Neues vom Sofa: Zwei unter einer Decke

Das Sofa-11

Der Mann betrat das Café nur zögerlich. Bedächtig setzte er einen Fuß vor den anderen. Es war als würde er Neuland betreten. Dies hatte weniger mit dem zu tun, dass er dieses Café zum ersten Mal betrat. Vielmehr waren es die Gründe, die ihn hierher geführt hatten. Er hatte etwas gewagt. Etwas, was er nie für möglich gehalten hätte und das so schön war, dass er an manchen Tagen nicht wusste, ob das wirklich wahr sein konnte. Aber es war die Realität. Die Realität seines Gefühlslebens. Er zögerte. Welcher Platz war frei und wo wollte er sitzen. Diese Fragen hatten ihn sein Leben lang aufgehalten. Nicht nur bei der Wahl eines Sitzplatzes. Was war richtig, was war falsch? Wollte er hier sitzen oder woanders? Gab es vielleicht auch noch irgendwas dazwischen? Etwas, was nicht so offensichtlich war? Welche Vorteile hatte der eine Platz im Vergleich zum anderen? Er wusste, dass diese Fragen in Bezug auf den Sitzplatz eines Cafés trivial waren. Weniger leicht waren seine Gedankengänge, wenn es um die anderen Fragen ging. Die Fragen die nicht weniger betrafen als sein Leben.[…]

 […] Sie hatte vor der Tür gestanden und durch die Fensterscheibe geschaut. Sofort hatte sie ihn auf dem Sofa sitzend erkannt. Sie schaute sich das Bild an und wünschte, sie hätte es zeichnen können, um es festzuhalten. Es war voller Schönheit, Wärme und Ruhe. Sie holte ihren Fotoapparat aus der Tasche und fotografierte ihn durch die Scheibe. Sie wollte dieses Bild gerne behalten. Er sah glücklich aus. Ein kostbarer Augenblick. Sie wusste, was es für ihn bedeutete, weil es für sie die gleiche Bedeutung hatte. Sie sah seine Gefühle in ihren eigenen Augen, als sie ihr Spiegelbild in der Fensterscheibe betrachtete. Gleich nochmal drückte sie auf den Auslöser. Es war ein Bild von ihm auf dem Sofa und von sich selbst in der Spiegelung der Fensterscheibe. Sie wartete einen Augenblick vor der Tür, um der Welle des Glücks die Möglichkeit zu lassen jeden Raum ihres Körpers einzunehmen. Es hatte so selten den Weg zu ihr gefunden, das Glück, wenn es schon einmal da war, wollte sie jede Sekunde nutzen, um es dem Glück so schön wie möglich in ihrem Körper zu machen. Vielleicht mochte es dann wiederkommen, das Glück. Als sie die Augen einen Augenblick später aufschlug, saß er noch immer auf dem Sofa. Er hatte eine Tasse in der Hand und als er kurz aufschaute, trafen sich ihre Blicke. Sie versank im Blau seiner Augen. Die Realität schwand, das tat sie immer, wenn sie ihn sah. Der Blick in seine Augen war das Tor zu der Wirklichkeit, die nur sie beide kannten. […]

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