Erhellende Gedanken

Meine Tante Fine behauptet, dass in ihrem Kopf ein Knäuel aus Gedanken für ihr Denken verantwortlich sei. Bei ihrer Beschreibung um die Beschaffenheit des Knäuels muss ich an meine üppigen Wollreste denken, die nach 40 Jahren Stricken in einer Kiste lose miteinander verwoben sind. Nachdem das Katertier mit ihnen fertig war, hatten sich aus so mancher loser Verbindung unzertrennliche Gefüge entwickelt. So ein Knäuel muss Tante Fine vor Augen haben, wenn sie über ihr Denken philosophiert.

Ansatzweise kann ich es ihr nachempfinden, wobei mich im Gedankenknäuel meist die losen Enden beschäftigen. Zeitweise blitzen sie auf und kommen als Blitzgedanke daher. Dann heißt es schnell sein. Den losen Gedanken erwischen und ohne Rücksicht auf Verluste ins Licht zerren. Am Schopfe packen und bei Licht entscheiden, ob es sich lohnt, den Gedanken auf Schultern tragend in den Himmel zu heben.

Häufig stelle ich fest, dass so mancher Gedanke nicht nur faktisch, sondern auch inhaltlich an den Haaren herbeigezogen ist. Bei Licht betrachtet, erscheint er allzuoft banal. Geradezu nichtssagend. Losgelassen verschwindet der Wichtigtuer belanglos in den hinteren Reihen, um sich weiter im Dunkeln wichtig zu tun.

Mich erinnert das an Bekanntschaften in dunklen Clubs, von denen es sich auch besser im Dunkeln verabschieden lässt, um Enttäuschungen bei Tageslicht zu entgehen.

Aber Tante Fine ist der Meinung, dass auch ansatzweise hohle Gedanken betrachtet werden wollen. Vielleicht ist doch ein Kleinod darunter, dass sich nur bei genauer Betrachtung zeigt. Deshalb sollen Gedanken unvoreigenommener Begutachtung begegnen – sagt Tante Fine.

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