Aus dem Leben der Inklusion

In einem Artikel des bildungspolitischen Sprechers der Grünen, Öczan Mutlu, vom 15.8.2014 in der Zeit ensteht der Eindruck, dass Inklusion langfristig kostenneutral sein könnte. Das lässt hoffen, auch wenn die Erfahrungen von Lehrern momentan dagegen sprechen. Grundsätzlich bin ich auch für Inklusion. Ihre Umsetzung beim bestehenden mehrgliedrigen Schulsystem sehe ich aber gefährdet. Herrn Mutlus Vorstellungen umzusetzen bedeutete, dass JEDE Schule auf ALLE Kinder eingestellt ist. Lehrer jeder Schulform und sonderpädagogischer Fachrichtung wären dafür notwendig. Wenn diese Kompetenzen an einer Schule mit den erforderlichen Räumlichkeiten UND Schulkonzepten vorhanden wären, könnte Inklusion gelingen. Ich glaube aber: Das kostet viel Geld.

Ärgerlich fand ich seine Aussage, dass Kinder, die momentan an Förderschulen unterrichtet werden kaum Lernzuwächse haben. Wenn man Förderschulen nicht mehr will, kann man den fehlenden Lernzuwachs leicht auf die Schulform schieben. Aber Kinder an Förderschulen lernen auch. Im Rahmen der individuellen Möglichkeiten. Hier sind Lernzuwächse oft schwer messbar, da es um grundlegende soziale, emotionale und sprachliche Kompetenzen geht. Ein kindgerechter Unterricht wird oft nur möglich, wenn eine grundlegende Diagnostik in ALLEN Lernbereichen vorgenommen wird. Dass man die daraus resultierenden Lernzuwächse statistisch nicht erfassen kann ist schade. Ein Praxisbeispiel: Ein Kind traut sich beim Schwimmen wegen der Lautstärke nicht in den Duschraum. Am Ende des Schuljahres gelingt das Duschen mit Freude. Statistisch gesehen kann es noch immer nicht schwimmen. Gelernt hat es eine Menge.

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