Ein Land wie aus 1000 und einer Nacht oder: Mehr Multikulti!

Medusa

Die besten Geschichten passieren glücklicherweise anderen. So hat folgende Geschichte eine Freundin erwischt, die im Rahmen ihres Studiums ein Praktikum absolvieren muss. Erstmal nichts Außergewöhnliches. Ebenfalls unspektakulär und durchaus üblich unter Studenten, dass sie für dieses Praktikum das häusliche Umfeld verlassen und in die Welt hinaus ziehen muss. Im Fall der Freundin bedeutete das: Zwei Stunden von zuhause entfernt, aber noch in Deutschland. Beherrbergt in einem Praktikantenhaus, welches direkt in einer großen Grünanlage steht, die auch gleichzeitig der Ort des Praktikums ist. Eine weitere Praktikantin hatte eine nicht ganz so einfache Anreise. Nach zehnstündigem Flug fand sie sich nicht nur sprachlich in fremden Gefilden wieder, auch das Leben im Praktikantenhaus gestaltete sich völlig anders, als sie es von zu Hause gewöhnt war.
Da besagte Freundin schon einige Tage im Praktikantenhaus lebte, wurde ihr der Auftrag zugeteilt, der neu Angereisten die Pflege und Hege des Praktikantenhauses geläufig zu machen. Dieses Haus ist mehrere Jahrhunderte alt und bedarf ansonsten der selben Pflege, die auch jüngere Häuser zu schätzen wissen: Fegen, wischen, lüften, nach dem Kochen, den Herd putzen… Was nun mal zu tun ist, wenn man in vier Wänden lebt. Es stellte sich heraus, das in anderen Ländern offenbar andere Sitten herrschen. Zur großen Verblüffen der von fern angereisten Studentin, bilden sich kein Schmutzhäufchen, wenn der Besen in die Hand und auf der Stelle am Boden bewegt wird. Auch führte es zu großer Verwunderung, dass rohes Fleisch im Kühlschrank Pfützen hinterlässt, wenn man es aus der Verpackung nimmt und es „einfach so“ auf das Gitter legt. Noch größere Verwirrung entstand jedoch darüber, dass diese Pfützen nicht von allein wieder verschwinden. Nach einem intensiven Gespräch von Studentin zu Studentin stellte sich heraus, dass es in fernen Ländern ganz anders zu geht. Auf die Frage, wie sie im heimischen Studentenwohnheim für Sauberkeit sorgt, antwortete sie, dass dies zuhause nicht notwendig sei. Dort würde sich der Mülleimer von alleine leeren, das Waschbecken reinigt sich von allein und auch der Dreck würde sich von allein entsorgen. Ganz natürlich, ohne vorher auf einen Berg gefegt worden zu sein. Natürlich wirft das Fragen auf. Zum Beispiel: Wer bezahlt die Reinigungskräfte in diesem fernen Land, die dafür sorgen, dass Studenten nicht mit Schmutz belästigt werden? Als diese jedoch laut gestellt wurde, gab es nur verständnisloses Stirnrunzeln. Übrigens etwas, das vermutlich international als „Das sehe ich aber ganz anders“ interpretiert werden darf. Die aus der Ferne angereiste Studentin hatte noch NIE eine Reinigungskraft gesehen und bestreitete vehement, dass es diese gäbe. Stattdessen behauptet sie, dass es in ihrer Heimat einfach viel besser zugehe, als in Deutschland. Da wo sie herkommt, reinigen sich die Studentenwohnheime von allein! Dazu passend: Es wird jeden Tag für alle Studenten gekocht. Und zwar umsonst. Morgens, mittags, abends.
Andere Länder, andere Sitten. Ich finde, selbstreinigende Studentenwohnheime sollte es hier auch geben. Wenn man schon mal dabei ist, könnte man dieses Prinzip auf alle anderen Wohnhäuser ausweiten. Ich würde mich, bzw. mein Haus, sehr gern als Versuchsobjekt anbieten. Also sollte dies hier jemand lesen, der dafür zuständig ist: Einfach einen Kommentar schreiben, wir kommen bestimmt ins Geschäft!!!
Leider muss an dieser Stelle gesagt werden, dass die angepriesene freie Kost nicht ganz frei ist. Nach einiger Recherche stellte sich heraus, dass die Kosten der Heimatstaat besagter Studentin trägt, um jungen Menschen einen Anreiz zu schaffen, in Vergessenheit geratene Studiengänge wieder zu beleben. Ob der heimische Staat eventuell auch verantwortlich für den selbstreinigenden Mülleimer sei, wurde von der fremden Studentin verneint. Da wo sie herkommt, könnten die Mülleimer das einfach, sich selbst leeren und wieder ganz proper aussehen. Ich finde, dass der deutsche Mülleimer ganz schön doof ist. Ich war schon immer für mehr Multikulti, aber noch nie so sehr wie heute!
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