Mission impossible – vor der Haustür

Die besten Geschichten schreibt bekanntlich das Leben. Diese auch. Ereignet hat sie sich letzte Woche. Auf dem Weg nach Hause fahre ich einige Kilometer über eine stark frequentierte Landstraße. Überholverbot auf ganzer Linie. Natürlich gibt es immer wieder Menschen die sich nicht daran halten. Aber meistens überholen diese Menschen, wenn sie die Straße einsehen können. Meistens. Letzte Woche ist mit jemand begegnet, der so lange nicht warten wollte. Ich war ihm zu langsam. Und weil ich mich an die vorgeschriebenen 70 kmh gehalten hatte, wurde ich direkt überholt. Vor der Kurve – ich konnte nicht sehen, ob ein Auto auf der Gegenfahrbahn unterwegs war. Wie auch, wenn ich um Kurven gucken könnte, wäre ich reich und hätte andere Aufgaben. Der Überholer holte mit seinem gewagten Manöver einiges raus. Schließlich klebte er nun an der Stoßstange meines Vordermanns. Da hielt er es nicht lange aus und der Vorgang des Überholens (samt Kurve und Überholverbot) wiederholte sich. Den Überholer brachte das viel weiter. Er stand vor uns an der roten Ampel. Hut ab! Ich ärgerte mich – das ist neu. Früher war mir ziemlich egal, wie andere fahren. Das hat sich geändert. Dafür gibt es mehrere Gründe. Der eigene Unfall vor einem halben Jahr tut wohl seinen Teil dazu. Aber vor zwei Monaten kam mir ein Autofahrer am Berg auf meiner Spur entgegen. Zum Glück konnte er bremsen und wieder einscheren. Es gibt ein paar Stellen, da ist Überholen auf der Landstraße wirklich unangebracht. Kurven und Hügel gehören definitiv dazu.

Der Überholer ärgerte mich so sehr, dass ich an der roten Ampel aussteigen wollte. Ich wollte ihn fragen, warum er so riskant überholt. Schließlich gefährdet er damit nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das der anderen. Die Ampel kam mir dazwischen. Während ich im Kopf noch meine Sätze formulierte, sprang die Ampel auf grün. Da fuhr er hin und ich ärgerte mich wieder. Über meine Langsamkeit und darüber, dass ich nun meinen Ärger nicht loswerden konnte.

Dann half die Intuition. Dieser folgte ich, denn auf dem Weg nach Hause liegt ein kleiner Supermarkt. Meine Intuition sagte: „Halt an. Bestimmt kauft er da ein.“ Da ich mir das Kennzeichen gemerkt hatte, war der Wagen leicht zu finden. Keine Ahnung warum, aber da stand er. Der Wagen mit dem richtigen Kennzeichen. Da meine Sätze schon formuliert im Kopf vorhanden waren, brauchte ich nur noch alles aufschreiben und dem guten Mann meine literarischen Ergüsse an die Windschutzscheibe heften. Wer weiß, was das gebracht hat. Auf jeden Fall wurde ich meinen Ärger los.

Nur was mache ich mit den vielen Auto fahrenden Handybenutzern, die schreibend auf ihr Display schauen und nicht auf die Straße? Das Hirn kann nur eins: Auto fahren ODER schreiben. Beides geht nicht – kann man bei Julia Shaw nachlesen, wenn man auf seinen gesunden Menschenverstand nicht vertrauen möchte.

Advertisements

3 Gedanken zu „Mission impossible – vor der Haustür

  1. Hiltrud von den Driesch

    Ähnliche Erfahrungen habe ich auch schon sehr häufig gemacht und ich frage mich immer, warum diese Idioten (Entschuldigung, aber etwas anderes fällt mir für diese Typen, die billigend in Kauf nehmen, sich selbst und/oder andere in Gefahr zu bringen, zu verletzen oder gar zu töten) so selten von der Polizei erwischt werden. Bei diesem hirnverbrannten und verantwortungslosen Verhalten sollte ohne Wenn und Aber der Führerschein einkassiert werden. Einmal hatte ich in einer solchen Situation aber auch einen inneren Reichsparteitag: An jenem Tag fuhr ein Drängler mit Mainzer Kennzeichen hinter mir her. Es war ein weinroter „Westfalia“ – vergesse ich nie mehr. Lichthupe, dichtes Auffahren, Drohgebärden, Hupen – all das brachte mich nicht aus der Ruhe, schließlich galt auf diesem Abschnitt der Landstraße Tempo 70. Als endlich kein Gegenverkehr mehr vorhanden war, ließ mein Hintermann den Motor aufheulen und überholte mich voller Zorn in einem Affenzahn. Da – ein heller Blitz ließ ihn zusammenfahren und instinktiv die Bremse betätigen. Doch es war ja bereits zu spät. Ich schätze, dass er von seinem Ausflug in den Selfkant ein hübsches – leider auch recht teures – Erinnerungsfoto zugeschickt bekommen hat. Dieser Schock saß so tief, dass er ab diesem Zeitpunkt artig mit 70 km/h vor mir her gefahren ist. Ob er wohl mein hämisches Grinsen im Rückspiegel wahrgenommen hat?

    Antwort
    1. loulila Autor

      Das hoffe ich sehr!!! Ich frage mich oft, was zu tun ist, wenn wirklich im Straßenverkehr Menschenleben gefährdet werden…Das Kennzeichen notieren (wenn man dafür dann noch Zeit hat!) und dann? Die Polizei informieren? Und dann?
      Vielleicht frag ich mal bei der Polizei nach, dann lass ich Dich an der Antwort teilhaben🤓

      Antwort
  2. Hiltrud von den Driesch

    Danke, liebe Andrea! Das würde mich sehr freuen. Ich denke jedoch, dass es sehr schwierig ist, jemanden zu belangen. Wir hatten z,B. mal eine kleine Kamera im Auto, die das Verkehrsgeschehen aufzeichnete, damit wir im Falle eines Unfalls etwas in der Hand haben sollten. Da gibt es ganz strenge Bestimmungen. In der Regel darf man das gar nicht verwenden. Wir hatten damals jemanden auf dem Film, der bei der Auffahrt zur Autobahn wie ein Idiot gefahren ist, sich mit einem Höllentempo durch zig Autos geschlängelt hat und wo nur der Umsicht und der raschen Reaktion der anderen Verkehrsteilnehmer zu verdanken ist, dass nichts passiert ist. Und so ist der auch weiter gefahren. Wir durften ihn aufgrund dieser Beweise, die ja nun mal vorlagen n i c h t anzeigen. Indem wir ihn filmten, haben wir in sein Persönlichkeitsrecht (!) eingegriffen. Ja, und wie willst du jemanden belangen, wenn du keinen Beweis vorlegen kannst/darfst? Der wird doch alles abstreiten 😟😳

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s