Neues vom Sofa: Stalking

Das Sofa-11

Hier gibt es eine Leseprobe des neuen Kapitels Stalking aus: Neue Geschichten vom Sofa. Das vollständige Kapitel steht zum kostenlosen Download drei Tage zur Verfügung:

http://www.loulila.de/leseproben.html

Sie stürmte in das Café und ließ sich direkt auf den nächsten freien Platz fallen. Sie nahm nicht wahr, dass es sich bei ihrem Sitzplatz um ein weiches rotes Sofa handelte. Sobald sie sich hingesetzt hatte, rutschte sie bis an seinen Rand heran und schaute sich hektisch im Café um, bereit sofort aufzustehen und erneut zu fliehen. Ihr Atem ging stoßweise und viel zu schnell. Ihr Herz raste, als wollte es einem imaginären Ziel möglichst schnell entgegensteuern. Ihr Blick fiel auf den nahe am Sofa hängenden Spiegel. Unvorbereitet traf sie ihr eigener gehetzter Gesichtsausdruck und die Angst in den eigenen Augen erschreckte sie. Sie zuckte zusammen und begann zu zittern. Warum musste ihr das passieren? Sie versuchte zur Ruhe zu kommen, aber ihr Herz wollte einfach nicht langsamer werden. Sie schloss die Augen, schon allein um nicht mit ihrer eigenen Angst konfrontiert zu werden, und versuchte bis zehn zu zählen. Erst beim dritten Versuch konnte sie sich an alle Zahlen erinnern und auch ihr Herz fühlte sich an, als wollte es wenigstens ein wenig langsamer werden. Als sie die Augen öffnete, stand die Bedienung vor ihr. Sie schaute sie lächelnd an und das erste, was sie sagte war: «Kann ich ihnen vielleicht helfen? Geht es Ihnen nicht gut?» Sie schauten sich eine Weile an und es war der Bedienung als würde sie ein kurzes Zögern im Blick der jungen Frau erkennen, aber dann war der Moment verflogen und ihr Gast auf dem Sofa antwortete: «Nein, es ist alles in Ordnung, vielen Dank. Könnten sie mir bitte eine große Apfelsaftschorle bringen?» Die Bedienung lächelte und antwortete: «Natürlich. Gerne! Wenn sie dennoch etwas brauchen sollten, lassen sie es mich bitte wissen.» Dann ließ die Bedienung die junge Frau mit der Gewissheit allein, dass sie Hilfe bekommen würde, wenn sie welche brauchen sollte. Diese schaute vom Sofa aus der netten Bedienung nach und bedauerte, dass sie ihr nicht alles erzählen konnte. Sofort schämte sie sich bei diesem Gedanken. Die Frau hatte doch anderes zu erledigen. Dennoch war die Versuchung groß, als die Bedienung ihr das Glas brachte und sie anlächelte, bevor sie einen weiteren Gast nach seinen Wünschen fragte. Die junge Frau blieb allein auf dem Sofa zurück, versunken in den Gedanken, wie alles angefangen hatte.

Sie wohnte jetzt seit einem Jahr in der Stadt. Das Studium hatte sie hierher verschlagen. Es war nicht leicht gewesen eine kleine bezahlbare Wohnung zu bekommen, aber sie war schon immer ein Glückspilz gewesen, jedenfalls hatte sie sich das ihr ganzes Leben lang eingebildet. Die Wohnung gehörte einer älteren Dame und offenbar hatte diese gefallen an ihr gefunden. Der Mietvertrag wurde unterzeichnet und von da an wohnte sie auf neunundzwanzig Quadratmetern und fühlte sich in ihrem kleinen Reich mehr als wohl. Die Wohnung lag unter dem Dach und hatte ausschließlich kleine Dachfenster, die ihr den Blick in den Himmel erlaubten. Abends, wenn sie in ihrem Bett lag, konnte sie die Sterne am Himmel durch ihr Fenster beobachten. Sie liebte ihre Wohnung. Es war für sie der Ort, an dem sie am liebsten war. Dass sich alles veränderte, hatte vor einigen Monaten angefangen. Mit einem Anruf, dem sie nicht allzu große Bedeutung beigemessen hatte. Es hatte geklingelt und sie hatte den Hörer abgenommen. Als sie ihren Namen gesagt hatte, hörte sie nichts, außer einem Atem in der Leitung. Sie hatte aufgelegt und den Anruf vergessen, bis es wenige Tage danach wieder geklingelt hatte. Alles war wie beim ersten Mal gewesen: Sie dachte, es hätte sich jemand verwählt. Beim dritten Mal war sie gerade zur Tür herein gekommen und das Klingeln des Telefons hatte sie kurz zögern lassen, bevor sie den Hörer abgenommen hatte. Sie hatte angenommen, dass sie wieder den Atem eines Menschen hören würde. Unwillkürlich hatten sich damals ihre Haare am Unterarm aufgestellt und sie hatte ein unangenehmes Kribbeln im Nacken verspürt. Sie erinnerte sich gut an die Abscheu, die sie empfunden hatte, als sie den Hörer ans Ohr gehalten und ihren Namen gesagt hatte. Es war kein Atem gewesen, was ihr Ohr erreichte, diesmal war es ein Stöhnen. Sofort hatte sie aufgelegt und sich auf ihr Bett gesetzt. Als sie versucht hatte einen klaren Gedanken zu fassen, war ihr Blick auf die offene Wohnungstür gefallen. Schnell war sie aufgesprungen, hatte sie mit einem Knall geschlossen, um gleich darauf nach dem Wohnungsschlüssel zu suchen, mit dem sie dann zwei Mal von innen abgeschlossen hatte. Die Angst hatte damals Einzug in ihre Welt gehalten und war seit dem nicht mehr gegangen.

