Gegeneinander statt miteinander reden

BlödkopfBlog

„Reden ist Silber. Schweigen ist Gold.“

Die Umsetzung dieser Weisheit kommt mir zunehmend sinnvoller vor. Obwohl (oder vielleicht gerade weil) ich ein großer Freund der Kommunikation bin. Allerdings meine ich damit den Austausch wirklicher Meinungen und auch unterschiedlicher Sichtweisen. Wenn verschiedene Sichtweisen im Gespräch miteinander kombiniert, betrachtet und modifiziert werden, kann das Resultat eine wirkliche Bereicherung für alle Beteiligten sein. Dann bin ich FÜR Kommunikation. Unbedingt! Sollte das Gespräch um einen Sachverhalt jedoch missbräuchlich dazu verwendet werden, um ungeklärte Fronten zu bearbeiten („Entweder Du bist auf meiner Seite oder Du bist gegen mich“), dann halte ich das für Zeitverschwendung. Bei der Klärung eines Sachverhaltes sind es schließlich die verschiedenen Sichtweisen, die zur Klärung eines Problems hilfreich sein können. Ich halte diesen Rahmen für völlig ungeeignet, um persönliche Feindschaften und Freundschaften auszuleben. Es schadet nicht nur dem Sachverhalt, sondern auch dem eigenen Zeitbudget.

Dabei weiß ich nicht, was schlimmer ist: Die unreflektierte Aneinanderreihung von Wörtern, die nicht zum Austausch und Auseinandersetzung oder im besten Fall zur Erweiterung/Klärung eines Sachverhalts beitragen, sondern ausschließlich der Selbstdarstellung, der Zugehörigkeit zu einer ideologischen Gruppe und zur Festigung des eigenen Gedankenguts beitragen ODER das vom Kommunikationspartner gesprochene Wort ausschließlich auf dem Ohr zu hören, welches das eigene Weltbild repräsentiert. An der Stelle ist es egal was gesagt wird. Alle Wörter werden interpretiert und zwar so, dass sie die eigene Weltanschauung/Feindbild unterstützen. (Schulz von Thun und Watzlawick lassen grüßen!) Dies ist keine Kommunikation, die weiterbringt. Ich halte auch den Ausspruch: „Ihr müsst nur mehr miteinander reden – oder – unterhaltet euch doch mal darüber“ für absolute Zeitverschwendung, wenn die Kommunikation unter dem unreflektierten Selbstdarstellungsstern steht. Es sei denn eine neutrale Person moderiert das Gespräch. Und was noch viel wichtiger ist: Die an der Kommunikation beteiligten sollten ein Mindestmaß an Interesse mitbringen tatsächlich mal hinter die eigene Fassade zu blicken und sich die Frage stellen: Warum fällt es mir so schwer auch mal andere Meinungen anzuhören und zu akzeptieren?

Ist das alles nicht der Fall hilft immer noch Schweigen. Nicht dem Sachverhalt, aber den eigenen Energieressourcen.

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