Kinder – ein Quell der Freude

Wimereaux Sommer 2011 118

Gibt der Mensch sich dem Glauben an die Werbung und dem Einzelhandel hin, so sind Kinder das allerwichtigste auf Erden. Zumindest bei der Anschaffung sämtlicher Konsumgüter. Das fängt bei der Schwangerschaftsmode an (von der ist der junge Sprössling dankenswerter Weise nur indirekt betroffen) und hört bei der Anzahl der verschiedensten Autositze für Kinder noch lange nicht auf. Verzweifelte Eltern stehen vor allerlei wichtigen Entscheidungen, wie zum Beispiel: Holzspielzeug oder doch blinkendes Tam Tam? Das Kindchen schreien lassen oder doch lieber im elterlichen Bett dem drohenden Erstickungstod aussetzen? Aber wenn es allein im Bettchen liegt, vielleicht erwischt es der plötzliche Kindstod? Stillen oder Flasche? Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich mich daran erinnere, wie finster Hebammen beim Wort Flasche gucken können. Der böse Blick von Du-weißt-schon-wem oder Jack Nicholson in Shining ist ein Schei… dagegen! Glücklicherweise gibt es Ratgeber. Zu jedem Thema. Mehrere. Viele. Viel zu viele, denn schließlich will jede Industrie verkaufen. Sind die Eltern mit der Lektüre des Ökotests durch, können sie direkt mit den Empfehlungen des Stiftung-Warentests weitermachen. Danach kommen diverse Erziehungsratgeber, es hört nie auf. Wenn das Kind geboren wird, holt einen die Realität ein, die sich nicht sortieren lässt, weil der kleine Erdenbürger einen komplett in Anspruch nimmt. Aber, wenn alles gut geht, entwickelt sich bei all der Fürsorge und den vielen Materialien, die der Einzelhandel der kleinen Familie zu bieten hat, ein kleiner zufriedener Mensch. So sehr, wie Familien mit Angeboten bedacht werden, müssten eine Horde von überglücklichen, bestgefördertsten und überaus gut entwickelten Kindern unsere Gesellschaft beflügeln. Das Gegenteil ist der Fall. In Zahlen (Statistisches Bundesamt Wiesbaden): Während 2008 noch 32 253 Kinder in Obhut genommen wurden, waren es 2013 42 123 Kinder. Selbst wenn man die Minderjährigen, die ohne Elternteil nach Deutschland einreisten abzieht, ist die Zunahme der in Obhutnahme erschreckend. Häufigste Ursache: Überforderung der Eltern.
Nicht wirklich überraschend, wenn man sieht, welche Kluft zwischen Anspruch, Erwartungshaltung und Realität klafft. Nicht, dass ich der Meinung wäre, dass Werbung an allem Schuld sei, aber weniger Werbung könnte entlastend sein. Solange alle Familien Ramaglücklich dargestellt werden, müssen Eltern der Meinung sein, dass sie selbst daran Schuld sind, wenn Kinder schreien und toben. Wer sagt ihnen denn, dass es dazu gehört, dass Kinder schreien, wenn sie verschiedene Entwicklungsstufen des kindlichen Werdens durchlaufen? In der Werbung wird suggeriert: Alle lachen, sehen gut aus und es ist wichtig das Kind gesund zu ernähren. Was hilft da weiter? Eine Portion Kinder Pingui. Leider werden nicht nur Kinder rund und fett, wenn sie jeden Tag eine Portion Zucker mit Fettglasur bekommen. Mit gesund und glücklich hat das wenig zu tun. Kinder erziehen ist anstrengend. Sie wollen Dinge, die nicht gut für sie sind (auch das gehört dazu).  Sie können auch keine weitreichenden Entscheidungen treffen. Das hat etwas mit der Entwicklung zu tun. Kinder im Kindergartenalter demokratisch mitentscheiden lassen in welches Urlaubsland die nächsten Ferien führen, kann entwicklungsbedingt nur zu Missmut auf allen Seiten führen. Die kleinen Racker sind sogar überfordert, wenn sie sich beim Abendbrot zwischen drei Wurstsorten entscheiden sollen. Ich empfehle den geplagten Eltern: Nur eine Wurst und einen Käse. Das hat nichts mit Mangelernährung zu tun, sondern produziert glückliche Kinder (weil sie lernen Entscheidungen zu treffen, die sie überblicken können – was mit einem positiven Lerneffekt einhergeht) und schont die Nerven.
In der Vergangenheit durfte ich zu einigen Erkenntnissen kommen. Nicht nur als Mutter in diversen Spielgruppen, Kinderturnen und Babyschwimmgemeinschaften, sondern auch beruflich kommt mir hin und wieder das eine oder andere Kind unter. Dabei haben sich Erkenntnisse offenbart. Zum einen ist Medienkonsum für Kinder völlig überflüssig. Kinder ohne TV, PS (1-irgendwas), Nintendo, PC, WII….. entwickeln sich gesünder, meine ich beobachtet zu haben). Zum anderen kann man nur 24 Stunden ein gutes Elternteil sein, wenn die Kinder wirklich winzig klein sind. Nach einigen Monaten müssen Eltern mit ihrem Akku achtsam umgehen UND je weniger man glaubt was in der Werbung verbreitet wird, umso besser. Lieber mal die Oma fragen. Oder das ältere Ehepaar von nebenan oder jemanden, der mit beiden Beinen im Leben steht.
Vielleicht wäre weniger von außen mehr für innen. Das könnte Kindern gut tun.

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