentasche. Der Mann schnaubt und verschränkt seine Arme vor der Brust. Dann fällt der Blick auf eine der Zeitschriften, die noch immer auf dem Tisch liegen. Er greift danach und vertieft sich in die Lektüre. Der Rest ist Schweigen.