Sie nippte an ihrem Glas und bemerkte weder den Geschmack des Apfelsaftes, noch das Prickeln der Kohlensäure. Ihre Erinnerung war damit beschäftigt die Stationen des Leids zu besuchen. Der Anrufer war nicht beim Atmen und Stöhnen geblieben. Irgendwann hatte er auch zu sprechen angefangen. Sie hatte die Stimme nicht erkennen können, aber vielleicht hatte er sie verstellt. Es war ein Mann. Ein junger Mann, würde sie vermuten. Bald hatten seine Anrufe sie täglich belästigt. Wenn er ihr nicht ins Ohr stöhnte oder Beschimpfungen entgegenschleuderte, dann hatte er Sachen gesagt, die ihr noch in der Erinnerung die Angst durch den Körper jagten. «Mir gefällt Deine Bettwäsche. Die gelben und die roten Kreise passen so schön zusammen», war sein erster persönlicher Satz gewesen. Sie hatte augenblicklich das Gespräch unterbrochen und den Hörer weit von sich geworfen. Sie hatte auf ihrem Bett gesessen und ihre Bettwäsche betrachtet. Der Anrufer hatte Recht. Weil die gelben und die roten Kreise so gut harmonierten, hatte sie die Bettwäsche ausgewählt. Sie hatte eine Beklemmung in sich aufsteigen spüren, von der sie nicht einmal gewusst hatte, dass sie irgendwo in ihrem Körper versteckt gewesen war. In ihren Gedanken war sie alle Menschen durchgegangen, die sie als Besucher in ihrer Wohnung empfangen hatten. Da ihre Wohnung nur aus einem Zimmer bestand, hatte jeder Besucher Gelegenheit alles in den Blick zu nehmen, auch das Bett war sofort für jeden sichtbar. Aber keiner ihrer Besucher hätte sie diese Anrufe zugetraut. Zwei Arbeitsgruppen aus der Uni, hatten sich in ihrer Wohnung getroffen. Sie hatte alle männlichen Kommilitonen gründlich unter die Lupe genommen. Sie war sich sicher, dass es keiner von denen sein konnte. Aber wie konnte sie sicher sein? Nur weil die Stimme zu keinem von ihnen passte? Vielleicht verstellte er seine Stimme? Vielleicht war sie beim Einkauf der Bettwäsche beobachtet worden? Ein Blick in den Himmel durch das Dachfenster hatte ihr die Gewissheit verschafft, dass es keinesfalls jemand gewesen sein konnte, der sie durch ihr Fenster beobachtet hatte. Es sei denn, es war jemand, der an ihrem Fenster vorbeigeflogen war, was wirklich auszuschließen war. Sie hatte die Bettwäsche gewechselt und danach eine Weile den Tränen freien Lauf gelassen. Seit diesem Tag kontrollierte sie mehrfach, ob sie sich auch eingeschlossen hatte, wenn sie allein zu Hause war. […]

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5 Gedanken zu „Neues vom Sofa: Stalking

    1. loulila Autor

      Hallo Hiltrud, bevor der eigentliche Text der Leseprobe losgeht, findest Du einen Link. http…. Einfach drauf klicken. Der Link führt Dich zu meiner Homepage zu der Rubrik Leseprobe. Dort kannst Du die gesamte Geschichte downloaden. Sollte das nicht funktionieren, schreib mir bitte nochmal. Viel Spaß beim lesen und ich freu mich, dass Dir der Anfang schon mal gefällt. Liebe Grüße!!

      Antwort

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